De La Soul funktioniert wie eine Familie mit Geschäftssinn. Kommt der Hurricane, teilen sich die Mitglieder ein Wohnzimmer, kommt die neue Platte, schaut man gemeinsam zurück und in die Zukunft. Knapp 20 Jahre De La Soul liegen hinter der Band - das neue Album "The Grind Date" blickt mit Beiträgen von Madlib und MF Doom clever in die Zukunft. Still relevant eben ...
Text: Jan Simon aus De:Bug 87

De La Soul
Still Relevant

“Urgestein” ist einer der Termini, derer sich Musikjournalisten bedienen, wenn sie verdeutlichen wollen, dass ein Künstler schon sehr lange im Geschäft ist und er dabei irgendwann eine gewisse Relevanz erreicht hat. Per definitionem würde er auch auf De La Soul passen, die 16 Jahre nach dem Release ihres LP-Debüts mit “The Grind Date” nun ihre siebte Studio-LP veröffentlichen. Wenn man aber schaut, wie Pos, Dave und Maseo aussehen und sich fortbewegen, findet man den Begriff spontan allerdings etwas zu kantig. Die zweieinhalb HipHop-Teddies des D.A.I.S.Y.-Age oder Ähnliches scheint passender.
Verfolgt man die Karriere der drei ehemaligen New Yorker, fällt vor allem auf, wie stark ständiger Wandel die Band prägte, ohne ihr ihren ursprünglichen Charakter zu nehmen. So entwickelten sich De La Soul seit ihrem 89er Debüt (“3 Feet High And Rising”) von einer durch Prince Paul produzierten Band über die Gemeinschaftsproduktion von De La Soul/Prince Paul im Jahre 1991 (“De La Soul Is Dead”) bis zum 96 erschienen “Stakes Is High” zu einer auf eigenen Beinen stehenden Formation mit vereinzelten Gastbeiträgen. Das Wissen, es auf höchstem Niveau auch alleine zu können, hat sie schließlich so locker gemacht, dass sie bei “The Grind Date” erstmalig seit weit über zehn Jahren wieder ausschließlich anderen Beatschmieden das Feld überließen. Diesem ständigen Wandel auf Seiten der Produktion steht als Konstante der stets positive Grundvibe des Trios gegenüber, den man anfangs noch mit Labels wie “Native-Tongue-Movement” oder “Da Inner Sound Y’All” zu kommunizieren versuchte. Mittlerweile ist De La Soul zur eigenen Trademark geworden, die sämtliche Werte auf sich vereint.

Die Rückkehr der Familie
Die Tatsache, dass De La Soul im an maximaler Egomanie leidenden HipHop-Genre demnächst ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiern, ist auch für die Band selbst nicht selbstverständlich. Dennoch scheint Daves Erklärungsansatz erstaunlich simpel: “Ich will gar nicht versuchen, so zu klingen, als seien wir so viel netter als andere oder so ‘HipHop’. Für mich persönlich gab es bei De La Soul definitiv Momente, in denen ich mit der Sache nichts mehr zu tun haben wollte oder zumindest sehr müde war. Ich weiß auch, dass Mase schon sehr frustriert war und auch Pos schon dachte: ‘What the hell is going on?’ Trotzdem fühlen wir uns sehr verbunden. Wir sind Freunde, sehen uns als Familie, sind genauso aber auch Geschäftspartner. Wir respektieren die Grenzen, die sich aus dieser Konstellation ergeben, und sorgen dafür, dass es funktioniert – because of the love of it.” Dass das “Familiending” im Falle von De La Soul nicht bloßes Gerede ist, zeigt auch der Zusammenhalt, den die Band aus Anlass der Hurricanes, die über die USA fegen, zeigt. So kam der mittlerweile in Florida lebende Mase gerade mit seinem gesamten Anhang bei Pos unter: “Letztlich ist uns bisher nichts passiert, aber wir hatten definitiv höchste Alarmstufe. Normalerweise spielen sich die Hurricanes eher draußen auf dem Meer ab, treffen Cuba oder bewegen sich in Richtung der Keys. Diesmal trifft es jedoch auch Florida selbst stärker. Ich habe direkt nach den Warnungen ein paar Maßnahmen zum Schutz des Hauses ergriffen und bin dann mit meiner Familie zu Pos nach Atlanta gezogen.”

Von Tommy Boy zu Beyoncé
Das neue Album “The Grind Date” unterbricht nun die im Jahr 2000 begonnene Album-Trilogie mit dem Obertitel “Art Official Intelligence”, von der bisher die beiden Teile “Mosaic Thump” (2000) und “Bionix” (2001) erschienen. Welchen Grund das genau hat, war der Band nicht zu entlocken, sie beteuert jedoch, dass sie den dritten Teil den Fans und sich selbst schuldig sei und deutet dessen Veröffentlichung vorsichtig für 2005 an. Nahe liegend ist, dass die “AOI”-Auszeit mit dem Wechsel der Plattenfirma und sich eventuell daran anschließenden rechtlichen Konsequenzen zu tun haben könnte. Seit 1989 veröffentlichten De La Soul einschließlich “Bionix” jedes ihrer Alben über Tommy Boy, das heute aber kaum noch mit der Plattenfirma vergleichbar ist, die HipHop-Fans einst so liebten: “Tommy Boy existiert zwar noch, macht aber nur noch Dance-Music. Sie schuldeten ihrer Mutter-Firma eine Menge Geld – so in der Größenordnung von 40 bis 50 Millionen Dollar. Da sie das nicht zurückzahlen konnten, wurde ihnen vorgeschlagen, die Schulden mit Masterbändern zu begleichen. Also haben sie die ganzen Classics weggegeben, wie Afrika Bambaata, die alten Naughty-By-Nature-Sachen, Queen Latifah, Everlast, De La Soul, Prince Paul …”, erläutert Pos. Nun ist man bei Sanctuary Urban untergekommen, einer Plattenfirma, die von Beyoncé Knowles Vater Matthew geführt wird und offenbar äußerst ambitioniert ist. “The Grind Date” verbindet im typischen De-La-Soul-Gewand die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des HipHop. So featuret man mit Flava Flav ein Relikt aus der Steinzeit neben Freunden aus den frühen 90ern wie Common oder Ghostface, während MF Doom und Madlib die High-Potentials der Jetzt-Zeit repräsentieren und Produzenten wie Jake One als Vorboten der kommenden Tage gelten. De La Soul: Still Relevant.

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Elektronische Lebensaspekte.