aus De:Bug 55

Grafik Design
Einige Jahre ist es erst her, dass der Apple Macintosh in die Hände der Kreativen fiel und ihre Arbeit gründlich umkrempelte. Seither sind die Fronten zwischen Pro und Contra digitaler Werkzeuge gänzlich verschwunden, stattdessen entwickeln sich verschiedene Stile und Praktiken, die computer-generated Design in eine entschieden andere Richtung stupsen. “Specials – New Graphics” zeigt das Beste, was sich derzeit auf diesem Planeten unter dem Label “Grafik Design” tummelt. Wie weit das führen kann, wenn man wild und fast respektlos Sprachen entwickelt, dokumentieren die Arbeiten der 50 internationalen Designer, die der Verlag Both-Clibborn sorgsam ausgewählt hat. Da sehen die üblichen Typographie- oder Design-Annuals blass aus, denn so unterschiedlich die Positionen auch sind, alle verbindet einen ausgeprägten Humor, die Liebe zum Detail und der schlaue Blick auf das, was über das Blatt Papier oder den Screen hinaus zu uns spricht und erzählt. Technologie ist hier ein “Personal Device”, so ganz handgemacht und über alle Formate hinaus eine “Surprisemachine”. Mit dabei sind u.a. Experimental Jetset (NL), Delaware (JP), Foundation 33 (UK), Lizzie Finn (UK), Elektro Smog (CH). Wieso eigentlich immer auf die Zukunft schauen, wenn das Jetzt schon so gut ist? [Anne Pascual]

Claire Catterall: Specials – New Graphics. Both-Clibborn Verlag 2001. 108,73 DM (32 englische Pfund)

O’Reillys Nussschale
Obwohl Webseiten bauen ja schon seit Jahren zum Familiensport Nummer Eins geworden ist, kann man nicht gerade behaupten, dass die Kenntnis über das, was dahinter steckt, gestiegen ist. Um das zu ändern, gibt es jetzt schon in der zweiten Auflage die beliebte “O’Reilly”-Nussschalen-Serie “Web Design in a Nutshell”. Das ist besser als alles, was es sonst zu diesem Thema gibt, denn es verschafft einen Überblick über HTML, Cascading Style Sheets, über die Bilderformate GIF, JPEG und PNG. Aber nicht nur diese Standards werden hier pixelgenau dokumentiert, nein, Multimediaformate wie Flash, Director, Audio/Video und SMIL (dem Multimedia-HTML). Damit aber nicht genug – auch JavaScript, Dynamisches HTML, XML, XHTML und natürlich WAP/WML haben ihren Auftritt. Und besondere Aufmerksamkeit verdienen die Seiten, bei denen Formularelemente, wie Buttons, Eingabefelder und Popups der einzelnen Browser (Netscape, Explorer, Opera) miteinander verglichen werden. Nein, nein, das ist nicht nur ein Buch für Anfänger, auch für diejenigen, die sich immer gerne mal wieder an die Stirn fassen und fragen, wie das denn nochmal war. Kaufzwang! [Marcus Hauer]

Jennifer Niederst: Web Design in a Nutshell. 2nd Edition. O’Reilly Verlag 2001. 640 S. für 65 DM

Zines
Zines sind im allgemeinen als Diplomthema bei Designern sehr beliebt, vielleicht ist deshalb die breite Masse der Off-Zeitungsformate zwischen Fanzines, Copyshopkunst und alternativer Protestschrift kaum zu erfassen, aber erst recht nicht zu verstehen. Um genau diese Lücke zu schließen, wirft der Booth-Clibborn Verlag aus London mit der Herausgeberin Liz Farrelly ein Buch auf den Markt, das zumindest im Printbereich einen kleinen, leider etwas zu sehr künstlerischen Bereich abdeckt. Doch zumindest ist es gespickt mit historischem Material aus diesem Gebiet der Nachtarbeit, auch wenn hier für das Netz und auf der etablierten Zine-Schiene (gerade im Modebereich) noch einiges zu nennen wäre. Aber mit einem lustigen Einführungsbereich, der jedes Zine nochmal mit einem Formatbildchen versieht, kann man sich auch wieder leicht versöhnen und findet es alles in allem doch ganz prima, das Buch. [Marcus Hauer]

Liz Farrelly: Zines. Booth-Clibborn Verlag 2001. 265 S. 93,45 DM (£27,50)

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Text: marcus hauer aus De:Bug 54

BILDERSPIELE
Für die visuelle Geschichte des Videogame-Zeitalters brachte Van Burnham, man kennt sie vielleicht noch aus “Wired”, eine exklusive Schar an Schreibern zusammen – u.a. Steven Johnson (Feed Magazine), Carl Steedman (Suck) oder Keita Iida (Atari Gaming Headquarters). Beeindruckend schillernde Bilder mit polierten Pixeln erinnern einen jedoch gleich daran, dass Pixelkultur älter ist als alle Stars der Pixelszene zusammen. So oder so ähnlich. Beginnend mit “Tennis For Two”, dem ersten Videospiel und einem Vorbild für das immer noch moderne “Pong”, trägt man uns hier von vorn bis hinten durch eine spannende und irritierende Geschichte voller Fragen. Wo ist nur “Atari” geblieben? Warum sah ein “ZX Spectrum” besser aus als jeder Design-PC heutiger Tage? Oder könnt ihr euch noch an “Game & Watch” von “Nintendo” erinnern? Da kann einem schon mal warm ums Herz werden, wenn man dann wieder aktuelle pseudorealistische Shooter oder Adventures sieht und der Minimalismus von damals alles wegbläst, was einem heilig war. Definitiv eines der gelungensten Bücher zu diesem Thema! Leider auch etwas teuer.

Van Burnham: Supercade. a visual History of the Videogame Age 1971-1984. MIT Press 2001. 113,27 DM (57,92 ?)
Links: mitpress.mit.edu / http://www.supercade.com

BILDERBÜCHER
Die letzten Wochen ist eine Vorhut an Büchern erschienen, die schon mal gut als Winterabend-Übersteher taugen – zumindest dann, wenn mal wieder Bilder gucken angesagt ist. Dafür zuständig ist natürlich der Berliner “Die Gestalten” Verlag. Ganz vorn liegt das Buch vom Schweizer “Büro Destruct”, bzw. dessen Illustrator “Lopetz” “Narita Inspected” herausgegeben hat. Er versammelt die Hoffnungsträger und Innovatoren der japanischen Grafikdesignszene, mit dabei unter anderem “kano”, der außerdem auf seiner Website “zetuei.com” eine Menge Fonts zum Download anbietet. Von der Designergruppe “Rinzen”, die mittlerweile auch hier bekannt sein dürfte, kommt “RMX”. Ein Buch, das mit “Designers Republic”, “Futurefarmers”, “Eboy” und “Volume One” zwar Stars versammelt, aber auch viele unbekannte und ungesehene Illustratoren bzw. Grafiker präsentiert. Jede Menge bunte Wesen gibt es in “Pictoplasma” anzuschauen. Das gleichnamige Berliner Projekt hat sich die lohnende Mühe gemacht die Welt des Charakter-Designs zu archivieren und in diesem Buch vorzustellen. Ihr werdet euch sicher auf Anhieb in eines der niedlichen Wesen verlieben! Es spielen unter anderem mit: “Furi-Furi”, “Quickhoney”und “Flipflopflyin”. Außerdem gibt’s noch das Buch “My Way” von der Wochenendkünstlergruppe “Silex”, die mit ihrem Style noch einiges an CD-Covern beeinflussen werden. Viel Stoff!

Büro Destruct/Lopetz: Narita Inspected. 69 DM
Rinzen: RMX. 79 DM
Silex: My Way. 59 DM
Peter Thaler: Pictoplasma. 79 DM
Alle Die Gestalten Verlag 2001
Link: http://www.die-gestalten.de/verlag

BILDERBAUEN
Bücher über den Quasi-Webstandard “Flash” haben es schwer. Entweder sind so einfach gehalten, das man sie eigentlich überhaupt nicht gebrauchen kann oder sie sind ein Kopie des Handbuchs von “Macromedia”, dass es zum kostenlosen Download auf deren Website gibt. Was macht man dann als schlauer Verlag? Man fragt einfach die vermeintlichen Könner und sagt ihnen: Macht ein Buch über Flash, aber bitte mit Insiderwissen. Soweit so gut , das ist Todd Purgason und Phill Scott von “Juxt Interactive” auch gelungen. Anhand von eigenen Projekten erklären sie dem interessierten Leser die Feinheiten von Flash in allen Möglichkeiten. Zwischendrin gibt’s immer ein Interview mit den gutgelaunten Animateuren der Szene. Da wären zum Beispiel Joshua Davis (logisch), Matt Owens (auch logisch) und Hillmann Curtis. Alles in allem ein rundes Buch für diejenigen, die Standardwerke zu informatisch sind und Einblicke in Agenturdenken haben wollen. Handwerk eben!

Todd Purgason, Phill Scott: Flash Deconstruction. 117,07 DM (59,86 ?)
Link: http://www.juxtinteractive.com/deconstruction

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