Das Berliner Designlabel Re-Store formt ausrangierte Materialien zu minimalistischen Möbeln um. Die Designer Vaike Fuchs und Stefan Wecker arbeiten seit anderthalb Jahren an ihrer eigenen Idee von Möbeln, Interioraccessoires und Raumkonzepten. Auf dem Designmai präsentieren sie ihre Arbeiten.
Text: Moritz Sauer aus De:Bug 71

Objektorientiertes Material-Sampling

Ob ausrangierte Lackmusterplatten oder ausgediente Stadionsitzschalen, Vaike Fuchs und Stefan Wecker formen gebrauchte Materialien um und integrieren sie in ihre Kollektionen. Dabei achten die beiden gelernten Restauratoren bei ihren Objekten vor allem auf Funktionalität und ein Höchstmaß an Minimal-Ästhetik. Zwar entstanden bei ihrer vorherigen Tätigkeit, der Restaurierung von Stein und Stuck, immer wieder neue Anforderungen an ihr handwerkliches Können, doch auf die Dauer engten gewohnte Vorgaben und stetig wiederkehrende Muster die beiden zu sehr ein. Der Schritt in die Selbstständigkeit war also nur eine Frage der Zeit, dem das rege Interesse aus dem Freundeskreis an den entworfenen Objekten sehr förderlich war.

Form und Function
Die Grundidee, die ihren Möbeln zugrunde liegt, ist “die Wiederverwendung, Umfunktionierung und Neuformung nutzloser Materialien und Ausschusswaren”. Trotzdem wird nicht alles recycled, was den beiden gerade vor die Füße fällt, sondern es wird vielmehr entsprechend einer bereits vorhandenen Vorstellung Passendes gesucht. Vor allem wehrt sich Stefan vehement gegen “Recycling” als Selbstzweck. Natürlich sollen ihre “essentiellen” Möbel dem Raum einen speziellen Touch geben. Trotzdem wünscht er sich die Gleichberechtigung gegenüber Ikea und Konsorten. Wichtig ist nicht, dass die Kunden das Ausgangsmaterial des Produktes wieder erkennen, sondern dass sie dem Einrichtungsgegenstand einen funktionalen Aspekt in ihrem Eigenheim zuweisen. Schließlich schaffen sie keine individuellen Kunstobjekte, die frei von Funktionalität den Raum schmücken.

Produktion und Marktforschung
Bevor jedoch Serienprodukte wie die Cubes, ein mobiles Regal- und Aufbewahrungssystem, das in verschiedenen Größen erhältlich ist und vielfältig mit unterschiedlichen Features wie Sitzkissen, Wand- und Deckenaufhängungen oder Beleuchtung kombiniert werden kann, entstehen, werden erst einmal die Prototypen getestet. Diese werden sowohl in den eigenen Privaträumen und der Werkstatt als auch im täglich geöffneten “Showroom” präsentiert. Hier erhält man einen Einblick in das Repertoire von Re-Store und hinterlässt womöglich auch einmal einen dunklen Raum, wenn man Stefan und Vaike die letzte Lampe einer Vorserie abkauft. Verwundert stellt das Duo dabei immer wieder fest, dass sie im Vorhinein keine absolute Aussage treffen können, was sich gut und was sich schlecht verkaufen wird. Soll ein erfolgreiches Möbelstück oder Accessoire noch ein weiteres Mal produziert werden, hängt dies oft von der Verfügbarkeit der Materialien ab. So kann es geschehen, dass selbst gewinnbringende Kollektionen nur aus kleinen Stückzahlen bestehen.

Berliner Minimalismus
So wie die Berliner Musikszene in den letzten Jahren langsam und unaufhaltsam ihre Botschaft von Minimal-Elektronik verbreitet und sich immer wieder selbst befruchtet hat, schwingt der Berliner Minimalismus auch in den “essentiellen” Möbeln von Re-Store mit. “Vielleicht ist das ein Versuch, dem hektischen Alltag einen Gegenpol zu setzen.”, vermutet Stefan, der gemeinsam mit Vaike gerne seine Räume mit der Musik eines Jan Jelinek oder Christian Kleine beschallt. Die Ruhe, Eleganz und Besonnenheit solcher Releases strahlen auch ihre schnörkellosen Lampen, Regale und Sitzgelegenheiten aus, die mit ihrer wohldurchdachten grafischen und linearen Struktur den Raum unterteilen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.