Vorbei sind die Zeiten der großen Experimente
Text: Moritz aus De:Bug 138

Bent Van Looy versteckt sich nicht länger mit seinem Gesang hinter den Drums und auch für seine Brothers In Arms an den weiteren Instrumenten stand vor Veröffentlichung des dritten Albums fest, dass einzig ein Neuanfang für Das Pop der richtige Weg ist. Neben dem Artwork wirkt nicht nur die grafische Gestaltung wie eine Hommage an Dire Straits und verdeutlicht, wie Das Pop nach über einem Jahrzehnt ihre eigene Linie gefunden haben.


Nachdem die Formation sich sechs Jahre lang ohne neues Album oder Label über Wasser halten konnte, lösten Soulwax mit der Bereitstellung des eigenen Studios im belgischen Gent die Initialzündung für die folgende, flächendeckende Umwälzung aus. Aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit war es für Stephen Dewaele selbstverständlich, dass er zusammen mit seinem Bruder David den Produzentenpart übernehmen wollte.

Die Auswirkungen sind im Vergleich zu den Vorgängern immens: Die einzige Bedingung für ihre Unterstützung war der durchgängige Verzicht auf alles, was auf der Bühne nicht reproduzierbar ist. “Ein guter Produzent greift nicht in den Entstehungsprozess der Songs einer Band ein. Das ist der Grund, warum Das Pop nun zum ersten Mal nach Das Pop klingen können.”, erklärt Bent die Auswirkungen dieser ungewöhnlichen Rahmenbedingungen für eine Band aus dem Elektronik-Umfeld.

New French Touch
Unmittelbare Konsequenz ist, dass somit durchgehend klassische Gitarrenmusik abgeliefert wird. Die Verankerung der vier Weggefährten aus Belgien und Neuseeland im New French Touch ist zu großen Teilen der Pariser Vergangenheit ihres Sängers geschuldet. “Die Musikszene dort ist klein, da lernt man schnell jeden einzelnen kennen.

So sind wir in die ganze Szene um Because Music oder Ed Banger reingerutscht und teilen gerne auch heute noch Clubs mit ihnen.” Durch den Neuzugang am Drumkit stehen die Gesangsspuren deutlich im Vordergrund, denn die dazu gewonnene Bewegungsfreiheit nutzt Vokalakrobat Van Looy ausgiebig: “Am Schlagzeug nebenbei noch zu singen funktionierte in kleinen Clubs wunderbar. Doch jetzt auf den großen Bühnen habe ich vorne viel mehr Möglichkeiten mich auszudrücken, beispielsweise mit Keyboards und Percussion.”

Die damit verbundene, neue Fürsorge für die lyrische Gestaltung von Das Pop, sowie der Verzicht auf unzählige Hilfsmittel ist der Moment, in dem die Band so klingt, als ob Gitarrenpop sich in der letzten Dekade nicht verändert hat. “Die ersten Alben waren ein einziges, großes Experiment für uns mit allen möglichen Geräten. Pop sollte immer eine Mischung aus Licht und Dunkel sein und nicht nur eine einzige Perspektive einnehmen.”

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Elektronische Lebensaspekte.