Weil Amy Franceschinis Art, so bestimmt, eigen, sensibel und wunderschön zu gestalten, uns die liebste in diesem Jahr war, haben wir sie nach ihren Erlebnissen in 2002 gefragt. Auf das solche Ausnahmen mehr werden!
Text: Anne Pascual aus De:Bug 67

Ausnahmen sind selten. Dafür, dass Ausnahmen überhaupt in der Schöpfung vorkommen, sorgt ein Naturgesetz: Die Photosynthese. Mit der Photosynthese lässt sich auch die Weise beschreiben, wie das Design Studio der Future Farmers aus San Francisco funktioniert, wächst und außergewöhnliche Arbeiten erschafft. Die gerade erschienene Dokumentation der Projekte, die seit der Gründung 1995 durch Amy Franceschini entstanden sind, zeigt, wie organische Formen, Wolken, Felder, Früchte, Insekten und so was den Bildschirm kultivieren, alles fein bearbeitet. Die Miniatur hat das Sagen, haucht den glänzenden Oberflächen Lebendiges, Bewegliches, Hüpfendes ein. Die Kombination aus dreidimensionalen Figuren, filigranen Details und bezaubernden Soundeffekten überrascht einen immer wieder, gerade so als seien wir Alice im Wunderland.
Aufgewachsen auf einer Farm in San Joaquin Valley, Kalifornien, träumt Amy vom Landleben als ideale Experimentierumgebung, bei der die Technologie einer Vogelinsel gleicht. Und das ist gar nicht niedlich gemeint: eine goldene Nica 2002 in der Kategorie Net Excellence haben Amy und ihr Partner Josh On für “They Rule”, eine Visualisierung der Machtverhältnisse in Amerikas Chefetagen, erhalten. Diese Form von verstecktem politischem Kommentar ist keine Seltenheit bei Future Farmers. “Texan Drawl”, eine Satire auf George W. Bush, ist nur ein weiteres Bespiel dafür, wie soziale und ökologische Implikationen in den Design-Alltag spielerisch einfließen und zeigen, wo es anders weitergehen kann. Dass man kleine Utopien einfacher gemeinschaftlich lebt, zeigt auch der Fellow-Teil der “Harvest” Publikation in dem befreundete Künstler allesamt “Digital Bohemians” aus San Francisco zwischen 1965 und 1975 geboren, ihre Arbeiten vorstellen, und damit den produktiven Output als Maß für Veränderung begreifen.

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Was war neu für dich in diesem Jahr?

Amy:
Ich muss sagen, Menschen kennen zu lernen, das war etwas Neues dieses Jahr. Letztes Jahr war ich mit meinem Kopf vielmehr mit dem Studium an der Graduate School in Stanford beschäftigt. Vermutlich wachse ich jetzt von der Studentenrolle zum Lehrer heran, da ich nun im Media Lab des Art Departements in Stanford unterrichte. Zur Zeit arbeite ich an meiner Einzelausstellung in der Jack Hanley Galerie San Fransisco, die Anfang Januar eröffnet. Dieses Jahr bin ich an vielen verschiedenen Orten gewesen. Im Frühsommer habe ich auf der SPARC Konferenz in Neuseeland gesprochen, dort habe ich die nettesten Menschen der Welt kennen gelernt. Genauso wie auf der Ars Electronica in Linz, wo ich Johan Brucker-Cohen and Guy Van Belle und viele andere interessante Leute getroffen habe.

Debug:
Was war das Fest des Jahres? Und die lustigste oder leichteste Sache, die du in diesem Jahr gemacht hast?

Amy:
Party des Jahres? … hm. Auf dem Deck eines hundert Jahre alten Schiffs sitzend mit Blick auf einen See in Vermont und Don Quixote lesend, das war das Schönste. Außerdem: Ich entwickle gerade gemeinsam mit einem Freund, den ich in Rotterdam getroffen habe, ein kollaboratives Spiel, das ist wirklich lustig.

Debug:
Was hast du dieses Jahr gesammelt?
Amy:
Tatsächlich habe ich meine erste Ebay-Transaktion gemacht und sammle gebrauchte, tragbare Plattenspieler.

Debug:
Was machte Dinge schwierig in diesem Jahr?
Amy:
Der Winter brachte nicht so viele Veränderungen wie erwartet. Die Lehrtätigkeit hat mir wieder mehr Zeit gelassen für Futurefarmers und für die Arbeit mit unseren drei Artists in Residence. Schwierigkeiten bereitet mir nur die Tatsache, dass ich wundervolle Menschen diesen Sommer getroffen habe, mit denen ich am liebsten unter einem Dach leben würde oder zumindest in kurzer Entfernung. Oh ja, ich habe sogar schon versucht, Nachrichten über das Wasser zu versenden. Gar nicht so einfach, aber ich bin nah dran.

Debug:
Welche Dinge wurden klarer am Ende des Jahres? Dinge, die du gern enden lassen würdest?
Amy:
Ich würde gerne meinem Traum der Futurefarm realisieren. Das ganze Jahr über habe ich nach Land gesucht und die Vorstellung wird immer konkreter, die eigene Nahrung anbauen zu können und das Landleben mit dem Artist in Residence Programm zu verbinden, genauso wie der Wunsch diese Form des Zusammenarbeitens groß und stark werden zu lassen.
Was ich dieses Jahr stoppen würde: KRIEG… KEIN KRIEG bitte!

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Elektronische Lebensaspekte.