Der Schmeisser nimmt keine Drogen, falsch geraten, sondern heißt wirklich so. Mit Fruity Loops gibt er Funk die Kasseler Note.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 93

Kategorisches Abknistern
Der Schmeisser

Ausgerechnet Kassel! Ihr kennt das: Stammheim, Aufschwung Ost, Hotze, Pierre … Raven mitten in Deutschland. Der Schmeisser, der das Glück hatte, einen wirklich passenden Namen für einen Techno-DJ zu haben, und der nach ein paar Jahren des Rumprobierens mit lustigen Pseudonymen irgendwann wusste, ach, wenn ich schon Michael Schmeisser heiße, dann soll das ruhig so sein, landete irgendwann auf einem Flyer als “Der Schmeisser”, und dabei blieb es. Wer jetzt erwartet, dass er dauerdrauf ist, wird überrascht sein zu hören, dass Der Schmeisser zwei Kinder hat, seit 94 auflegt (früher Stammheim, Aufschwung Ost, jetzt Resident im Hotel Reiss und ARM aka Arbeitskreis Rhytmus suchender Menschen) und schon mit 12 die ersten Tracks auf seinem Commodore C116 gemacht hat (der wie all seine alten Computer immer noch voll funktionstüchtig irgendwo bei ihm in Kassel steht). “Drogen, das verfolgt mich schon immer, ist aber nicht schlimm.” Vor seinen ersten EPs auf dem Einmaleinsmusik-Label eines Freundes aus Kassel, der jetzt nach Berlin gezogen ist, kannte man Der Schmeisser wohl vor allem zu Hause. “Ich kann mich halt schlecht verkaufen.” Seit den ersten EPs, “Hüftgold”, “Speckdrum” und “Schön Trackig”, die letzten beiden sind komplett zusammen mit seinem Freund Rahmi Cihan produziert, mit dem zusammen er auch DTF (Deutsch Türkische Freundschaft) ist, glaubt ihm das keiner mehr. Aber nicht nur die Namen klingen, als kämen sie mitten aus einer Session, in der einem die besten Ideen dann kommen, wenn man vor Lachen kaum noch stehen kann, sondern auch die Tracks rocken so frech wie wenig. Gebrochene, kratzige, rockende, sperrige, funkige Tracks, in denen man spürt, dass Schmeisser mal als HipHop-Produzent angefangen hat und auch jetzt noch Beatjuggling mit Elektronik betreibt. “Ich konnte scratchen, bevor ich mixen konnte. Ich bin alles, aber nicht hypnotisch. Das ist Musik für die Beine. Nicht kopflastig. Das macht mich glücklich, sonst würde ich sterben.” Seinen Freunden in Kassel (DJs, Produzenten) erzählt er immer, dass es nicht wichtig ist, womit man produziert, sondern wie es am Ende rüberkommt, und er ist fast stolz drauf, immer noch Fruity Loops zu benutzen. “Das muss abknistern, Fruity Loops klingt halt nicht gut, das rauscht. Ich arbeite oft an vielen Tracks auf einmal, aber auf die Platten kommt immer, was dann am besten funkt.” Er ist alles andere als ein Einzelgänger. “Mir gefallen immer die Tracks am besten, die ich nicht alleine gemacht habe. ‘Nas Funk’ zum Beispiel, da waren wir zu dritt. Das hat einfach mehr Tiefe. Ist nicht so egoistisch. Man hört einfach, dass die Leute dabei Spaß hatten. Irgendwie scheint das nicht üblich zu sein in Deutschland, da passt man immer so auf, dass der andere einem nichts abguckt, aber wir stellen unsere Maschinen gerne zusammen. Ich bin irgendwie der einzige Deutsche in der Crew. Wenn ich alleine produziere, dann denke ich oft, ich dreh die Tracks kaputt.” Da wundert es einen auch nicht, dass auf der letzten EP Bringmann, einer der Hotze-Macher, sein Debut hatte. Und dass sich direkt neben ihm schon die nächste Kasseler Crew gebildet hat, mit der man rechnen sollte. Rahmi Cihan’s Beatsport, deren erstes Release bald auf Beatsport erscheint. Kasseler Funk wird diesen Sommer noch zum Trademark.

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Elektronische Lebensaspekte.