Daniel Wang rettet Disco.Seit Jahren. Während man sich um ihn rum an schematischer Retro-Disco schuldig macht, geht er auf seinem Label ”Baluhi” den steinigen Weg mit Theremin, Oktavverschiebungsgeheimwissenschaft und dem festen Blick ins Antlitz kollektiver Partyschuld.Wang wil nicht die Effekte ausbeuten, sondern der Substanz nachspüren, um Disco effektvoll zelebrieren zu können.
Text: Aljoscha Weskott aus De:Bug 61

Panoramablicke durch die Gucci-Brille

Daniel Wang

Was von Disco übrig bleiben könnte? Vielleicht eine ZDF Nachtstudio-Installation brennender Filter-, Happy- und Disco-House-Platten, die sich im elektrischen Kamin drehen. Spätestens dann sollte aber schleunigst umgeschaltet werden. Lieber irgendwo versprengte Studio 54-Schnipsel auftanken. Noch besser aber: Auf N.Y.C.-Boy Daniel Wang treffen. Denn: The sun doesn’t always shine on TV. Nur er scheint zu wissen, was nach der Orgie zu tun ist, wie aus erloschenen Discoimpulsen neues Material entsteht, wie Retro-Ästhetiken aus dem Weg geräumt werden. Sagen wir es einfach: Ein neuer Zeremonien-Meister ist in die Städte des Empires – wie schön, dass es amerikanisch ist – gekommen, der zugibt: “We aren’t that innocent anymore” und damit meint: Basteln wir an neuen Ereignissen!

Disco Delay

Das tut er schon eine Weile: als “Balihu” Label-Erfinder, Theremin-Virtuose, DJ, Musiker und Fürsprecher des ”Environ”-Sounddesigns sowie seit noch nicht allzu langer Zeit der Disco Nouveau-Schule.

Wang ist ein Überschreiben des gezähmten Disco-Ungetüms gelungen, ein Re-Writing im besten Sinne. Statt romantischer Disco-Disco-Verkettungen, statt Kitsch und falsch verstandenem Liebesgeflüster an eine musikalische Epoche fokussiert Wang wundersame Klang-Welten, um eine Schönheit zu entdecken, die sich dem Chaos entsagt und trotzdem nicht zu bändigen ist. Fast ist es eine Spur Avantgarde-House geworden. Das gefällt auch Morgan Geist im benachbarten Environ-Universum. Während dort schon einige Boutiquen über Metro Area zurückerobert wurden, um noch geilere Konsumfestspiele abzuhalten, arbeitet Daniel Wang an funkelnagelneuen Einkaufskörben, um aus dem Vollen schöpfen zu können. Ein perfekter Doppelpass.

New York, New York

Doch New York ist momentan mehr Retro Area als Metro Area. Der Planet “Fischerspooner” wirkt performativ abgestorben, uninteressant unterkühlt, pulsiert aber ungemein erfolgreich. Nicht nur kommerziell. Davon lässt sich Daniel Wang nicht beeindrucken. Denn Wiederholungsszenarien langweilen.

Warum nur haben die “International DJ Gigolos” den Warhol-Impuls “Glamour” so stark überstrapaziert? Sollte ein subtiles Vorgehen gar nicht erst ermöglicht werden? Da bleibt nur der Flug zur Vertragsunterzeichnung bei Ministry of Sound: Ist das eine Glamour-Geschichte oder eine Concorde-Geschichte? “I don’t know what could be innocent today,” sagt Daniel Wang. Wohl nichts. Aber egal. Schließlich soll Glamour nie langweilen.

Das weiß auch Wang und bucht weiterhin Reisen in die Tiefen der Instrumentierung, um das Retroaktive auf den Kopf zu stellen: Weshalb auch Herberts Destruction-Gestus, den Daniel Wang im Reich der Dunkelheit verortet, umgekehrt werden muss, weil man eben “the Charming Side of Life” anstrebt: Eine Politik der Lust.

Electrica Nostalgica?

Zurückkehren, um in die Zukunft zu weisen. Das hat Daniel Wang perfektioniert. Und geht es überhaupt um Disco?

Die Sache mit ’Disco’, die Aufteilung in Disco und House und Techno und Funk ist wirklich nicht wichtig. Es sind einfach nur Stile des 4/4-Takts oder Rhythmus’, WAS JEMAND DARAUS MACHT – die Differenzen liegen nur in den Nuancen/Betonungen. Ich lege nicht hauptsächlich alte Discoplatten auf, sondern genauso manche frühe House-, Techno-Platten. Nicht, weil sie alt sind, sondern einfach, weil sie mehr Ideen und Möglichkeiten beinhalten.”

Sound Obscura

Nicht alles zulassen. Eine Devise, die Wang nicht als Kontingenz-Killer outet, ihn aber in die Richtung eines organisierten Zufalls drängt. Stimmung ist kein Zufall der Natur, sagt Daniel Wang. Wie entsteht eigentlich das Schöne? Die erste Beziehung aller Töne, eine Oktave? Was hat es damit auf sich?

Die beiden grundlegenden natürlichen Harmonien sind die Oktave und die Quinte. Die Oktave ist easy – man muss nur die Frequenz verdoppeln. In der Mitte zwischen 440 Hz und 880 Hz liegt die Quinte. Wenn man die nächste Oktave bauen will, kann man nun diesen neuen Ton einfach verdoppeln. Zwischen diesen zwei Frequenzen gibt es einen dritten Ton, das H… was man noch mal verdoppeln kann… und so weiter. Dieses natürliche System führt hier zu einem strangen Problem: Wird die Prozedur 12 mal wiederholt, kommt man nicht zum Ausgangston zurück, sondern erreicht eine leicht höhere Frequenz! Die Differenz ist 531441/524288, etwa 0,2346 eines Tons höher.

Das Chaotische reorganisiert die kleinen variablen Einheiten. Was sich zwischen 440 und 880 Hertz abspielt, ist für Wang eine mathematische Bestimmung. Es geht nicht darum, eine elektronische Balance zu halten, sondern den nahezu unmöglichen Ton dazwischen zu berechnen. Wie findest du denn die richtige Harmonie im Chaotischen?

Wir müssen aus rein mathematischen Gründen vermeiden, nur linear gestimmte Synthesizer (wie Laptops) zu verwenden, wenn wir reinere Harmonien bekommen wollen. Aber ernsthaft: Praktisch bedeutet das nur, dass wir als Musiker mit unserem ’Inner Ear’ hören und unterschiedliche Instrumente (Streicher, Bläser, die Stimme, verschiedene Stimmungen von Synthezisern oder Gitarren) benutzen müssen, um einen reicheren, more Human Sound herzustellen. Es muss nicht immer exakt stimmen, aber es hört sich besser an.

Dann aus 12 Tönen Korrelationen entwickeln, mal 35 Takte zulassen, wobei die Bassline die Harmonie und Melodie trägt. Alles, um das Spiel der Wiedererkennung auszuschließen, die Stagnation nicht feiern zu müssen.

Kennen Sie noch diese und jene Disco-Hymne? Dann gab es ja noch Mitte der 90er das UK-Label ”Azuli”, mitunter Trendsetter des Disco-House-Genres. Und Acts wie ”Disco Elements” verballhornten 70er Classics. Ein Revival mit Folgen: “I need you” statt “Your Disco needs you”. Es entstand nicht von Ungefähr der Begriff Mutant Disco. Beipiel: “Feel good” mit einem Sample der 70er-Discofunker B.T. Express: “Does it feel good to you.” Balihu enstand und warf erste zaghafte Produktionen auf den kleinen Markt. Es muss einen Gott geben…

Wie produzierst du denn deine Tracks?

Sehr oft fange ich mit einem sehr einfachen Rhythmus an – nur ein Knochengerüst. Dann spiele ich die wichtigsten Motive – zuerst die Bassline, denn die Bassline determiniert ja die Basis des harmonischen Raums. Dann spiele ich ein paar Keyboard-Parts ein, Akkorde usw. Danach ist es aber eine wirklich freie Produktionsweise. Meistens füge ich ein paar Soli oder Riffs hinzu, DANN verändere ich den Rhythmus und die Bassline wieder, mache beide ein bisschen komplexer: Delays, Reverbs, perkussive Touches kommen zum Schluss dazu.

Daniel Wangs neu formulierte elektronische Glückseligkeit tendierte seither nie zur pompösen Seifenoper. Und: Benötigte auch keine Rückblende in den längst verglühten Kosmos der E-Musik. Seine schmuckvolle House-Orchestrierung ist eine Art Strictly Rhythm-Tomographie, ein Scannen der historischen Ideen als umgekehrter Fernrohrblick: Sie wird zu seiner Geschichte: His Story. Statt distanzschaffendem Sampling, einer bloß scheinbaren Nähe zu historischen Referenzen dringt Wang in die Partituren Giorgio Moroders oder Ella Fitzgeralds ein, ohne in ironischen Easy Listening-Paraphrasierungen von Disco, Funk oder Jazz-Elementen enden zu müssen. Er wird zum Orchester, baut sich den musikalischen Raum – nennen wir diesen ruhig Disco Neuf.

Die Helden von 70er -isco, besonders Vince Montana und Giorgio Moroder– mal die anderen großartigen Disco Arrangeure wie Gamble und Huff beiseite genommen – inspirieren mich am meisten, und zwar in zwei unterschiedlichen Weisen. Vince Montanas Ausgangspunkt ist eine nostalgische Liebe für den Big Band-Sound der 30er-Jahre. Er hatte ein Orchester mit 45 Mitgliedern und benutzte die klassischen Instrumente und die von Rock und Latin in allen Variationen: Streicher, Querflöten, verzerrte (Blues)-Gitarren, Kongas, Tympanis, Vibraphones usw. Giorgio Moroder war der Futurist: er dachte genauso orchestral, aber verwendete alle Möglichkeiten der Technologie: Drum Machines, Analogsequenzer, Phaser, Delays, Verzerrer usw. So sind Montana und Moroder wie zwei Seiten einer Medaille. Beide waren völlig musikalisch, und ihre Sounds waren immer reich, aber in unterschiedlichen Weisen.

Transepochales Sampling, d.h. eben diese allzu typische Begriffspersonen-Bildung interessiert nur, insofern Vince Montana, Giorgio Moroder oder Ella Fitzgerald für eine Potentialität von Sound stehen. Eine genaue historische Bestimmung wird notwendig, um nicht nur Funktionsweisen des Tanzens zu verstehen: “Warum diktierte Swing-Jazz lange den Rhythmus des 20. Jahrhunderts?,” sondern: Sich in den Sound zu versenken. Daher kommt eine Vinyl-Restmüll-Verwertung nicht in Frage. Wang spürt lieber versprengte Disco-Sirenen auf, um sie ganz anders zu intonieren. Denn: “We aren’t that innocent anymore.”

Schönheit und Queering Sounds: Adorno vernaschen!

Oder geht es Daniel Wang doch darum, zur eigenen Disco zu werden? Was man sich borgen könnte und später doch verborgen bleibt, zeigt Wang mit seinem genauen musikalischem Gespür für Pure Sounds: Dann, wenn er uns in künstliche Paradiese mitnimmt, die nicht mehr von Dissonanzen überzogen sind. Wie schwierig und schmerzvoll dieser Weg sein kann, dokumentiert Daniel Wang mit einem Erinnerungs-Splitter an den Chinesischen Kung-Fu-Film “The Swordsman 2”. Dort nimmt die Suche nach Perfektion gravierende körperliche Züge an. Es wird an Genitalien herumgeschnitten, um neue Töne zu erreichen. Wer würde soweit gehen, außer Jean Genet?

Dann kommt das Unschuldige zurück. Die “In Betweeness”-Taste wird gedrückt. In Daniel Wangs Fall zurecht: “Ich denke, dass Musik etwas mit dem Leben eines Kindes zu tun hat. Es ist noch unentschieden, Mann und Frau zugleich.” Bis Diktator Freud in das Kinderzimmer kommt und das unentschiedene Summen unterbindet.
Und warum keine Hamburger vertonen?

Ich denke, die “Stimme” ist das Ur-Instrument: Sie beginnt zwischen den Ohren, im Kopf. Wenn du eine Bassline oder eine Melodie singen kannst, kannst du sie auch spielen. Aber die Stimme braucht natürlich Training – wenn jemand in einer Tonart oder einem Rhythmuspattern steckengeblieben ist, wie die meisten DJs, die mit Computern Musik machen, dann ist dort keine solche Interior Voice. Wenn die Interior Voice von jemandem klar ist, wird sie wie die von Ella Fitzgerald, wenn sie scattet. Auch manche Pianisten singen unbewusst das, was sie spielen. Die Stimme ist eine Erweiterung der musikalischen Prozesse im Gehirn. Wenn jemand nie auf seine interior Voice hört, wird er natürlich nur Musik mit Geräuschen von Tea Kettles oder Frying Hamburgers machen – wie traurig.

Das Balihu-Label forciert eine eigene, parallele, weniger vordergründige Geschichtsschreibung von Glamour, die kein infames Leben im Verborgenen sein muss. Einmal besuchte Daniel Wang in New York einen der Ballrooms aus dem Film “Paris is Burning”, in denen nicht allein eine physische Schönheit erlangt werden soll, sondern der Prozess zur Schönheit das Mehr an Lustgewinn verspricht. Diese Echtzeit ist es, die einfordert, keine traurige Geranie zu werden. Keine Blume, die am Fenster verblüht und die Kulisse eines unerfreulichen Lebens bildet. “Es ist wie diese Geschichte mit der Blume, die ihre Bewegungen durch Sound verändert, sich in den Sound stellt, plötzlich mehr Wasser verbraucht und eingeht.”

Damit hat Daniel Wang nun wirklich nichts zu tun. Denn auf seinen Produktionen wehen nicht nur feine Gucci-Öl-Brisen vom Paradiese her – ganz ohne Logo auskommend – um zu Momentaufnahmen absoluten Glücks zu gerinnen, es mischen sich auch Plastikblumen mit Organismus darunter. Nie aber geht es um unkomplizierte Liebe. Letzteres sei eben eine sehr deutsche Sehnsucht, sagt Danny. Fast wie in “Happy Together” eben. Nur eine Performativitätsstufe weiter. Das ist der kleine Vorteil von Sound gegenüber Film.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.

Daniel Wang und sein Label Balihu bieten Zuflucht für alle Housebegeisterten, die nie ihren Disco-Altar absperren wollten. Disco als Glaubensbekenntnis, nicht als gefilterter Ohrwurm. Ob seine Anhänger bei Wangs Liveset auch auf Theremin-Karaoke gefasst waren?
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 42

Wang, bang, bang.
Daniel Wang, Balihu & das Haus Gottes

“As usual, my strategy is not to suggest an ability to escape undesirable social processes, but to catch ourselves in the act as producers, distributors, and consumers.”
Therre Thaemlitz, Auszug aus den Linernotes zu Fagjazz, erschienen auf Comatonse.

Mir gegenüber sitzt Daniel Wang. Danny, was halten Sie von der derzeitigen Lage der Hausmusik? Daniel, gegen bestimmte Nusssorten allergisch, krümelt die Mandeln aus seinem Joghurt-Müsli. Daniel hat Theorien zu House. Klar. Seit 6 Jahren macht er sein eigenes Label “Balihu”, erst in Chicago und seit einiger Zeit in New York, wo er zwei Nebenjobs hat: Plattenladentresen, bei dem man die gesamten Größen der New Yorker Houseszene, das ganze blasierte Pack, die Masters und Mobys dieser Erde kennenlernt, und Musikalienhandel – ja, schon wieder Tresen – wo man abgestaubte Synthesizer wie ein Theremin für sich selber sichern kann.
Wir waren bei ihren Theorien, Herr Wang. Ja, ach so, die. Daniel Wang glaubt, die Geschichte der Housemusik ließe sich auf ca. bzw. exakt 100 Platten reduzieren. Die dann sozusagen die Essenz der Gedanken wären, die Housemusik in den letzten 15 Jahren so hatte. Wang ist Historiker, obwohl er Sprachen studiert hat. Als Kind einer nicht grade reichen, “typischen” chinesischen Familie in Amerika, der es egal ist, dass ihr Sohn jetzt Musik macht, vielleicht sind sie alle sogar ein wenig stolz.
Seine DJ Sets sind genauso historisch. Ein ständiger Wechsel zwischen den String- und Studio-lastigen Bombasttanz-Epen der Discozeit, frühen Housetracks, erstem elektronischen Unsinn wie Lil Louis “Videoclash” und natürlich neuen Minimalisten der Frankfurter Schule. Schalter, in diesem Fall Crossfader, umgelegt, und schon befinden wir uns in einem anderen Zeitalter. Und man merkt das sichtlich. Fühlt sich hin und hergerüttelt im Lastwagen der Historie auf dem stolprigen Pfad und fragt wie immer in solchen Situationen, wohin eigentlich?
Herr Wang, Sie sagten eben, dass Sie nur Live produzieren, wie dürfen wir das (der Moderator unserer kleinen Talkshow ist sichtlich verstört ob dieser Idee, setzt sich zur Beruhigung auf seine eigenen Handflächen und ruckelt mit den Schultern hin und her) bitte verstehen? (Hintergrundgeräusch, die Housepolizei, mit aufgedrehten Sirenen wie eine Flutwelle, ein Tsunami, mit wehenden Fahnen des Minimalismus, der Repetition, der graden Bassdrumgewerkschaft, ein Aufruhr).
“Also, es ist so. Das Leben, Live, das ist schön. Der Himmel. Göttlich. Dagegen Wiederholung, das ist der Teufel, das Böse, die Hölle.”
“Aber nun verhält es sich doch auch so, dass das Böse sehr schön sein kann, Herr Wang, wenn nicht sogar, und im besonderen Falle auch bei der Repetition, himmlisch?”
“Genau.”
Daniel Wang gehört zu den Producern, ähnlich auch wie Morgan Geist, auf dessen Label grade eben die letzte 12″ von ihm erschienen ist und nächsten Monat auch ein Album, die am liebsten alles selbst einspielen, anstatt es woher zu samplen. Das verbindet ihn auch noch mit Herbert usw. Hindert aber keinen, ein Meister des Samplens zu sein, ein Meister des Editierens, wohl aber, die Historie, den geschichtlichen Blick auf House, den er unwiderruflich hat, mit Filterdiscosampleretro auszuleben, wie so viele.
Aus dem Buch der Grundlagen der Wangschen Housetheorie Kapitel zwei. Die Geschichte der Musik hatte einen Bruch. Vor Disco, was Disco überhaupt so wichtig macht, vor den 70ern, und danach. Vorher war alles swingorientiert, die Rhythmen lockerer, verschobener. Danach ging alles auf die Eins. Oder eben drumherum. Wang liebt verständlicherweise beides. Er ist ein großer Entertainer. Große Entertainer kennen keine Zeit. Nur das Rampenlicht.
Als er am Tag vor unserem Interview in dieser angeranzten, nun geschlossenen und längst Szeneinstitution gewordenen Berlin Mitte Bar (in Prenzlberg) auf die Bühne kletterte, da zog es ihn hin zu einem kleinen Holzkasten namens Theremin. Auf dem spielte er, nachdem er sich in alle Richtungen ordentlich verbeugt und den Gästen des Abends gebührend zugewunken und erzählt hatte woher, wohin, wieso, erstmal begleitend zu Jazzplatten, die sein Freund auflegte, ein viertelstündiges Theremin Solo. Hinter unseren Augäpfeln stiegen Visionen von Fegefeuer und singenden Geigen auf. Jan meinte: Das ist doch Theremin-Karaoke. Daniel Wang ist von diesem Ausdruck begeistert. “Wir leben in einer Consumerwelt. Und auftreten, auflegen, das ist auch irgendwie konsumieren. Diesen gewaltigen Sound konsumieren, der sich vor einem auftürmt, ihn zwar auch machen, aber nur begleitend, nur als Teil eines Prozesses vorproduzierter Einheiten. Mein Auflegen ist wie mein Liveset. Ein glücklicher Konsument mitten in der richtigen Welt mit anderen Konsumenten, zusammen haben wir Teil an der Geschichte und schreiben sie mit, indem wir sie konsumieren.”

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.