Der Westküstler Declaime ist sehr talentiert. Er kann nicht nur mit Wasserfarben Plattencover malen. Er ist auch imstande, seine Verrücktheit geschickt in Worte zu fassen. Gerade hat er zusammen mit Madlib eine flowende Querfahrt durch seinen schelmenhaften Kosmos veröffentlicht.
Text: ekrem aydin | cream@wu-tal.de aus De:Bug 49

Deklamieren mit persönlicher Note
Declaime

Snoop Dogg hat einen Bruder. Jedenfalls ist dies das erste, woran ich unweigerlich denken muss, als ich Declaime zum ersten Mal gegenüber stehe. Ein groß gewachsener, schlaksiger Typ mit schmalen Gesichtszügen und schelmischem Blick. Zwar in Übergrößen gekleidet, doch eher einem Skateboardfahrer als einem klassischen Hip Hopper ähnelnd. “Ich stehe nicht auf diesen ganzen Juwelenkram, und bei der bei uns herrschenden Kriminalitätsrate würde ich die Sachen eh nicht lange besitzen,” weiß der Twentysomething und alleinerziehende Vater über seinen Style und seine Heimat – Oxnard, Kalifornien – zu berichten.

Wie so viele hatte Declaime angefangen mit Breakdance und speziell dem Poplockin’ (Michael Jackson hat da viel gebitet… Anm. d. Verf.) und nannte sich einst D-Fresh. “Super Name für einen Breaker, doch völlig out of date für einen Rapper.” So las er eines Tages in einem Wörterbuch und blieb an dem Begriff Declaim hängen. Die Bedeutung: Laut sprechen und dabei die Mittel der Rhetorik nutzen. Das “e” am Ende war dann nur noch die persönliche Note. Sein Kumpel Otis (a.k.a. Madlib von Lootpack) machte bereits im Alter von sieben Jahren Beats, indem er mit Bleistiften trommelte und dazu Beatbox machte, während ein Recorder die so entstandenen Sounds aufnahm. Declaime versuchte dann stets darüber zu rappen. Mit den Jahren wurden beide immer besser, und irgendwann waren sie soweit, ein erstes Demo aufzunehmen. Er verteilte es, und so wurden die Alkoholiks auf ihn aufmerksam. “Eigentlich wollten sie nur einen bestimmten Beat von meinem Demo, und ich hätte ihn auch so abgegeben, doch sie boten mir an, auf ihrem Song zu featuren. Von da an wusste er, dass es Leute gibt, die seinen Sound mochten. So fing er an, seine Demos an andere Plattenfirmen, so auch an Dr. Dres Aftermath-Label, zu schicken. Über deren Absage freute er sich wie ein kleines Kind, denn es hatte jemand geantwortet. Das nächste Demo sollte besser werden, und so liehen sich Declaime und Madlib Geld bei ihren Eltern, um zu Peanut Butter Wolf nach San Francisco zu fahren. Dort angekommen nahmen sie binnen kürzester Zeit ein neues Demo auf. Declaime malte dazu ein Cover in Wasserfarben, und schon war alles bei der Post. Good Vibe, vor allem für Acts wie Slum Village und Bahamadia bekannt, waren die ersten, die Declaimes Potential erkannten. So erschien dann die “Ill Mind-Musik”-EP mit dem selbstgemalten Cover. “Sie haben mehrere tausend Einheiten von meiner EP verkauft, doch ich habe bis heute nicht einen Dollar dafür gesehen,” erinnert sich Declaime heute. Die Leute in und um Oxnard mochten die Stücke genauso wie die Kids im Internet. Das Label verpatzte jedoch den CD-Release. Ein riesen Faux Pas, denn in Kalifornien möchten die “Homies” die Musik im CD-Wechsler ihres “Rides” wissen. Enttäuscht wendete sich Declaime von Good Vibe ab und begab sich erneut auf die Suche. “Mit Groove Attack habe ich ein Label gefunden, das mich einfach machen lässt.” Und wie. Ganze dreißig Stücke inklusive lustiger Skits und schöner Interludes sind auf dem Album zu hören. “Hey, mein Sound mag verrückt sein, doch es ist für jeden etwas dabei. In erster Linie ist es ein Album für MCs. Aber man kann genau so gut dazu tanzen, singen, chillen und vieles mehr.”

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Elektronische Lebensaspekte.