Quieieieieietsch! Sind die nieieieieieieieedlich! Seitdem die Website flipflopflyin.com vor einigen Jahren mit den Minipops Mini-Pixelfiguren von Aphex Twin bis zu ZZTop vorstellte, um sie herum absurde Geschichten erfand und schnuckelige Icons zum Runterladen anbot, ist die Website quer durch Netzhype und Netz-Niedergang ein voller Erfolg. Jetzt schwappt genau der auch über den Monitor zu Musikvideos und in die Kunstwelt über. Wir sprachen mit Flipflop Craig Robinson, der in seinem richtigen Leben weitaus weniger niedlich ist, sondern eigentlich lieber Hunde morden würde. Ha!
Text: Johannes Schardt aus De:Bug 74

Hey Wand? Hier Flipflopflyin!
Craig Robinson steigt um

Vor 5 Jahren dachte sich Craig Robinson, es wäre an der Zeit einen Computer anzuschaffen. Für Internet und so. Seine Mutter hatte gerade ihr Haus verkauft und schenkte ihm 1000 Pfund. Und da ein kalifornischer Computerhersteller gerade bunte Rechner auf den Markt brachte, musste er nicht lang überlegen, was er mit dem Geld machen sollte. Kein Jahr später registrierte er die Domain flipflopflyin.com und kopierte seine ersten Minibilder als GIFs, die er mit der Zeichenfunktion eines Textverarbeitungsprogramms erstellt hatte, auf den Server. Mittlerweile zählt die Website, auf der Robinson von seinem Bartwuchs erzählt, Kylie und Kraftwerk huldigt und unzählige kleine Animationen versammelt, über 7000 Besucher am Tag. Seine Illustrationen finden sich in internationalen Magazinen und Kunden aus aller Welt klopfen bei ihm an die Tür. Die Minipops, nur wenige Pixel große Abbilder von Popstars, sind ohne Zweifel die bekanntesten Arbeiten von Robinson. Hunderte solcher Pixelmännchen, von Aphex Twin bis ZZ Top, hat der in Berlin lebende Engländer auf seiner Website veröffentlicht. Aber auch wenn die Minipops natürlich einen wichtigen Teil von FlipFlopFlyin’ darstellen, so zeigen sie doch nichts von dem größten Talent Robinsons: das Erzählen kleiner Geschichten, das humorvolle Inszenieren von unscheinbaren Alltagsbeobachtungen oder skurrilen Phantasien. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis Robinson auch andere Formate für seine Erzählungen nutzte. Und was liegt bei jemandem, der die Popkultur mit Löffeln frisst, näher als das Musikvideo? Zwei Clips – für die italienische Band Giardini di Mirò und den taiwanesischen Sänger David Tao – hat er kürzlich fertig gestellt. Weitere folgen hoffentlich.
Auch Galerien haben inzwischen Gefallen an Robinsons bunten Bildern gefunden. Seine erste Solo-Ausstellung “Everybody’s Dogs” fand vor einigen Monaten in Japan statt, die zweite mit dem Titel “Yummy Yummy Yummy I Got Love In My Tummy” befand sich gerade in der heißen Vorbereitungsphase, als uns Craig Robinson dieses Interview gab.

DeBug: Wie kam es zu der Ausstellung in Amsterdam?
Craig Robinson: Fanclub, eine Agentur aus Amsterdam, die auch Ausstellungen und Events organisieren, fragten mich, ob ich interessiert wäre, dort ein paar Arbeiten zu zeigen. Sie hatten Photos von der Ausstellung in Sapporo gesehen und ursprünglich sollten diese Plakate auch in Amsterdam gezeigt werden. Zur selben Zeit habe ich auch ein paar Gemälde in diesem Pixelstyle gemacht. Um es kurz zu machen: Sie mochten die Idee mit den Gemälden und ich habe eine Serie von sechs ein Quadratmeter großen Leinwänden gemalt, die FFF-Boy und andere Charaktere in verschiedenen Urlaubssituationen und -umgebungen zeigen.

DeBug: Hast Du jemals daran gedacht, dass deine Arbeiten in einer Gallery landen würden? Fühlst Du Dich in einem solchen Kontext wohl?
Craig Robinson: Sicher, das war schon immer ein Traum von mir. Genauso wie das Sieger-Tor in einem WM-Finale zu schießen oder Astronaut zu sein. Ich bin wirklich froh darüber, dass meine Arbeit auch ein Leben außerhalb des Computers gefunden hat. Es gibt zwar viele gute Pixelsachen, aber ich habe mich nie als Teil einer “Internet Pixel Community” gesehen. Pixel sind für mich nur ein Stilmittel und es freut mich, dass meine Ideen auf Leinwand genauso gut funktionieren wie am Bildschirm.

DeBug: Viele Leute denken, du seist sehr stark von alten Videospielen beeinflusst und total computerfixiert. Ich hingegen kenne dich aber als jemanden, der sehr viel herumkritzelt und auch mal Zigarettenschachteln, Cola-Dosen und Radiergummis auf der Tischplatte arrangiert, um eine Idee zu skizzieren.
Craig Robinson: Ja, das ist ein häufiges Missverständnis. Obwohl ich zwar mittlerweile die meiste Zeit vor dem Computer verbringe, entwickle und bereite ich meine Ideen noch immer auf Papier vor. Kritzeln und skizzieren ist für mich sehr wichtig. FlipFlopFlyin’ war seit dem ersten Tag eine Erweiterung dessen, was ich in meinen Notizbüchern gemacht habe: alberne Zeichnungen, Texte, Photos usw. Der große Vorteil des Computers, bzw. des Internets ist, dass ich nun ein größeres Publikum ansprechen kann. Vorher waren es nur ein paar Freunde, die durch meine Skizzenbücher blätterten. Ich finde es schon wichtig, ein Publikum zu haben. Die meisten Sachen auf FlipFlopFlyin’ sind zwar dadurch entstanden, dass ich sie einfach machen wollte und den Prozess von einer Idee, über die Skizze bis hin zum fertigen Design so genieße, aber sie würden anders aussehen, wenn ich nicht wüßte, dass andere sich das anschauen. Das beste Beispiel dafür ist, dass ich die “dunkle Seite” meiner Persönlichkeit aus FlipFlopFlyin’ heraushalte. Der Craig, der FlipFlopFlyin’ macht, hört die Beach Boys und wünscht sich einen Hund. Aber es gibt auch den Craig, der am liebsten den verdammten Köter abmurksen würde, der jeden Morgen um 8:30 vor meinem Haus bellt.

DeBug: Mit den Ausstellungen und auch den Musikvideos, die du in letzter Zeit gemacht hast, haben sich für dich ja nun Chancen ergeben, auch ein Publikum außerhalb des Internets anzusprechen. Hast du Pläne für weitere Projekte in anderen Medien oder Umgebungen?
Craig Robinson: Ich würde sehr gerne ein Buch veröffentlichen. Ich hatte mal die Idee ein Minipops-Buch zu machen, aber jetzt gibt es ja das Poster, was meinen Wunsch auf eine physische Dokumentation der Figuren erfüllt. Mich würde es auch sehr interessieren, etwas Visuelles zu machen, dass eine Art narrative Qualität hat und mehr als nur eine Aneinanderreihung von Bildern ist. Ich habe so viele Bücher in meinem Regal, die aus ein paar Seiten Introtexten bestehen, die ich nie lese, gefolgt von unzähligen Bildern, die ich mir ein paar mal anschaue; auf sowas habe ich nicht so wirklich Lust. Viel lieber würde ich etwas machen, das sich wie ein Familienfotoalbum anfühlt, eine Art “visuelle Autobiographie”, auch wenn das jetzt etwas blöd klingt. Es gibt so viele Dinge, die ich gerne noch tun würde. Ein Kinderbuch zum Beispiel oder Animationen für’s Fernsehen. Und irgendwann mal möchte ich meinen eigenen Supermarkt in Berlin eröffnen, in dem die Kassierer alle gutaussehend und freundlich sind und jede Abteilung so gestaltet ist, dass der Kunde sich wie in einem Wunderland fühlt. Stell dir vor, du gehst in die Duschgel-Abteilung und dort stehst du dann in einem Tunnel mit blauem Neonlicht am Boden und Projektionen von duschenden Leuten auf der Außenseite. Im Grunde wäre das eine FlipFlopFlyin’-Version von Disneyland. Mit Extra Wurst und Haribo.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.