Dennis Karimani malt sich Storyboards zu seinen Tracks. Das ergibt Tracks in einer malerischen Vielfalt für Menschen, die bei Gerne-Grenzen einen klaustrophobischen Anfall bekommen.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 103


Der Hamburger Dennis Karimani aka Remute ist seit ca. vier Jahren auf den diversesten Labels des Landes unterwegs. Dekathlon, Areal, Trapez, Dial, Gastspiel und sogar Weave. Zusammen mit Pelle Buys macht er Error Error und gehört damit gleich auch zum Hamburger Rave-Boygroup-Imperium. Egal wo man ihn grade musikalisch vermuten würde, jede neue Platte von Remute überrascht einen. Sein Album, das jetzt auf Ladomat erscheint, schafft da Klarheit. Und auch wieder nicht. Denn der Sound, den Remute hier in zwölf Tracks für sich erfindet, hat so konsequent nichts mit dem zu tun, was man zurzeit so an minimalistischer Verfeinerung oder ravendem Elektrosynthkram, an Retrodisco oder was sonst noch so “in” auf dem Dancefloor ist, zu hören bekommt. Jeder der Tracks hat einen ganz eigenen Charakter und ist damit zugleich überraschend einfach und direkt, aber gleichzeitig auch voller Spielereien. Und bis auf eine leichte Disconuance ist es eins der Statements für das Ende eines jeden Glaubens an welches Genre auch immer. Musik, die einem immer vermittelt, dass elektronische Musik doch noch ganz am Anfang steht und alle Wege offen sind.

Debug: Dein Album ist wirklich verdammt vielseitig. Wie kommt’s, dass das auf Lado erscheint?

Remute: Vielfalt wird bei mir immer groß geschrieben. Ich passe nicht wirklich in ein Labelprofil rein. Die meisten Labels haben so eine Art Masterplan. Xenia hat mich auf einer Party zufällig angesprochen, ob ich Tracks habe. Ich war total überrascht, weil es so nahe liegend war, mal was zu Lado zu schicken, aber ich habe mich nie getraut.

Debug: Die Tracks scheinen alle eine Geschichte zu erzählen.

Remute: Ja, jeder Track ist quasi eine Art Film. Es gibt in jedem ein paar Hauptdarsteller, die ziemlich prägnant sind, und viele Statisten. Viele Einstellungen. Die sind alle schön durchinszeniert. Bei den Remute-Tracks ist das immer so. Bei Dennis-Karimani-Tracks sind es eher spontane Gefühlszustandsbeschreibungen, die aus einer Jamsession entstehen. Die sind nicht so actionreich, sondern auf repetitive Sequenzen eingeschossen, die eher das Gehirn rocken. Für Remute mache ich mir sogar teilweise Skizzen. Storyboards.

Debug: Du zeichnest die richtig?

Remute: Ja. Ich zeichne z.B., wie sich eine Bassdrum bewegen muss, wenn die ganz verrückte Sachen macht. Ich lege gerne auf die Summe ein paar Effekte, um den Track so richtig zu zerlegen. Dazu habe ich immer ein bestimmtes Bild, das ich dann aufzeichne. Bei “Man-Eating Elevator” hatte ich komische Massenschlachtszenen im Kopf. Eine ziemlich chaotische Skizze. Das wär was fürs Booklet gewesen. Aber für das Booklet haben wir Bilder mit einem Berliner Künstler gemacht. Zu jedem Track gibt es ein Bild, aber es steht nicht dabei, zu welchem Track welches Bild ist, das muss man schon selber raten, die sind schon abstrakter. Aber es sind schon Anhaltspunkte gegeben.

Debug: Du machst aber noch weiter Tracks auf diversesten Labels?

Remute: Remute konzentriert sich schon auf Ladomat, aber es gibt ein paar Ausflüge. Z.B. das Stück mit Riley Reinhold auf Trapez, das dem Studiomusiker “Jah Wobble” gewidmet ist. Kollaborationen mache ich eh gerne. Mit Duncan (DNCN) z.B. aus Manchester auf Gastspiel. Als Dennis Karimani bringe ich aber eh überall Platten raus. Auf Dial demnächst und auf deren neuem Schwesterlabel Smallville.

Debug: Die einzigen Tracks von dir, die ich stilistisch gut einordnen kann, sind die, die nach Disco klingen.

Remute: Ja, Disco hat mich ziemlich geprägt. Schon als kleiner Junge habe ich Tapes von meinen Eltern bekommen, die voll mit Italodisco waren. Ich mag daran vor allem den warmen Sound, diese Bandsättigung. Und halt der Hang zu diesen ausgedachten Synthsequenzen. Da hört man einfach den Exzess raus. Das mag ich, das liegt mir. Und natürlich auch den Soul nicht zu vergessen.

Debug: Würdest du sagen, dass so ein Sound wie auf dem Album auf dem Dancefloor zurzeit fehlt.

Remute: Ich habe das Gefühl schon. Im Club ist alles immer sehr grade, sehr vorsichtig, was die DJs dort machen. Ausbrüche erlebe ich dort selten. Das fehlt mir schon. Wenn ich live spiele, mache ich das auf jeden Fall anders, das ist immer ein ziemlicher Bruch.

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Elektronische Lebensaspekte.