Große Bilder, klare Ansagen. ”Sneakers - Das ultimative Handbuch” ordnet die Sneaker-Welt aus Sammlersicht.
Text: Jan Joswig aus De:Bug 93

Der Kanon für die Kicks
Sneakers – Das ultimative Handbuch

Sneaker sind der Mode-Fetisch schlechthin. Längst hat jeder Designer neben seiner Parfumlinie auch eine Sneakerlinie. Die werden von den wahren Sneaker-Heads allerdings beflissentlich übersehen. Sneaker müssen sich erst mal im Sport, beim Basketball, Skaten, Fußball, Tennis bewiesen haben, am besten von Sportlerikonen getragen worden sein, um sie reif für die Fetischisierung zu machen. Die Sneaker-Kultur ist in ihrem Herzen eine Mode-abgewandte Straßenkultur, die stolz darauf ist, sich ihre Klamottenwahl nicht von Laufstegen herunter diktieren zu lassen. Man skatete, breakte, sprayte. Die Sneaker zeigten, dass man diese Freizeitbeschäftigungen als bewusstes Statement einsetzte. Das kann man nirgends so direkt nachempfinden wie beim Durchstöbern von Bobbito Garcias Sneaker-Bibel ”Where’d you get those?“.
Aus dieser Kultur hat sich ein Typus entwickelt, der die Fixierung auf den Sneaker absolut setzt: der Sammler. Der Schuh ist alles, der Kern der kulturellen Identität. Der Sammler macht die Sneakerfrage zur Geheimwissenschaft. Das pendelt spannend zwischen hip und nerd, weil ein Sneaker schließlich keine Briefmarke ist.
Aus dem Pulszentrum dieser Sammler-Kultur erscheint jetzt ”Sneakers – Das ultimative Handbuch“, das erste Sneakerbuch in deutscher Übersetzung. Zusammengestellt hat es die Londoner Agentur ”Unorthodox Styles“, die mit crookedtongues.com neben sneakerfreaker.com die wichtigste Website zum Thema betreut. ”Sneakers“ will nicht die Kulturgeschichte des Sneakers nachzeichnen, will keine Komplettvorstellung aller Marken und Modelle leisten, sondern mit geballter Sammler-Autorität ein selektiertes Vokabelheft zum Auswendiglernen bereitstellen. Hier wird nicht für Unangefixte der Mythos erklärt, sondern für schon Bekehrte ein großzügig layoutetes und bebildertes Produktnachschlagewerk mit Empfehlungsanspruch geboten. Alphabetisch nach Marken gegliedert, wird pro Seite ein Modell mit großem Foto und kleinem Hintergrundtext präsentiert. Die Markenhierarchie bleibt unangetastet, der Fokus liegt auf den großen drei, Nike, Adidas, Puma. Kleine Marken wie Le Coq Sportiv, PFFlyers oder Zeha tauchen im Sammler-Blickwinkel nicht auf, Design-Sneaker von Marc Jacobs, Gabriele Strehle oder Hedi Slimane bleiben sowieso gefälligst außen vor. Da ist ”Sneakers“ ganz orthodox.
Aber wer wissen will, mit welchem Modell er in Spezialläden wie der “Solebox“ oder ”Alive“ in New York keinen Unmut erregt, kann sich auf ”Sneakers“ verlassen. Und auch wer ein Sneakerbuch wie einen Kunstband genießen will, weil Sneaker eh die besseren Plastiken sind, ist mit diesem üppigen Bildband bestens bedient.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.