Die durch die wirtschaftlich schwierige Lage verursachte Auftragsflaute nutzt die Designwelt für einen kollektiven Neustart - oder sollte es zumindest. Nachdenken über den Flow auf allen Ebenen. Immerhin gab es für 1 000 Euro Teilnahmegebühr Bruce Sterling und Joshua Davis von der PrayStation zu sehen. Ob das für einen neuen Flow reichte? Nein, meint Marcus Hauer.
Text: Marcus Hauer aus De:Bug 67

Tja, der Flow
Design Gathering bei Doors of Perception

Sollte man sich irgendwann einmal an 2002 erinnern wollen – was man ja höchstwahrscheinlich nicht will, weil ja die kollabierende Wirtschaftswelt den Impact auf uns und mit uns nicht länger von uns und um uns herum biegen konnte – dann wohl einzig und allein deshalb, weil es das Jahr nach 2001 ist und 2001 ein ziemlich aufregendes war. Objektiv gesehen. Gerade in dieser ökonomisch motivierten Abfahrt besinnt man sich wieder auf Design. Bzw. die Designer haben wieder Zeit sich zu besinnen.

Da passte das globale Design-Gathering “Doors of Perception” in Amsterdam mit seinem Thema “Flow” perfekt als Jahresabschluss in dieses Nichtjahr. Untertitel: The Design Challenge Of Pervasive Computing. Zum siebten Mal hatte Mister John Thackara (so was wie der CEO von Doors) seine Freunde eingeladen, um dem gelangweilten Businessvolk der Gestalter zu erzählen, wie sie wieder den Flow in ihre Design-Unit bekommen. Bei einem Eintrittspreis von 1000 Euro könnte der ein oder andere dem subversiven Gedanken verfallen sein, dass ihm die Vorträge im hauseigenen Mikrochipcenter eingebrannt werden und sich so die Zeit für Socializing nutzen lässt. Offenbar ist den Organisatoren aber unsere Welt so sehr von Wireless-LAN, Bluetooth, GSM, GPRS usw. durchdrungen, dass man sich nicht in der Lage sah, den Besuchern den nötigen Kommunikationszugang (kein Internet) zu bieten, um so – laut Pressechefin – den Flow der Konferenz einzig und allein auf die Vorträge zu konzentrieren.

Also konzentrierten wir uns. Zwischen den etwas merkwürdig verblendeten Positivisten aus Boston (MIT und angrenzendes), den Ubicomp (Ubiquitous Computing) Jüngern und den Meta Architekten aus Holland blitzten immer wieder kleine Fünkchen auf der Bühne. Eines davon war Bruce Sterling, der über Ivan Ubiquovich sprach. Eine Kurzgeschichte, welche die paranoide Zukunft der Welt genau vorzeichnet, um dann am Ende doch die schwangere Frau nicht als die vom MDA erkannte Selbstmordattentäterin zu identifizieren und sie vor dem sicheren Tod durch Pulverisieren zu retten. Da konnten alle durchatmen und sich wieder mit so uninteressanten Themen wie der Website von “Kaliber 10000” beschäftigen, um im Anschluss daran über Dashboards zu diskutieren. Den “Open Doors Grand Prix” zum Thema Pervasive Computing durfte dann auch gerechterweise Joshua Davis (aka PrayStation) mit einer fernsehreifen Perfomance eröffnen, den es allerdings nach eigener Aussage ein wenig nervte, dass er als Entertainer zwischen all den Professoren eingeladen war. Um so schwieriger war dann auch die Kommunikation zwischen Zuhörern und Vortragenden, wurde doch die Frageminute nicht ins Publikum gegeben, sondern immer vom Mastermind Thackara genau in die Richtung forciert, die er für richtig hielt. Der Flow ist eben eine schwierige Sache.

Hatten wir auch die letzten Jahre schon einige Zweifel an dem Happening gehabt, so konnten diese immer wieder federleicht durch die Party am letzten Abend abgefangen werden. Die gab es dieses Jahr auf Grund der schwierigen monetären Situation von Doors nicht. Aber vielleicht ist ja auch die ganze Mannschaft zu antiquiert, zu routiniert, einfach nicht mehr nah genug an dem Business, in dem sie gern wären. Zu viele Themen wurden weggelassen, passten wohl nicht in den Kontext, zu vieles wurde nicht bedacht und manches einfach übersehen. Irgendwie blieben die Türen dieses Jahr geschlossen.

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Elektronische Lebensaspekte.