Seitdem Fabio seinen Namen ins Gespräch brachte, lässt Danny Byrd die R'n'B Einflüsse im Drum and Bass so emulsionsartig fließen wie kein Zweiter. Sehr zur Freude von Hospital, dem Label von London Electricity, bei denen seine Soulperlen ganz und gar nicht vor die Säue geworfen sind.
Text: heike lüken | heike.lüken@web.de aus De:Bug 48

Beats mit R’n’B-Flavour
Danny Byrd

Der Mann ist noch ganz schön jung. Danny Byrd ist gerade eben 22 geworden und hat schon eine handvoll Releases auf Labeln wie Intercom, Tribe Records und Picasso hinter sich. Im zarten Alter von 14 Jahren kam Danny zu Drum and Bass und Hardcore, wie so viele in kleinen oder größeren englischen Städten. Aber er meinte es ernst damit. Er besorgte sich zwei Plattenspieler und rüstete dann nach und nach seinen Atari zur Musikproduktion auf. Das Nest des Danny B. – er wohnt in Bath – ist nicht gerade das Mekka der gebrochenen Beats. Doch Bristol ist höchstens zwanzig Autominuten entfernt. Dahin verschlug es Danny nach der Schule zum Studium der “Musik Technologie”. DJ und Produzent mit Gütesiegel sozusagen. “Man lernt bei dem Studium viel über Musikequipment und wie man es einsetzt. Das hat mir sicherlich bei vielem geholfen. Aber ich habe das, ehrlich gesagt, zuerst nur gemacht, weil ich aus der Schule kam und nicht genau wusste, was ich machen sollte.”
1998 steckte seine Euphorie für Drum and Bass in einer Krise, und Danny zog sich aus der Szene zurück, enttäuscht von der Langeweile, die da nicht nur in den Stücken herrschte. Er wanderte in die Gefilde R’n’B, HipHop und Garage. Da ist er auch heute noch gerne unterwegs, inzwischen allerdings mit neuen Energien für die alte Leidenschaft. “Ich höre jede Art von Dance Music. Meistens Black Musik und vor allem viele Sachen außerhalb der Drum and Bass-Szene. Normalerweise inspiriert mich Jungle nicht besonders, sondern andere Musik, und die will ich dann in meine Stücke einbringen. Das bedeutet es für mich: Viele Einflüsse von außerhalb mit in die eigene Musik einfließen zu lassen.”
Danny mag und macht Vocal-Tracks, dafür ist er bekannt und inzwischen beliebt, denn Stücke mit Stimme sind zur Zeit gefragt. Danny ist der Mann, der R’n’B-Flavour in den Drum and Bass bringt. Ob er sich da nicht manchmal schon für zukünftige Produktionen eingegrenzt sieht? “Nein, eigentlich nicht. Vocal-Tracks und diese Einflüsse aus dem R’n’B sind einfach das, was ich am liebsten mag. Ich habe das Gefühl, dass da noch eine Menge geht.”
Einen Höhenflug wegen der aktuellen Vocal-Begeisterung hat er aber nicht. Trotzdem ist er froh, dass Drum and Bass sich anscheinend aus seiner Lethargie gelöst hat und derzeit viele neue Namen ins Spiel kommen. Dannys Meinung nach hat vor allem Fabio viel für die Szene getan und einen neuen Geist losgetreten. Und nicht nur für die, sondern ganz speziell für Danny Byrd selbst, denn Fabio hat seine Tracks oft in seiner Radiosendung gespielt und so seinen Namen ins Gespräch gebracht.

Seit letztem Jahr veröffentlicht Danny bei Hospital, dem Label von Tony Colman und Chris Goss aka “London Elektricity”. Innerhalb einer Woche nachdem die beiden sein Demo bekamen, hat er bei ihnen einen Vertrag für zwei Alben unterschrieben. “Ich bin sehr zufrieden mit Hospital als Label. Ich habe davor für verschiedene Labels gearbeitet, aber Hospital ist am besten organisiert und am professionellsten unterhalten. Tony und Chris halten z.B. engen Kontakt zu ihren Künstlern und legen Wert auf eine gute PR. Das hat man nicht bei vielen Drum and Bass-Labeln. Hospital ist noch immer ein kleines Label mit nur vier Künstlern. Aber es ist großartig, für die beiden Jungs zu arbeiten. Ihre Offenheit bedeutet mir am meisten. In der Vergangenheit, wenn ich für andere Label produziert habe, hieß es oft: ‘Du musst die Vocals rausnehmen, mach es einfacher, lass es tanzbarer klingen.’ Das hieß nicht anderes als: Lass es technoider klingen. Aber das gefällt mir nicht.”
Auf der aktuellen Label-Compilation, auf der unter anderem John B, Total Science und Carlito Tracks beigesteuert haben, hat Danny einen Remix von “Wishing Well” gemacht. “Ich mag es, Remixe zu machen. Mir gefällt es, Stücke in die Gesichter der Leute zu spucken. Beim Wishing Well-Remix gefallen mir besonders die Vocals. Ich habe sie ganz zerschnitten und dann komplett neu arrangiert. Ich wollte die Leute sagen hören: ‘Das war in dem Original doch gar nicht drin. Du hast daraus etwas Neues gemacht.'”
Und das kann dauern. Danny zählt sich selber nicht gerade zu den Schnellsten: “Irgendwann schaffe ich es, ein Album fertig zu kriegen. Ich bin ein langsamer Arbeiter. Für den Wishing Well-Remix habe ich vier Monate gebraucht. Tony und Chris von Hospital haben mich jeden Tag angerufen und gefragt, wann ich fertig bin. Nach einiger Zeit habe ich mein Telefon einfach abgestellt. Ich brauche etwas Zeit für die Sachen, die ich mache.” Immer noch eine der unterschätzten Funktionen an Technologie: sie ausschalten.

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Elektronische Lebensaspekte.