E-Schrott im Marmeladenglas gewinnt, Holzoptik verliert.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 121


Die folgenden vier “grünen Gadgets” stammen aus einem Wettbewerb der Design-Zeitschrift “Core 77”, der anlässlich der Konferenz EnerJar von Matt Meshulam and Zach Dwiel kann wirklich jeder den Energieverbrauch beliebiger Geräte kontrollieren und damit die Stromfresser im eigenen Haushalt aufspüren. Also ist “EnerJar” ein echter Anreiz zum Energiesparen, zudem sieht das Gerät nicht nur aus wie E-Schrott im Marmeladenglas, es kostet auch fast nichts. Die benötigten Teile sind jedenfalls spottbillig, wenn nicht umsonst zu haben, die Bauanleitung gibt es online, sie ist für Vollidioten mit etwas gutem Willen und einem Schraubenzieher ausgelegt.

GreenCel
Der dritte Preis ging an einen Entwurf, der eher eine Infrastruktur als ein einzelnes Gerät beschreibt. GreenCelvon Theo Richardson, Charles Brill & Alex Williams mutet kaum “grün” an, denn im Mittelpunkt stehen Akkus aus dem Automaten. Klingt nach Wegwerfmentalität, ist es aber nicht, denn es handelt sich um Leih-Akkus, für die man neben dem Entgelt für den gespeicherten Strom auch Pfand entrichtet. Großes Potential hat der Vorschlag, weil beim unsachgemäßen Aufladen von Akkus phantastische Mengen Energie verloren gehen. Und wenn alle ihre Handys einfach per Akkuwechsel aufladen, spart man sich auch noch die Produktion der Netzteile.

Regenerate
Das 3G-Telefon “Regenerate” der US-Designerin Nicola Reed ist ein schönes Beispiel für ökologisches Schwachmatentum: Kompostierbares Plastik, Holz aus dem Kuschelforst und die Anzeige der “persönlichen Umweltbilanz” mittels einer Baumgrafik suggerieren dem Nutzer ein wirklich feines Umweltkarma. Zieht man die Deko ab, bleibt ein gewöhnliches Handy der nächsten Generation übrig, das mit GPS, Bezahlfunktion und allen denkbaren Funkstandards vollgestopft ist. Mit diesen sammelt das Gerät fleißig Daten, aus denen mit einer Butterbrotformel der Öko-Punktestand errechnet wird. Als Belohnung winken dem braven Nutzer Gratis-SMS, da freuen sich die Polkappen. “Regenerate” findet sich unter den “beachtlichen Einsendungen”.

Lighthouse
“Lighthouse” ist ein Blumentopf mit Minigewächshaus, das Gerät soll gestressten Büromenschen dabei helfen, eine emotionale Beziehung zur Zimmerpflanze aufzubauen, und so ihr Umweltbewusstsein stärken. Der Entwurf der russischen Designerin Ilya Tkach ist damit etwa so grün wie eine defekte Gasprom-Pipeline, warum er sich unter den “beachtlichen Einsendungen” findet, ist rätselhaft. “Lighthouse” hat höchstens als abschreckendes Beispiel eine Daseinsberechtigung, genau solchen Technikschrott denken sich Marketingabteilungen aus, um labile Konsumentengemüter abzuzocken, die für esoterischen Wohlfühlschwachsinn empfänglich sind.

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Elektronische Lebensaspekte.