Analoges Mastering in die digitale Welt zu portieren, ist seit Anbeginn der Klangbearbeitung auf dem Rechner ein erklärtes Ziel vieler Softwarefirmen. IK Multimedia kommt jetzt mit dem T-Racks 24 2.0, der die wichtigsten analogen Masteringeffekte wie EQ, Kompressor und Limiter in einem Stand Alone für Mac und PC mit naturidentischer Oberfläche verbindet. 32-Bit Processing gibt es inklusive. Benjamin Weiss hat laut gemacht.
Text: benjamin weiss | nerk@de-bug.de aus De:Bug 52

|musiktechnik

Schreibtisch Mastering
T-Racks 24 Mastering Software

Übersicht
Unterstützt werden die wichtigsten Dateiformate. So akzeptiert die Macintosh-Version AIFF und SDII bei 16 oder 24 Bit und 44,1 kHz. Die Windowsversion freut sich über WAV und AIFF bei gleicher Auflösung. Beim Starten des Programms wird der Bildschirm zunächst angenehm schwarz geflutet, dann erscheinen die drei Geräte, die allesamt über Kippschalter für Bypass und Off/On verfügen und mit einem Reset All Button aufwarten, der alle Regler und Werte in die Normalstellung bringt. Als visuelles Schmankerl gibts noch fünf Röhren, die entsprechend der Benutzung mehr oder weniger am Glimmen sind. Auffallend ist, dass T-Racks keine grafische Wellenformdarstellung besitzt; hier muss man sich voll auf die eigenen Ohren verlassen. Damit das Manövrieren nicht allzu unkomfortabel läuft, lassen sich aber Marker setzen, zwischen denen man jederzeit wechseln kann.

EQ
Der EQ bietet vier Bänder plus ein variables LowCut (24 dB/Oktave, 16 Hz bis 5,3 kHz) und ein variables HiCut Filter (24dB/Oktave, 200 Hz bis 19,2 kHz). Die vier Bänder können jeweils separat in einer Bandbreite von +/- 15 dB verstärkt oder abgeschwächt werden, wofür jedes Band einen eigenen Drehregler besitzt. Über Drehregler lässt sich auch die genaue Frequenz der einzelnen Bänder definieren. Bass- und Höhenbänder sind in Kuhschwanz Charakteristik ausgelegt, die beiden Mittenbänder haben zwei festgelegte Preset-Einstellungen für die Güte (Hi Q / Low Q).

Röhrenkompressor / Leveller
Auch der Kompressor kommt sehr analog daher, will sagen, er verfügt nicht über einen Threshold Regler, sondern einen Input Drive, mit dem sich das Signal auch analogartig verzerren lässt. Dazu kommen Drehregler für Attack (12 bis 83 Millisekunden) und Release (30 Millisekunden bis 1,4 Sekunden), sowie als Bonus einen Stereo Enhancer, mit dem sich das Stereobild verbreitern oder verkleinern lässt.

Limiter
Der Limiter bietet zunächst nur die Parameter Release (60 Millisekunden bis 1,6 Sekunden), Overload und Input Drive (als Drehregler) an. Per Texteditor (hört sich nach Steinzeit an, ist es auch!) können zusätzlich noch die Trennfrequenzen der drei Bänder und ihre Zeitkonstanten geändert werden, Einstellungen, die sich zwar eher an professionelle Anwender richten, aber eigentlich auch programmintern hätten abgehandelt werden können.

Nachdem das Signal nun alle Stationen durchlaufen hat (wobei die Reihenfolge immer der oben beschriebenen entspricht, nur EQ und Kompressor können in der Reihenfolge getauscht werden) kann man in einer dreistelligen LED Anzeige grob ablesen, ob es verzerrt, per Drehregler noch nachsättigen und Level und Output regeln, sowie die Balance steuern und per Button die Monokompatibilität (nur akustisch, ein echtes Manko) sowie das Differenzsignal überprüfen. Zur präziseren Aussteuerung ist noch ein Levelmeter abrufbar, dessen Auflösung verzehnfacht werden kann, um auch die kleinsten gemeinen Pegelspitzen zu eleminieren, wobei auch die aktivierbare Hold Funktion hilft.

Bedienung, Performance & Sound
Die Bedienung ist vor allem für diejenigen einfach, die ansonsten in der Hardwarewelt zuhause sind und sich mit klassischen, analogen Mastertools auskennen; mit ein wenig Ausprobieren der Presets und aufmerksamem Hören erschließt sie sich aber auch schnell allen Laien. Die Anzahl der Parameter und ihre Editierung über einen Texteditor (bei spezielleren Einstellungen, siehe oben) ist aber nicht gerade State-Of-The-Art. Die Performance ist allerdings sehr gut, denn auch auf älteren Systemen und Rechnern (welche aktuelle Audiosoftware läuft sonst auf MacOS 7.5.3?) sind die Anforderungen erstaunlich gering, ohne dass die Klangqualität leidet. Die ist sowieso sehr gut und klingt so “analog”, wie das auf einem Computer eben geht.

Insgesamt ist T-Racks ein solides Masteringtool mit sehr guter Soundqualität, das sich auf die grundlegendendsten Funktionen beschränkt. Die bisher fehlende PlugIn Unterstützung wird aller Vorraussicht nach gegen Ende Oktober per Update nachgeliefert, wenn T-Racks auch als VST PlugIn erscheinen soll. Wen die teils sehr spartanischen Editiermöglichkeiten nicht stören, der wird auf jeden Fall von der guten Soundqualität überzeugt; der Preis ist mit knapp 450 Mark ok.

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Elektronische Lebensaspekte.