Tief im Harz, nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze, werden die wohl grobkörnigsten House-Tracks dieser Republik gefertigt.
Text: Sven v Thülen aus De:Bug 126


Tief im Harz, nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze, werden die wohl grobkörnigsten House-Tracks dieser Republik gefertigt. Immer ein wenig eigenwillig im Sound, verhältnismäßig leise gepresst, aber von einer rohen, auf den endlosen Groove konzentrierten Dynamik angetrieben, arbeiten sich die Tracks von STL aka Stephan Laubner auf ganz eigene, eigenwillige Art an klassischen US-House (und –Techno)-Themen ab.

Vor knapp zehn Jahren wurde mit ”Portside Waves” zum ersten Mal ein Track von STL, damals noch unter seinem vollen Namen Stephan Laubner, auf Vinyl veröffentlicht – auf Perlon. Danach war drei Jahre Funkstille, bis er 2003 sein eigenes Label Something Records ins Leben rief und anfing als STL zu veröffentlichen.

Aber noch waren es keine House-Tracks, sondern experimentelle Soundscapes und Ambientstücke bestehend aus Fieldrecordings und einer Hand voll Loops. Erst 2006 kam wieder tanzbareres Material via Perlon, und ein Jahr später dann auch auf Something, dessen Output bis dahin ganz der Soundforschung gewidmet war. Mittlerweile gibt es sechs Vinyl-Veröffentlichungen und zehn CDs auf Something, die in einer ganz eigenen Umlaufbahn aus Experiment und Floor-Tauglichkeit schweben.

De:Bug: Deine Tracks klingen meist sehr dreckig und roh. Diese gewisse Grobkörnigkeit zeichnet auch Leute wie Omar S. oder Theo Parrish aus. Wie wichtig ist dir der Schmutz unter den Nägeln der Tracks?

STL: Ich mag es, wenn Dinge organisch klingen und immer ein paar Frequenzen und Obertöne mitschwingen. Vor Jahren hatte ich da mal ein Aha-Erlebnis: Ich war auf einer Party und da gab es eine überdimensionierte Bassbox. Oben drauf stand so diverses Zeugs, Bierflaschen und dergleichen. Bei tiefen Frequenzen rasselte es so richtig schön. In meinen Tracks kann man immer mal wieder so etwas Ähnliches wahrnehmen. Oft ist etwas Distortion auch ein gutes Mittel. Ich habe mir mal einen Röhrenverstärker von Hand anfertigen lassen, den ich oft einsetze. Zudem klingen mir vorgefertigte Drums oft zu sehr nach Konserve. In den letzten Jahren habe ich viele Samples gebastelt, indem ich mit einem Mikro bewaffnet auf Soundsafari ging. Analysiert man z.B. eine HiHat stellt man schnell fest, dass man ähnliche oder sogar völlig neue HiHats erschaffen kann, wenn man mal eben kräftig auf Metallgegenstände, wie z.B. ein Brückengeländer, schlägt. So was macht auch noch Spaß, man sollte sich dabei nur nicht unbedingt von Außenstehenden beobachten lassen.

De:Bug: Die meisten Tracks sind recht lang, konzentriert auf den Groove, entstehen sie live im Jam oder editierst und arrangierst du viel?

STL: Zu meinen Anfangszeiten habe ich auch aus technischen Gründen nicht die Möglichkeiten gehabt zu jammen. Der Track “Portside Waves” z.B. entstand ausschließlich am PC in einem Soundeditor. Also ohne Sequencer. Heute entsteht das Grundgerüst eines Tracks oft im Jam und im Zusammenspiel der einzelnen Sounds und Geräte. Bevor ich anfange zu arrangieren, kümmere ich mich um die Feinheiten wie EQ und Effekte. Manchmal nehme ich auch Sachen live auf und arrangiere weniger. Es kommt auch immer auf den Track und den derzeitigen Gemütszustand drauf an. Wildes Drehen an den Knöpfen muss und kann auch oft nicht programmiert werden.

De:Bug: Deephouse in seiner tooligsten, rhythmus-orientiertesten Ausformung steht durch Tracks von Leuten wie Sascha Dive, Jus-Ed, Brothers Vibe etc. gerade wieder im Fokus der Aufmerksamkeit. Verfolgst du, was es da an Entwicklungen gibt?

STL: Ein bisschen. Ich höre mir ab und zu mal ein paar Platten im Internet an. Und wenn es mir gefällt kauf ich es auch, solange es der Geldbeutel denn mitmacht. Durch Kollegen bekommt man auch öfters mal Empfehlungen.

De:Bug: Ist “Deepness” ein Begriff, der dir was sagt, mit dem du was anfangen kannst? Den du bei Musik als wichtig erachtest? Und wenn ja, was bedeutet er für dich.

STL: Da kann ich schon was mit anfangen. Ich bin von Haus aus eher der introvertierte Typ. Das spiegelt sich dann auch manchmal in meiner Musik wieder. Besonders bei meinen Ambientstücken. Ich mag es nicht so, wenn einen der Sound im negativen Sinne anspringt. Ich höre viel lieber den leisen oder hypnotischen Tönen zu. Da gibt es natürlich Ausnahmen. Manchmal will man eben auch einfach nur seinen Spaß haben. Aber auch Sachen, die ins Bein gehen, können gleichzeitig Tiefe beinhalten und interessant sein. Dinge wie Deepness, Melancholie und auch Darkness mag ich allerdings sehr gern.

De:Bug: Siehst du die Loops, die du ja auf jeder Platte hast, als DJ-Tool oder als Samplematerial.

STL: In erster Linie sind es ja auch nur aneinander gereihte Sounds, die sich endlos lange wiederholen. Was unter Umständen hypnotisierend und faszinierend sein kann. Ich betrachte diese Endlosschleifen eher als Spielwiese für mich. Oft sind es auch nur Sachen, die ich nicht fertig gestellt habe, oder in sich schon schlüssig genug sind. Manchmal kommt einem so ein Loop beim Mischen aber genau recht.

De:Bug: Bist du eigentlich selber DJ?

STL: Naja, es ist schon mal vorgekommen …
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Elektronische Lebensaspekte.