Ralph und Stefan Heidenreich über Geld
Text: Anton Waldt aus De:Bug 128


Ralph und Stefan Heidenreich
Mehr Geld
(Merve)

Bücher aus dem Merve Verlag kommen ja traditioneller Weise in einem extrem kompakten Taschenbuchformat, aber im Fall dieses Bändchens zur Finanzkrise scheint es besonders gut zu passen. Bänker, Broker und Spekulanten können das schmale Bändchen jedenfalls problemlos und dezent in einer Sakkotasche herumtragen, um in Fällen akuter Sinnkrisen Erbauung und Halt zu finden. Denn “Mehr Geld” ist ein genauso ernsthafter wie leichtfüßiger Versuch, das Wesen zeitgenössischer Geldflüsse zu ergründen.

Und Geld ist scheinbar immer schwerer zu fassen: “Selten ist es noch Münze, meistens dagegen Zahl, Rechenoperation in Kapitalströmen und verkaufter, vielfach beliehener Kredit.” Dass sich die Eigenschaften des Geldes in solchen Abstraktionsstufen verändern, scheint logisch. Was da aber wie passiert ist völlig undurchschaubar.

Die Brüder Ralph und Stefan Heidenreich beginnen “Mehr Geld” daher mit der Bestimmung der grundsätzlichen Eigenschaften des Geldes und arbeiten sich von diesem Fundament in die vertrackten Sphären der virtuellen Kapitalflüsse in der xten Ableitung hoch. Das verwendete Instrumentarium ergibt sich dabei aus den Professionen der Autorenbrüder: Ralph Heidenreich arbeitet als Programmierer und Landvermesser, sein kleiner Bruder Stefan ist Kulturwissenschaftler und mit seinen “Bilderkritiken” auch regelmäßig in der De:Bug vertreten.

Durch ihre unterschiedlichen Perspektiven und Denkweisen gelingt den Brüdern immer wieder erfrischend neue Sichtweisen auf das Geld und seine verschlungenen Wege. Dem Broker zum Trost.
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Elektronische Lebensaspekte.

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