Ein Design über alles: Apple hat mit dem Look des iPods einen Standard gesetzt, der längst in andere Märkte wie Zigaretten oder Haushaltswaren eingebrochen ist. Wir befürchten Schlimmeres für 2005. Aber beim Webdesign ist alles in erwachsener Butter. Und selbst Flash bekommt durch Video endlich die Funktion, die es verdient.
Text: Johannes Schardt aus De:Bug 89

Design

Apple-Produkte mussten in den letzten Jahren immer wieder als “Inspirationsquellen” herhalten – man erinnere sich an Bügeleisen und Nähmaschinen im iMac-Look. Was 2004 aber mit dem Erfolg des glorifizierten iPods losgetreten wurde, stellt alle vorherigen Jahre in den Schatten. Der kalifornische Computerhersteller selbst preist sein ehemaliges Zugpferd, den iMac, mit dem Slogan “From the makers of iPod” an und lässt bei der Wahl von Form und Farbe auch keinen Zweifel daran aufkommen. Andere Firmen stecken Kaffeemaschinen, Wasserkocher und was man sonst noch so an junge Leute verkaufen will in weiße Quader mit abgerundeten Ecken.

Der iPod ist aber nicht nur Musik-Player und Design-Objekt, nein, er ist das Symbol einer ganzen Generation; verkündeten zumindest einige findige Zielgruppenanalysten. Einfallslose Art Direktoren erkannten auch schnell, wie die Angehörigen der “Generation iPod” aussehen, schließlich hängen ihre Bilder an jeder zweiten Littfasssäule: schwarze Schattenrisse, die vor farbigen Hintergründen tanzen, in den Ohren weiße Stöpsel. Und so sieht man jetzt nicht nur Kopfhörer tragende, sondern auch rauchende (NIL) oder telefonierende (Motorola) Silhouetten an Plakatwänden. Eine Neujahrsbitte an die Agenturen dieser Welt: Verschont mich im neuen Jahr mit weiß bebrillten (Fielmann), beschuhten (Nike) oder Wurst verzehrenden (CMA) Schattenbildern.

Zum Webdesign. Dort gibt es weniger Grund, mich künstlich aufzuregen. Au contraire, man kann durchaus behaupten, 2004 war ein gutes Jahr. Anstatt kurzlebiger Designtrends konnte man Entwicklungen beobachten, die sich an der Technologie orientieren und auf das Medium konzentrieren. Werden da etwa langsam Leute erwachsen?
Jeffrey Zeldman, Autor von “A List Apart”, dürfte mit Freude zur Kenntnis genommen haben, dass immer mehr Websites auf Cascading Style Sheets (CSS) basieren, Webstandards nicht mit Füßen getreten werden und auch der Begriff “barrierefrei” kein Fremdwort mehr im Vokabular des Screen-Designers ist. Usabilty und Accessibility werden Primärtugenden, Menschen, die keine ALT-Tags auf ihren Websites verwenden, gelten als nicht gesellschaftsfähig, und wer nächstes Jahr noch HTML-Tabellen bastelt, wird bestenfalls als “old school” belächelt.

Parallel zur Besinnung auf Benutzbarkeit, Schnelligkeit und Zugänglichkeit hat sich eine neue Spielwiese für den vor Kreativität und Innovationsdrang berstenden Medien-Gestalter aufgetan: Video wird dank Flash nun endlich interaktiv, bzw. Flash wird dank Video filmisch. Das ist zwar nicht ganz neu, aufgrund verbesserter Performance und höheren Bandbreiten hat die Kombination von Flashinteraktion und Videosequenzen erst in den letzten Monaten auch auf kommerziellen Websites Einzug gehalten: Adidas Y3 schickt Models auf den virtuellen Catwalk, auf der Seite von Mini Cooper kann man sich elegant durch verschiedene Videosequenzen klicken und der Musiker Billy Harvey verfolgt die Besucher seines Online-Zuhauses brabbelnd von Raum zu Raum. Angesichts solcher Beispiele ist man fast versucht das angestaubte M-Wort wieder in den Mund zu nehmen: Multimedia.

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Text: hillmann aus De:Bug 30

Design is not a noun, its a verb. Yo. VisuBiz. Brand Eins kontert den Visionsmarkt mit neuer Ausgabe und bahnbrechenden Feldtheorien zum Lebensmanagement: Wir, meint alle, werden zu Luxusschlampen degradiert, um uns ins Prada vs. Gucci-Raster einordnen zu können. Das Ganze funktioniert so: Das Leben besteht zuallerst aus Arbeit und Freizeit. Arbeit ist unprätentiös, Freizeit prätentiös. Prada ist tendenziell unprätentiös, da es Arbeit und Freizeit als Einheit sieht. Gucci dagegen prätentiös, da es Schuften und Koksen klar trennt. Alles klar? Also: Ich zum Beispiel bin aussen Prada und innen Gucci. Ich sehe immer gleich gut in meinem Prada-Freizeitlook aus, trenne jedoch Arbeit ganz klar von Freizeit, denn Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps. Mein Rechner ist aussen und innen Prada, er sieht immer gleich gut und mehrwertorientieret aus und ist nur zum Arbeiten da (Kannste Schubkarre schieben, kannste Arbeit kriegen). Design in den 70/80ern war aussen Gucci und innen Prada – Colani läuft da ausser Konkurrenz, der war einfach immer Scheisse. Heute ist Design Dank des erweiterten Verständnisses von Bauhaus und der Ulmer Schule Innen und Aussen Prada. (Ausser Phillip Stark, der ist aussen Gucci und innen Gucci, aber der darf das. Denn Koksen hat ja eigentlich auch keinen wirklichen Mehrwert.) Weiterhin heisst diese Theorie für unsere eCommerce-Freunde von boo.com, dass sie Aussen und Innen Colani sind, weil sie keine Mac-User mögen und Netscape-Browser verachten. Das finden wir gar nicht toll, denn Netscape User sind eine “Innen- und Aussen-Prada Zielgruppe” und die verfehlt man leicht, wenn man hauptsächlich Colani ist und sich wie Phillip Stark als Mehrwertvermeider anstellt. Die totale Vermeidung von Nutzungs-Mehrwert wird in dieser Zeit auch von anderen angewandt: Netzkünstler zum Beipiel und anderes verwandtes Pack, die denken, durch die Dokumentation von Netzkunst Inspirations-Mehrwerte zu kreieren. Aber da haben sie sich geschnitten. Denn Inspirieren ist was anderes als anwiedern. Und weiter auf die Fresse: Doof finden wir diesen Monat Tannengrün und animierte Weihnachtsmänner im Netz, das neue Sixt-Logo, dessen weltweite Implemetierung langsam abgeschlossen wurde, sowie den Wal-Mart-wir-lieben-euch-alle-Werbespot. Zurück zu den Roben: Frontline Klamotten-Mail-Order für Prada/Prada-, Prada/Gucci-, Gucci/Prada-, Gucci/Gucci-People hat es geschafft, seinen eigentlich ganz hübschen Print-Katalog unter http://www.frontline-net.de ins Netz zu bringen. Leider hat man das Ganze wohl selbst gelayoutet, d.h. man ist also aussen Colani, aber innen Prada. Schade, aber toll, denn bestellen geht toll und boo.com kriegt bestimmt von euch auf den Sack, denn der Markt ist hart. Trotz heftiger Dementi der Fiat-Pressestelle, sie würden mit dem Fiat Multipla nicht das hässlichste Auto der Welt bauen, bestehen wir auf unserer Meinung, das der Multipla Colani ist (Oder wie meine Schwester in jungen Jahren trotzig zu sagen pflegte: “wohl hässlich”!). Genau und Ende und Dank an Anne Phillipi für die theoretische Basis.

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Text: r.hillmann aus De:Bug 29

GENREÜBERSCHRIFT: DESIGNFRAGEN Adobe hired deutsche Imigranten: Adobe, us-amerikanischer Hersteller von unser aller liebster Grafiksoftware (u.a. Photoshop) liess sich von den Internet Startups des Jahres in SanFrancisco namens Method (www.method.com) zwei gnadenlose Produktinfo-Dhtml-Websites unter Zuhilfenahme von schweizerisch/deutschem Emigranten-Knowhow basteln. Bemerkenswert ist die Art, in welch drastischer Weise Adobe dabei Method auf eigener Website featured, was einen gern über den Produktionsetat spekulieren lässt. (JRH) http://www.adobe.com/ http://www.defytherules.com/ http://www.smashstatusquo.com/ Homöopathischer Selbstzweck: Aliens sind schreckhafte Tierchen und materialisieren sich grundsätzlich, wenn man nicht da ist. Die Suche nach Ihnen übernimmt jetzt eine praktische, an das Arecibo-Radioteleskop angeschlossene, Applikation , die eben immer an ist, wenn man nicht da ist. Seti@Home, liebster Bildschirmschoner aller parapsychologisch Gebeutelten, scannt unentwegt das All während des Meetings und zeigt die Ergebnisse hübsch gerendert an. Designers Darling galore mit eingebautem Posereffekt, denn “Jeder Teilnehmer hat dabei die winzig kleine, aber ungemein faszinierende Chance, daß gerade sein Computer das leise Murmeln einer Zivilisation jenseits der Erde aufspürt.” (JRH) http://setiathome.ssl.berkeley.edu/ Download: ftp://alien.ssl.berkeley.edu/pub/setiathome_mac_1_06.hqx ftp://alien.ssl.berkeley.edu/pub/setiathome_win_1_06.exe Design by Numbers Das MIT (Massachusetts Institute of Technology, aesthetics + computation group) denkt wie immer mit und versucht Grafikschlampen und Pixelschiebern per Java-Entwicklungsumgebung die Grundlagen der Programmierung beizubringen, was Generationen von Web-Programmieren aufatmen lassen wird. Eigenerfahrung lehrt hier ganz Sendungsbewusst, dass die Null-&-Eins vs. RGB Applikation ein wirklich neues Bewusstseinsspektrum schafft. Ausführlicher Test im nächsten Heft. (JRH) http://dbn.media.mit.edu/ Formschreck: Fiat entzückt uns weiterhin mit Automobilen Leckerbissen: ”Ein Blick genügt, um zu verstehen, daß Fiat mit dem Multipla eine neue Autokategorie ‘erfunden’ hat, eine neue Bauweise für ein Fahrzeug, das sich abhebt, das keine Vorgänger hat, sich den Trends eindeutig widersetzt.” Revolution der Aesthetik! Lasst uns die stereotypen Stilelemete der Autoindustrie überwinden und das hässlicheste Auto der Welt bauen! Bravissimo! (JRH) http://www.multiplafiat.com/ Bildschirmschoner: http://www.multiplafiat.com/ger/gadget/screens.htm Restart vs. Redesign Da wir alle zuwenig Visionen haben, dachte sich der Mainzer Verlag für Wirtschaftsmedien, es wäre doch toll, wenn es zwei Magazine geben würde, die eine totale Visionsinflation einleiten und setzte kurzerhand in beidersitigem Einvernehmen die bestehende Econy Redaktion vor die Tür. Da es vor der Tür mächtig kalt ist, trinkt man viel deutschen Korn und ergibt sich homeless einer Namenssuche, die erst morgens ihre volle Effizienz erreicht: Brand Eins heisst die Folgeerscheinung und restartet sich umgehend wieder ins bundesdeutsche Visiomining mit coolster Meiregrafik, während Econy mit hauptstädtischem Zeitungsknowhow internationalisiert und händeringend nach einem Redesign für die zweite Staffel sucht. Beiden viel Glück, denn wir sind gespannt. (JRH) http://www.brandeins.de http://www.econy.de

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