Manchmal kann die Herkunft auch eine Bürde sein.
Text: Sebastian Hinz aus De:Bug 139

Wenn man als Band aus Manchester kommt und Indie, Psychedelic und Dance Music miteinander verbindet, ist das Säckel, das es zu tragen gilt, wahrlich kein leichtes. Ihrer Herkunft aus der Arbeiterstadt im Nordwesten Englands sind sich Delphic sehr bewusst. Das Trio ist im Gegensatz zu einer anderen Band aus Manchester – Oasis, you name it – alles andere als ahistorisch. Sie stilisieren sich nicht einmal im Ansatz als Originale, sondern tragen Herkunft, Vorbilder wie auch die Ikonen des Genres in jeder Note ihrer euphorisch flimmernden Musik.

“Wir sind sehr stolz darauf eine Manchester-Band zu sein. Das musikalische Erbe ist umfangreich und ein Teil dessen zu sein, ist sensationell. Für eine junge, aufstrebende Band wie uns gibt es keinen besseren Ort“, unterstreicht Matt Cocksedge. So orientiert sich der Gitarrist, gerade Anfang 20, gemeinsam mit seinen beiden Kompagnons James Cook und Richard Boardman insbesondere an der musikalischen Tradition ihrer Heimatstadt, die wie Joy Divisions “Atmosphere“, New Orders “Blue Monday“, Happy Mondays “24 Hour Party People“ und A Guy Called Geralds “Voodoo Ray“ Gitarre und Elektronik auf seltsam ungekünstelte Art und Weise miteinander verbindet. “Es ist eine Menge großartiges Zeug aus Manchester gekommen.

Doch wir wollen nicht nur nachahmen, nicht aufstecken, wir wollen einen Schritt weitergehen.“ Das heißt dann auch einmal die Köpfe zu heben und über die Stadtgrenzen hinaus nach dem zu schauen, was den eigenen musikalischen Ansprüchen genügen könnte. Zu ihren Einflüssen zählen die drei “Mancunians“ sowohl Radiohead als auch Carl Craig. Ebenso hat die britische Tanzmusik der 1990er Jahre, ob Underworld oder Chemical Brothers, durchaus ihren Niederschlag bei dem Trio gefunden. Auf den großen Bühnen waren sie hingegen zuletzt als Tour-Support von Bloc Party und The Streets zu bestaunen.

Das im Januar erschienene Debütalbum “Acolyte“ (dt. Messdiener, Ministrant) macht sich nicht nur im Titel zum Stellvertreter für eine Musikrichtung, die zwischen Indie-Wehmut und Dancefloor-Euphorie mäandert. Als Mann hinter den Reglern haben sich Delphic den britischen DJ und Techno-Produzenten Ewan Pearson, der in den letzten Jahren durch Remixe für die bereits erwähnten Chemical Brothers, wie auch The Rapture, Franz Ferdinand oder die Junior Boys aufgefallen ist. Der schon lange in Berlin wohnende Pearson stählt die zehn Songs von “Acolyte“ derart, dass jeder einzelne das Potenzial besitzt, auch im Club zu bestehen, auch wenn als Highlights weiterhin die Single-Auskopplungen “This Momentary“ und “Counterpoint“ gelten können.

Erstere erschien vor kurzem auf Kitsuné, letztere ist bereits als limitierte 12” Anfang diesen Jahres beim legendären belgischen Technolabel R&S veröffentlicht worden und besticht mit seinen an die Junior Boys erinnernden Synthflächen. Zusätzlich machen die langsameren Stücke wie “Submission“ dem Sound ihrer Heimatstadt alle Ehre. “Sollte es so etwas wie ein ‘neues Manchester’ geben“, sagt Richard Boardsmann völlig unprätentiös, “wäre es schön, wenn wir dessen Aushängeschild wären, in der gleichen Weise wie es Joy Division für das ’alte Manchester‘ waren.“ Wie gesagt, dieses Säckel ist kein leichtes. Doch Delphic versuchen es zu schultern.

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Elektronische Lebensaspekte.

One Response

  1. Miezu

    Wirklich gutes Album und tatsächlich in einer schönen Tradition.