Ihr denkt bei Frankreich nur an die Karat/Katapult-Posse, wenn ihr euch so richtig weit vorne fühlen wollt? Fehler. Delphine Quême hat mit ihrem Label "Bureau" ganz andere Vorschläge.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 94

Delphine Quême – Das Büro bin ich

Irgendwie wünschen wir uns doch alle House aus Frankreich zurück. So wie es damals mal war, bevor die Filterdisco-Seuche losbrach. Charmant, sympathisch, upliftend und irgendwie clever gemacht. Gut, Krikor, Cabanne, Ark, Nôze, alles funky, alles groß, aber ist das schon alles? Nein, denn es gibt noch Bureau, das Label von Delphine Quême, die sich in Paris zu allererst einen Namen dadurch gemacht, dass sie die Paradise Massage Partys (auf denen alle oben Genannten ständige Gäste sind) nicht nur mitorganisiert, sondern auch mit ihren DJ-Sets musikalisch bestimmt hat. Delphine ist eine veritable One Person Factory. “Ich habe so vor circa fünf Jahren angefangen zu produzieren, und mir ist schon vor Bureau öfter angeboten worden, Tracks zu releasen (besonders von Terrence Parker), aber ich fühlte mich noch nicht so weit. Letztes Jahr hatte ich dann eine Diskussion mit jemandem, der mich fragte, warum ich eigentlich kein eigenes Label mache, und da machte es click! Ich bin jemand, der am liebsten alles selbst macht, ich möchte, dass meine Musik mir gehört und ich alles kontrollieren kann, Artwork, Herstellung der Platten, Mastering usw. Meine Tracks weglizenzieren kann ich noch immer …”
Der Labelname und das Logo sagen das noch einmal anders: Ich bin mein Büro. “Ich liebe diesen Namen einfach. Ich wollte, dass er nach etwas klingt, dass um die Musik immer herum ist. Der Name sollte nicht erklären, wie die Musik klingt. Ich sitze tagein, tagaus vor dem Computer. Ob ich nun Musik mache, Artwork, an der Webseite arbeite oder was auch immer. Das ist meine Welt. Eine Person hinter einem Computer. Außerdem kann ich so das Logo gut ändern. Wenn du mal eines Tages zwei Menschen hinter dem Computer sitzen siehst, dann weißt du, dass ich mit jemandem zusammenarbeite.” Bislang aber releast Delphine Quême auf ihrem Label ganz allein unter dem Pseudonym “Quartet” Housemusik, wie man sie viel zu oft vermisst. Leicht, aber perfekt konstruiert, upliftend, aber ohne auch nur einen Hauch Kitsch. Dagegen ist sie aus Detroit geimpft worden. “Ich fühle mich in Frankreich von wenig beeinflusst. Aber Detroit, Mike Banks, Moodymann, Terrence, Carl Craig usw. oder die UK-Szene mit Plaid, Boards Of Canada, Stasis. Letztendlich denke ich aber, dass nicht House mein größter Einfluss war, sondern Soul und Funk.” Ihr erster Track hieß dann auch, als Tribut an Curtis Mayfield, “Curtomised”. “Merkwürdigerweise scheine ich aber im Moment mehr Sonic Youth, Nick Drake, Queens of The Stone Age und Teenage Fanclub zu hören. Ich bewege mich wohl weg von meiner DJ-Zeit und hin zu Musik, die man sich zu Hause anhört, nicht im Club. Hoffen wir mal, dass ihre Vorbereitung für den Liveact das bald auch wieder ändert, denn Frankreich kann eine Housegröße wie Bureau dringend brauchen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.