Blitzmerker checkt Techno-Härte aus
Text: Constantin Köhncke aus De:Bug 111


Der Wahlkölner Daso ist mit so blauäugiger Indie-Sozialisation an Techno herangegangen, dass nur zarte Harmonien entstehen konnten. Mittlerweile weiß er Bescheid, hat den Sonnenaufgang aber immer noch fest im Visier.

Erst “Daybreak“, dann “Go Upstairs“: zwei melodische, zärtlich dahingleitende Tracks, die auf harmonischste Art und Weise Köln vom Image des leicht zugänglichen Pop-Techno und süßem Trancegesäusele distanzierten, trotzdem aber auch genau da ansetzten. Die Speerspitze der Kölner Neoromantiker in Sachen Minimal wurde ab Sommer 2005 von einem gewissen Daso angeführt. Mit seinen Platten auf Traums Sublabel MBF hatte sich der Wahl-Kölner in kurzer Zeit einen sehr eigenen Trademark-Sound aufgebaut. Die Stadt am Rhein mit ihrer trächtigen Technogeschichte ist mehr als nur Hintergrund, Kompakt-Parties im 672 waren die ersten Schritte für Dasos Sozialisierungsprozess mit elektronischer Musik. Trotzdem kamen diese eher spät. Als er vor 3 Jahren nach Köln zog, war er bereits 21 und hatte mit Techno noch nicht viel am Hut. Mittlerweile releast er auf Connaisseur, Session Deluxe und Ghostly.

Daso Franke ist der vollständige Name des Musikers, der in Indien geboren und in Hannover aufgewachsen ist. Hannover ist aber nicht Goa, zu seiner Zeit gab es dort auch keine eigenständige Clubszene und mit der vorhandenen wollte man sich auf keinen Fall assoziieren. “Wenn man ein bisschen Anspruch hatte, hat man sich in die Clubs nicht reingetraut. Da waren nur Typen in Ballonhosen mit Stachelköpfen, und mit denen wollte man nichts zu tun haben. Auch wenn die Musik und die Leute, die da gebucht wurden, nicht mal schlecht waren. Damals war das einfach kein Ort, wo man sein wollte. Da hat man lieber zu Hause gesessen und Indie gehört.“

Daso hat aber nicht nur Indie gehört, sondern auch schon sehr früh angefangen, Musik elektronisch zu produzieren, auch wenn das Endprodukt alles andere als technoid klang und mehr seinen Idolen Tribut zollte: 80er Pop, New Wave und NDW. Für ein Design-Studium zieht es ihn nach Köln, wo er in eine WG mit Ziggy Kinder in das Zimmer von Adam Kroll zieht. Bewaffnet mit seiner Best-of-Hannover-CD geht es Schlag auf Schlag. Über Adam gelangt die CD zu Riley Reinhold und “Daybreak“ kommt als erste Single von Daso auf MBF raus. “Erst nach Daybreak habe ich wirklich angefangen, mich mit Techno zu beschäftigen. Was gibt es da für Sparten? Was machen die anderen Leute so? Das fing wirklich dann erst an.“

Erst machen, dann deckeln
Dass es kein schlechter Ansatz ist, als Non-Purist Techno zu produzieren, hört man in Dasos stark von 80er-Pop beeinflusstem, sehr eigenem Sound. Den möchte er noch weiter entwickeln. “Im Moment plane ich, mein Album bis November fertig zu stellen. Das soll ein wirkliches Artist-Album werden. Die Tracks sollen viel mehr Song-orientiert sein. Ich möchte mich melodisch wirklich ausleben und richtigen Draußen-Techno machen.“ Dass dieses Album auf Traum erscheinen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Unstimmigkeiten auf beiden Seiten führten dieses Jahr zum Ende der Zusammenarbeit zwischen Daso und MBF, was Daso aber nicht davon abhält, positiv über sein Ex-Label zu sprechen – und sich für seinen Output andere Labels zu suchen. Die “Adventure EP“ auf Connaisseur war schon ein würdiger Nachfolger zu den MBF-Platten und vereint Dasos verschiedene Ansätze, die er auf unterschiedlichen Labels verwirklichen will. Auf der Rückseite hört man Dasos Open-Air-Techno, oder wie er es beschreibt, “Platten, die man beim Sonnenaufgang spielen kann“. Dazu hat er zusammen mit Florian Meindl im Sommer 3 Tracks gemacht, die jetzt auf Martin Eyerers Label Session Deluxe rauskommen. “Decades“ auf der A-Seite ist untypisch für Daso. “In dem Track hört man weder Meindl noch mich so klar raus. Das finde ich gut. Es ist für uns beide ein neuer Sound.“

Mittlerweile ist Daso also auf eigenen Pfaden unterwegs, ohne Booking-Agentur und festes Label. Den Plan für seine Releases hat er aber schon aufgesplittet. “Ich fahre jetzt zwei Schienen: einmal weiter Techno wie auf Connaisseur und andererseits diesen eigens kultivierten Sound von MBF weiterzuführen, songorientierter Techno eben. Das mache ich bewusst parallel. Auf Ghostly wird es dann eher wieder der Pop-Techno sein und auf Connaisseur und anderen Labels wird es dann technoider und, vielleicht, detroitiger werden. Ich werde mich da jetzt nicht entscheiden. Die einen finden das gut und die anderen das andere.“
http://myspace.com/dasofranke

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Elektronische Lebensaspekte.

One Response

  1. ADRIAN ANIC

    stuttgart,reutlingen und heilbronn fehlen geile clubs….akzeptabel ist die stereo-lounge,stuttgart, der perkins park und das ding in kornwestheim- fellbach, lach . ohje …..sauerrahm crew

    god love adrian

    adrian.anic@aol.com 34, geile mukk