Text: Jörg Fischer aus De:Bug 64

Destillat

Also, Destillation ist ein Verfahren. Und zwar zur Trennung oder Reinigung von Flüssigkeiten. Durch Erhitzung entsteht dann erst mal jede Menge Dampf. Wenn sich die erste Aufregung gelegt hat, entsteht aus dem Dampf wieder eine klare Flüssigkeit. Das Destillat. Vielleicht ist es sogar ein kleines bisschen blau… Azur blau. Oh, oh, dass klingt ja fast nach Himmel, Meer und Urlaub. Aber halt! An dieser Stelle haben wir es erst mal mit zwei jungen Herren aus Hessen zu tun, – Michael Laven (24) und Alexander Kirpacz (25) – die gerade mit ihrer “Azur” E.P. auf Klangelektronik debütierten.
Beide arbeiten als Toningenieure, die während der Ausbildung aufeinander trafen und beschlossen, gemeinsam zu musizieren. Das ist jetzt zwei Jahre her und klingt erst mal nach einer klassischen Band-Biographie.
Und während der eine in Mainz sein Geld verdient und der andere an der Frankfurter Oper, denken beide sicher schon an ihr gemeinsames Studio in der Stadt, aus der die berühmten Männchen kommen (die zwischen den Werbeblöcken beim ZDF). Dort wird produziert.
Die drei Stücke auf “Azur” klingen auch irgendwie destilliert. Vielleicht waren da ja mal unzählige Spuren mit unzähligen Bässen und Pauken und Trompeten (aus der Frankfurter Oper?). Wenn dem so war, wurden sie aber gnadenlos in die Datentonne getreten.
Da gibt es eigentlich kein Zuviel von irgendwas. Eher so, als hätten die beiden ihre Lieblingsklänge, Beats und (manchmal Knarz-)Bass und ein paar Detroitige Elektrogeräusche übriggelassen. Die dafür aber ordentlich! Von minimal kann deshalb nicht die Rede sein. Von der ewigen Wiederkehr des Gleichen schon gar nicht, denn die Dramaturgie lässt solche Schlüsse einfach nicht zu.
Das Ganze enthüllt sich in kristallisch klarem Sound-Destillat, wie es sich für gute Toningenieure geziemt. Distanziert und kühl, also azurblau. Und zum Tanzen sind die Stücke allemal! Da ist es doch nun wirklich kein Wunder, dass die Labelbetreiber von Klangelektronik hoch erfreut waren.
Der Kontakt zu Jörn, Roman, Heiko und Ata kam im Delirium zustande! A-ha. Ob und in weit hier auch von Bewusstseinstörungen die Rede ist, kann keiner sagen. Schließlich können ja auch Frankfurter Plattenläden gelegentlich diesen Namen tragen. Und wenn man seinen Lieblingskunden dann Plattenverträge anbietet, weil die auch noch schöne Musik machen, klingt das fast wie: Support your local Elektromusikfreunde.
Auch auf der anderen Seite scheint man glücklich zu sein. Auf die Frage ”Warum gerade auf Klangelektronik” antwortet Alexander: ”Nun, wir sind der Ansicht, dass Klangelektronik/Playhouse/Ongaku seit Bestehen ein qualitativ hochwertiges Level besitzt und wir denken, dass wir dort sehr gut aufgehoben sind.” Yes. In stillen Momenten wird da auch schon mal über ein Album nachgedacht; aber immer langsam…. Und wenn man auf “Super-G” (der A-Seite von “Azur”) den leisen Zwischentönen lauscht, dann hört man sie doch: die Möwen! Und dann ist sie irgendwie da, die Assoziation vom blauen Himmel, vom Meer, von Sonne…..

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.