Daniel Büelers ist voll unterwegs. Nur nicht an den Züricher Szene-Stammtischen. Weil er weniger mit Smalltalken als mit Tanzen beschäftigt ist, haben seine Tracks diese unvergleichlich Funkyness, die jeden Brechstangenhits-Club den Kopf waschen. Dabei passen alle Sounds seiner Tracks auf nur eine Diskette.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 88

Floppy-Funk
Dash Dude

Manchmal vergisst man, dass elektronische Musik Gegensätzen wie “einfach” und “komplex” eigentlich schon vor vielen Jahren jeglichen Boden einer Wertung unter den Füßen weggezogen hat. Stattdessen hat sich daraus ein vielschichtiges Gewebe aus Kontexten entwickelt, in dem die alte Polarität nicht mehr stimmt. Je nach Geschmackslage ist irgendetwas nicht mehr so gut, weil es so einfach ist – eher das Punk-DIY-Direktheits-Argument -, oder so gut, weil so komplex, wie bei all denen, die neue Sounds, Strukturen etc. fordern, kurzum an eine Art linearen Techno-Fortschritt glauben.

Leute wie Dash Dude, der irgendwann vor knapp zwei Jahren plötzlich mit seiner “Casual Friday EP” auf Morris Audio aufgetaucht ist, erinnern einen daran nicht nur freundlich und bestimmt, sondern so klar, dass man sich wundern kann, wie überhaupt noch so etwas wie Minimalismus-Kontroversen auftauchen können. Dash Dude ist Michael Büeler aus Zürich, jemand, der mit dem Atari aufgewachsen ist und immer noch mit einem Equipment arbeitet, das er – weil alles in Kisten ohne großen Screen steckt – als Hardware only bezeichnen würde. MPC und Synthesizer, kein Rechner, keine Plugins. “Alle Samples, die ich benutze, passen auf eine Floppy.” Floppy? Ja, das gibt’s noch. Das sind diese Laufwerke, die MPCs hatten, bevor sie – ja das gibt’s auch noch – Zips hatten. Zwei tote Mediengenerationen weiter zurück und das produziert immer noch Funk.

Nicht weil es ausschließlich eine selbst auferlegte, irgendwie asketische Beschränkung wäre, sondern weil sich in der technologischen Konstellation mit z.B. Synthesizern immer noch etwas anfangen lässt, das frisch klingt, etwas, zu dem Dash Dude nicht langweilig wird. Er gehört zu der Sorte Produzenten, die man gerne mal auf der Tanzfläche sieht, seltener aber in den In-Zirkeln der elektronischen Bohème, die meist am offensichtlichsten ausmachen, was man sich unter der Szene einer Stadt vorstellt. Dash Dude ist aber nicht nur einfach, direkt, sauber in den Sounds, nahezu dubfrei. Irgendwie ist er auch ein solcher Arrangementfetischist, dass seine Tracks so jumpig sind, dass sie, auch wenn von der technischen Seite betrachtet irgendwie wesentlich minmaler als z.B. ein floatendes Gradeaus-Clicker-Minimal-House-Stück oder ein zerhackter Microhousetrack à la Akufen, etwas sperrig wirken, gleichzeitig sehr deep und aus dem meisten herausstechen, was man auf den Dancefloors unter der Herrschaft der graden Bassdrum sonst so geboten bekommt. Nicht zu weit, aber unmissverständlich. Dash Dude bezeichnet irgendwie diese Mitte zwischen Tejada und Melchior, zwischen dem eher upliftenden UK-House-Sound, wie ihn Classic und Freaks über diverse US-Anleihen etabliert haben, diesem Sound, der in den bumpigen Basslines in seiner eigenen verspielten Deepness versinkt, und dem immer noch eher von lineareren Nuancen geprägten Sound der Generation deutscher Producer, die mit Minimalismus groß geworden ist. Er bricht zwischen Disco-Oldschool und Detroithouse meets Acidrevival eine weitere Linie an, die das weiterführt, wofür Anfang der 90er z.B. Marc Kinchen stand oder die Nick-Holder-Platten dieser Zeit. Ein resolut reduzierter, aber absolut nicht minimal wirkender Sound, der genauso von UK-Garage, als das noch fast House war, gelernt hat wie von Detroit.

Funk gegen Brechstange
Michael Büeler, der weder auflegt noch live spielt – dafür müsste er sich dann doch ein Zip Laufwerk für die MPC besorgen, und Liveacts zusammen mit Apoll von Tongut sind zumindest angeplant – produziert Tracks genau an dieser Grenze zwischen zu funky für den Durchschnittsfloor und genauso funky, dass sie eine Erleuchtung sein können für jede Party, die einen Hauch zuviel Brechstangenhits und Geradeaus gesehen hat. Musik, die genau von dieser Mischung lebt, mit viel Understatement etwas zu viel und mit sehr viel Eleganz “weniger ist mehr” predigen, ohne dabei auch nur eine Sekunde den Spaß an den Tracks zu verlieren. Seine Devise beim Produzieren ist, nichts zu machen, was ihn langweilt, was vermutlich viele machen. Aber Dash Dude steht eben dafür, ein Sensorium der Abwechslung und Beschränkung zu sein, das, ohne zu tief drin zu stecken, eher in den großen Linien der Abweichung durch Reminiszenz nicht nur funktioniert, sondern einem klar macht, wie leicht es ist, etwas absolut Frisches, Neues zu machen, ohne sich damit gleich ein neues Genre oder eine ästhetische Grenze gesetzt zu haben. Sein Album “The Television Saga” auf Morris Audio gehört für mich jedenfalls zu einer der Glücksfälle 2004, die es schaffen, mit jedem Track einen Hit zu produzieren, der entdeckt werden will und sich eben nicht aufdrängt und damit schon jetzt schwer aus der Plattenkiste der nächsten Jahre wegzudenken ist.

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Elektronische Lebensaspekte.