Als Danger Mouse hat Brian Burton nicht nur die HipHop-Welt mit pfiffigen Produktionen versorgt, sondern auch die Netzwelt mit seinem "Grey Album" aufgemischt. Vor kurzem hat er das neue Gorillaz-Album koproduziert und gerade zusammen mit MF Doom "The Mouse And The Mask" aufgenommen.
Text: Clara Völker aus De:Bug 97

Die Mausefalle
Danger Mouse

Der Mann mit dem Mauskostüm und dem größten Remix-Coup der letzten Jahre ist nicht gerade gewöhnlich. Wer jedoch eine spektakuläre Person nach Art eines Cartoonhelden hinter dem Urheber des “Grey Album” und dem neusten Mitglied der Gorillaz erwartet, liegt falsch. Danger Mouse aka Brian Burton ist ein reflektierter und pragmatischer Produzent aus Georgia, der nach einer Zwischenstation in London inzwischen im sonnigen Los Angeles lebt und gerade ein Album mit MF Doom als Dangerdoom bei dem britischen Warp-Unterlabel Lex Records herausgebracht hat. Der sich überschlagende Jubel um sein “Grey Album” liegt inzwischen ein paar Jahre zurück, damals war das ganze Netz freudig erregt aufgrund des cleveren Produzenten, der sich offensichtlich nicht besonders um Copyrights scherte und das verwendete, was ihm in die Finger kam, in diesem Fall die Musik des White Albums der Beatles umschneiderte und mit den Raplyrics von Jay-Zs “Black Album” verband. Obgleich die Plattenfirma der Beatles nicht begeistert war und empört das Release verbat, wurde das “Grey Album” eine der am weitesten verbreiteten Veröffentlichungen der letzten Jahre, die von Cory Doctorow bis Lawrence Lessig allerlei für HipHop-Release ungewöhnliche Fans auf den Plan brachte. Diese projizierten auf das Album ein Statement gegen die kreativitätsbehindernde Regulierungsmacht der Musikindustrie und riefen unter anderem zum “Grey Tuesday” auf, einem Dienstag, an dem das “Grey Album” auf 170 Websites illegalerweise heruntergeladen werden konnte. Danger Mouse selber sah die ganze Sache eher gelassen, für ihn war das “Grey Album” eine künstlerische Arbeit und kein Pamphlet gegen die Plattenindustrie. Einer Einladung, auf der Web 2.0. Konferenz von O’Reilly im November 2004 über Downloads und die Zukunft von Musik zu sprechen, folgt er natürlich trotzdem, wenn auch mit wenig Elan. Seine Meinung zu der durch das Internet ermöglichten Veränderung des Musikkonsums ist nicht direkt altmodisch, aber kritisch: “Mich kümmert das Ganze eher wenig. Ich denke, wenn man ein Album online hat, hören die Leute nur einzelne Tracks und nicht das Album als Ganzes. Bei einer Schallplatte ist das anders: Man hört das ganze Album und manchmal werden die Songs, die man anfangs nicht mochte, am Ende deine Lieblingssongs. Die Leute haben mittlerweile eine sehr geringe Aufmerksamkeitsspanne, sie hören nur ein, zwei Songs, bleiben dann dabei und dabei entgeht ihnen die Vision des Künstlers für das gesamte Album. Ich finde es schade, dass vor allem junge Leute nicht mehr dieselbe Erfahrung mit Schallplatten machen wie wir.” Und insbesondere mit seiner im selben Jahr (2003) wie dem “Grey Album” erschienenen Platte “Ghetto Pop Life” zusammen mit MC Jemini konnte man eine Menge akustischer Erfahrungen machen.

DIE MAUS UND DIE MASKE
Mit dem gerade veröffentlichten Dangerdoom-Release, einer Kooperation mit MF Doom, soll die nachfolgende Generation nachhaltig begeistert werden. Der MC steht im Vordergrund: “Das Dangerdoom-Album war mein Weg, mit dem zusammenzuarbeiten, den ich für den besten MC halte, den es jemals im HipHop gegeben hat. Doom wird die Art und Weise, wie eine Menge junger Leute in Zukunft rappen und schreiben werden, nachhaltig beeinflussen. Wir haben uns vor ein paar Jahren über einen Bekannten kennen gelernt, als ich gerade an einer Platte gearbeitet habe, für den ich ihn als Gast gewinnen wollte, er hat dann auf einem Track mit Prince Po gerappt, den ich produziert habe. Da Doom in Atlanta lebt und ich dort aufgewachsen bin, meine Eltern wohnen dort, haben wir ab und zu abgehangen, als ich dort war. So kam die Verbindung zustande.” MF Doom ist ja bekanntlich großer Cartoon- und Comic-Fan, Danger Mouse war es mal, und daher finden sich eine Menge Originalstimmen aus verschiedenen Cartoons des amerikanischen Cartoon-Senders “Adult Swim”, z.B. von “Aqua Team Hunger Force” und “Sealab 2021”, auf der Dangerdoom-Platte, die sich übrigens “The Mouse and the Mask” nennt und neben Doom als MCs auch Talib Kweli, Ghostface und vor allem Cee-Lo featuret, der ja einst bei Goodie Mob war und mit dem zusammen Danger Mouse im Frühjahr eine Platte als Gnarls Barkley veröffentlicht. Als HipHop-Produzent sieht sich Danger Mouse jedoch nur manchmal. “HipHop war lange Zeit meines Lebens definitiv eine Weise zu leben. Es ist ein Teil von mir, auf den ich ab und zu gerne zurückkomme.” Und welcher HipHop gefällt ihm momentan? “J-Zone.” Sonst nichts? “Dooms Sachen. Aber ansonsten gibt es nicht allzu viel aktuellen HipHop, den ich mir gerne anhöre.” Warum? “Es packt mich nicht und macht nicht viel, was noch nicht bereits gemacht wurde. Es ist einfach die Qualität, die fehlt. Ich hoffe immer, das etwas herauskommt, das wirklich gut ist. Vielleicht bin ich einfach etwas übersättigt oder älter geworden.” Momentan hört er lieber Bands wie The Shortwave Set oder Super Furry Animals. Seine Langeweile mit HipHop momentan spiegelt sich natürlich auch in seiner Herangehensweise an die eigenen Produktionen: “Ich versuche immer, die Musik zu verändern. Das ist meine Art und Weise, damit umzugehen, dass ich nicht unbedingt der talentierteste Musiker bin.”

FILME UND MUSIK
Ursprünglich wollte Danger Mouse Regisseur werden und nicht Produzent: “Ich wollte eigentlich Filme machen, aber ich konnte mir das Equipment nicht leisten, daher dachte ich, ich könnte ja Musik machen, die sich wie ein Film anhört, Soundtracks, visuelle, cinematische Musik. Meine Liebe zu HipHop hat dann aber Überhand genommen und die ganze Rockmusik, die ich gehört habe, hat das, was ich mache, auch stark beeinflusst.” Seine ersten Releases als Pelican City klingen auf cineastische Weise auch eher dark und seine Lieblingsregisseure, Woody Allen und Jean-Luc Godard, sprechen für sich und weisen darauf hin, dass Danger Doom schon mal ein College von innen gesehen und dort einen Abschluss in Communications gemacht hat. Bis er Soundtracks komponiert, möchte er aber “noch ein bisschen besser werden”. Womit Danger Mouse produziert, ist nichts, worüber er gerne Auskunft gibt. “Ich spreche normalerweise nicht über das Equipment, das ich zum Produzieren verwende.” Und warum nicht? “Als ich jünger war, habe ich immer gesehen, mit welchem Equipment die Leute, die ich gut fand, produziert haben, und dachte mir: Oh Mann, wenn ich das hätte, wären meine Sachen bestimmt viel besser. Das finde ich falsch und möchte niemanden dazu anleiten, ein bestimmtes Gerät oder Programm zu verwenden.” Schließlich geht es ihm beim Musikmachen um Ideen und die Kreativität, darum, etwas anders zu machen, und nicht um standardisierten Geräte-Fetisch. Danger Mouse sucht immer nach etwas, das ihn entweder einschränkt und dadurch zwangsweise kreativ werden lässt, oder aber einem Sound, der an sich schon voll genug ist. “Für die Dangerdoom-Platte habe ich eine Menge alter Soundlibrary-Platten verwendet, 70er-Jahre-Sachen. Ich suche nach Sachen, die nicht die typischen Funk/Soul-Quellen sind, einfach Sounds, die mich packen.” Für das “Damon Days”-Album von den Gorillaz haben er, Damon Albarn und Jamie Hewlett nur konventionelle Instrumente verwendet, keine Samples, was Danger Mouse als Herausforderung begriffen hat und sich gut damit anfreunden konnte, da er auch für seine Releases als Pelican City bevorzugt auf reale Instrumente zurückgegriffen hat. Aus dem Gorillaz-Projekt ist ein weiteres Projekt mit Damon Albarn gewachsen, der mit Danger Mouse “denselben Blick auf die Dinge” teilt und seiner Meinung nach der beste Partner zum Zusammenarbeiten ist. Gorillaz war bisher Danger Mouse größtes und spannendstes Projekt: “Es hat mir geholfen, meine Reichweite zu vergrößern. Bei dem “Grey Album” dachten viele, dass ich halt ein Bedroom-Produzent wäre, Gorillaz hat gezeigt, dass ich eine Menge mehr als das machen kann. Ich glaube, die Leute sehen mich jetzt in einem anderen Licht.” Bis das Licht zu flackern beginnt, wird Danger Mouse wohl weiterhin clevere und satte Musik produzieren.

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Elektronische Lebensaspekte.