James Zeiter baut Detroiter Sonnenaufgänge aus UK-Perspektive. Neil Tennant ist begeistert.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 93

Dancefloor in Zeitlupe
Analog~1

Am Anfang steht die Stille, die alle zum Tanzen bringt. Analog~1 lässt auf seiner “B-Line-EP” alles vibrieren, versetzt eine längst in Vergessenheit geratene Art von Musik wieder in Schwingung und konfrontiert uns mit einer erschütternden Wahrheit: Ein Track braucht nur ein paar Töne oben, ein paar unten und einen einfachen Rhythmus. Anders haben die Stücke von James Zeiter aus Manchester eigentlich nie funktioniert, jedenfalls die, die überliefert sind. Seine Gitarrenband machte Ende der 80er ein Album, das niemand kaufte, an seine sehr kommerziellen Maxis danach erinnert er sich selber nicht mehr, und neben einem kurzen Auftritt auf “RobsRecords”, dem Label des damaligen Managers von New Order, waren es die jz-arkh 7″s, für die er erstmalig Aufmerksamkeit bekam. Auch wenn die Auflagen klein und die Informationen gering waren. Berlin-beeinflusster Ambient auf 7″, das war jz-arkh. All das ist lange her und sein Label MCMLXV lag über ein Jahr brach. “Auch das ist ein Grund, warum ich für die neue Maxi einen neuen Projektnamen gewählt habe”, sagt James. “Die EP markiert einen Neuanfang, einen Switch zurück zum Analogen, weg von den PlugIns. Das habe ich hinter mir, das war jz-arkh. MCMLXV ist mein Geburtsjahr, 1965. Es ist ein Zeichen, dass das mein Label ist, jeder Track ist ein Stück von mir.”
Vier Stücke markieren den Neuanfang von James Zeiter. Sie leben von der immer weitertuckernden 808, einer fast schon weinenden 303 und nostalgisch klingenden Flächen, die den Dancefloor in Zeitlupe tauchen und die Roboter ihre Adidas Superstars anziehen und breaken lassen. Irgendwann eben, wenn die Sonne rauskommt. Die klassische Version dessen, wie sich Engländer Detroit vorstellen. Gut, dass es so etwas noch gibt. Und die zweite EP wird folgen, sagt James. Und dann? “Keine Ahnung. Gerade habe ich einen Remix für The Doves gemacht. Und mal sehen, was passiert, wenn diese Mix-CD von Neil Tennant erscheint. Vielleicht wollen dann alle Tracks von mir. Ist aber eigentlich auch egal.”

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Elektronische Lebensaspekte.