Spaniens Vorzeigeproduzent aus Barcelona ist Idealist und ausgezeichneter Netzwerker
Text: Eike Kühl aus De:Bug 128


Jahrelang hatte Barcelona die Techno-Vorherrschaft in Spanien inne. Der Erfolg des Sonar Festival trieb nicht nur über die Jahre die Ticketpreise in astronomische Höhen, sondern vor allem auch eine geradezu unüberschaubare Masse an DJs innerhalb einer Woche in die Stadt und durch die Clubs. Den Anwohnern ging bald die Geduld und Partygängern schlichtweg die Puste aus. Dabei ist ausgerechnet in der zweiten spanischen Metropole Madrid über den gleichen Zeitraum ein Netzwerk befreundeter und aufstrebender Produzenten herangewachsen, die inzwischen für einen nicht unerheblichen Anteil der spanischen Technoproduktionen verantwortlich sind und dabei entspannt in die iberische Sonne blicken. Net28 heißt das Netzwerk und unter seiner Schirmherrschaft befinden sich mittlerweile Labels wie Apnea, CMYK, Cyclical Tracks oder eben Múpa, das Sublabel von Damián Schwartz, neben Alex Under das vielleicht bekannteste Gesicht des Kollektivs und gleichzeitig einer seiner Gründer. “Net28 gibt es schon eine ganze Weile, aber erst seit ca. zwei Jahren versuchen wir es auch als Marke, Booking-Agentur und Mutterlabel zu pushen. Dieser Kollektiv-Gedanke ist unglaublich wichtig für mich, er wirkt als Katalysator und Antrieb für meine Ideen und lebt vom ständigen Austausch von Freunden untereinander.“ Die Früchte des regen Austauschs trägt auch “Party Lovers“, das Debütalbum von Schwartz, und überhaupt erst das zweite Künstler-Album auf Net28.

Dabei spiegelt nicht nur der Titel die Ambitionen der Musik wider, es pendelt gleichermaßen zwischen Dancefloor-Tauglichkeit und subtilen Jazz-Einflüssen, durchbricht enge, treibende Grooves immer wieder mit überraschenden Strukturen und zollt ebenso Chicago- und Vocal-House wie jenem Minimalismus Tribut, der auch die früheren Produktionen schon immer durchzog. “Gerade Jazz überschreitet ständig die Grenzen von Genres, es ist weniger Stilrichtung für mich als vielmehr ein mentales Konzept. Was ich beim Produzieren im Kopf behalte, sind keine längeren Grooves, sondern kleine Elemente wie Bass Riffs, Melodien oder Pianochords, mit denen ich dann weiterarbeite. Daneben ist natürlich Chicago-House ebenso ein Einfluss wie Salsa, Herbie Hancock oder experimentelle Sachen von Vladislav Delay und Thomas Brinkmann.“

Ein gutes Dutzend Singles hat Damián Schwartz inzwischen veröffentlicht, fast alle auf den internen Labels von Net28. Seiner internationalen Bekanntheit hat dies keinen Abbruch getan. Seine Tracks und Remixe fanden sich im vergangenen Jahr gleich auf mehreren renommierten Mix-CDs wieder, und auch mit dem Frankfurter Label Oslo pflegt er eine enge Beziehung, wie ein Remix für Federico Molinari und eine kommende EP im Dezember zeigen. Sein Album markiert dabei weniger einen Schnitt als ein Resümee, eine Kulmination der letzen drei Jahre, ein musikalisches Statement, nicht nur für Damián Schwartz als Künstler, sondern auch für Madrid als Fixpunkt südländischer Technokultur. “Trotz des Titels ist das Album nicht nur für den Club gedacht, sondern spiegelt meine Gefühle zur elektronischen Musik insgesamt wider. Angefangen habe ich letzten Sommer, fertig war es dann im Februar und es enthält sicherlich einige Tracks, die als Single nicht funktionieren würden. Das Album war einfach notwendig, um die Ideen der letzten Jahren zusammenzufassen.“

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.