He, Männer mit angeklebten Vollbärten stehen nun mal auf Frauen mit beuligen Ärschen, was ist falsch daran? Paris the Black Fu aka Detroit Grand Pubahs kann da genauso wenig ein Problem sehen wie bei der Kombination aus Entertainer, Electro und dem falschen Witz im richtigen Moment. Das hat bei "Sandwiches", dem Hit von 2000, bestens funktioniert - und wird es auch jetzt mit dem neuen Album "Galactic Ass Creatures from Uranos".
Text: Pat Kalt aus De:Bug 82

Je mehr Pfeffer, desto deffer

Wer, bitte, wusste damals etwa nicht, dass die es tun wollten? Und wollten wir es denn nicht auch alle tun? Die als Brot, wir als Butter? Und fertig waren die Sandwiches … Mittlerweile ist es schon ein paar Jahre her, seit dieser Song der Combo Detroit Grand Pubahs 2000 einen weltweiten Siegeszug durch sämtliche Clubs feierte. Lange Zeit war es still um die multiplen Persönlichkeiten des Frontmannes Paris the Black Fu, der mit seinen durch einen Vocoder hoch gepitchten Vocals, immer neuen Maskeraden, Verkleidungen und Striptease-Einlagen während seiner Bühnenshows für ein neues Level an Live-Perfomance sorgte. In der Zwischenzeit trennte sich Paris von seinem Partner Andy Toth, wechselte das Label, heiratete und zog von Detroit nach Genf. Jetzt meldet er sich eindrucksvoll mit seinem Album ”Galactic Ass Creatures from Uranos” zurück, das er im April mit mehreren Live-Shows präsentierte. In Berlin spielte der selbst ernannte Liebhaber der ”lower half of women” im Maria und schaffte es immerhin in der zweiten Hälfte seines Sets, ein wenig Stimmung und Groove aus dem notorisch müden und unerotischen Club zu kitzeln. ”Funk is back is booty is sexy”, kann man da nur sagen.

DeBug:
Ein Blick auf das Cover und den Titel deines neuen Albums ”Galactic Ass Creatures from Uranos” wirft einige Fragen auf, oder nicht?

Paris the Black Fu:
Die ursprüngliche Idee der Covergestaltung stammt von mir. Ich war schon immer sehr inspiriert von diesen lustigen B-Movies mit Außerirdischen und Monstern, so Zeug wie “Mars Attacks”. In “Uranos” steckt ja auch diese Anspielung auf “your anus”. Das finde ich ganz lustig, denn ich stelle mir den Unterleib einer Frau oft auch als Monster vor (lacht). Viele Leute kritisieren mich ja dafür, weil ich den weiblichen Unterleib immer wieder in meinen Songs thematisiere. Sollen sie doch – ich singe gerne von meiner Liebe zu Frauenhintern …

DeBug:
Das neue Album präsentiert mit seinen 16 Tracks ein wahres Spektrum an Funk, Electro, Downbeat und Techno. All das kräftig gewürzt mit Witz und Sex. Wie kam es zu dieser Auswahl?

Paris the Black Fu:
Das Album ist vergleichbar mit einer Filmmusik, sozusagen die Filmmusik meines verrückten Kopfes. Ich finde, die Musik auf einem Album sollte eine Geschichte erzählen wie die Musik im Kino und nicht einen bestimmten Sound oder Style von Anfang bis Ende. Ich möchte mit meiner Musik nicht in eine bestimmte Schublade gesteckt werden, sondern vielseitig bleiben.

DeBug:
Wie schwierig ist es, nach einem weltweiten Clubhit wie “Sandwiches” neue Dancefloortracks zu schreiben? Wie präsent ist dieser Hit noch im Hintergrund, beispielweise bei der neuen Single “Big Onion”, die ja ebenfalls mit dieser unverkennbar hoch gepitchten Stimme arbeitet?

Paris the Black Fu:
“Big Onion” entstand ja schon vor Jahren kurz nach “Sandwiches”. Aus Labelgründen wurde dieser Song leider nicht früher veröffentlicht, obwohl wir das damals ganz lustig fanden, direkt im Anschluss etwas Ähnliches zu veröffentlichen. Aber für mich sind meine Songs wie eigene Kinder und die vergleiche ich ja auch nicht einfach so. Man sollte nicht immer so viele Erwartungen an die Songs haben – lass die Musik für sich alleine sprechen … Ich wurde ja irgendwann auch total müde von diesem “Sandwiches”-Kind, das ich immer und immer wieder hören musste. Da habe ich eines Tages gesagt: “Geh auf dein Zimmer und bleib dort!” Mittlerweile kann ich es schon wieder hören, und es gefällt mir immer noch.

DeBug:
Seit dem ersten Album “Funk All Y’All”, das 2001 bei Jive erschienen ist, sind über drei Jahre vergangen. Ein Jahr später hat dich das Label gedroppt. Warum?

Paris the Black Fu:
Oh Mann, wenn du wüsstest, wieviel Politik da im stillen Kämmerlein betrieben wird … Und ich wusste damals auch nicht Bescheid. Da unterschreibst du ein Stück Papier, und das Stück Papier bindet dich dann an dieses Label. Und die Typen dort können nun entscheiden, was rauskommt und was nicht. Die Musik, die damals unter Vertrag bei Jive enstand, konnte ich nicht veröffentlichen. Ich konnte die Sachen ja nicht einmal jemand anders schicken, da ich unter Vertrag stand. Das Label war einfach zu groß für mich und zu wenig elektronisch. Die verstehen einfach nichts von Underground-Music. Irgendwie war das alles nur ein Traum, der dann zum Alptraum wurde. Auch wenn ich viel daraus gelernt habe, heute würde ich das definitiv anders machen.

DeBug:
Wie kam es zum Wechsel zu Pokerflat?

Paris the Black Fu:
Ich habe eine Remix-Anfrage für das Märtini-Brös-Stück “Hot” bekommen, und als ich den Remix zurückschickte, habe ich neue, eigene Songs beigelegt. Das hat denen wohl ganz gut gefallen. Die Leute von Pokerflat sind cool. Die lassen mich das tun, was ich tun möchte, was in meinem Kopf ist.

DeBug:
Du bist seit kurzem verheiratet und von Detroit nach Genf gezogen. Welchen Einfluss haben diese Veränderungen in deinem Leben auf deinen musikalischen Output?

Paris the Black Fu:
Riesige Veränderungen, auf jeden Fall … Ich würde sagen, da ist ein so riesiges Feld in Detroit, das dich beeinflusst und prägt, trotzt der Härte und der Depression, die diese Stadt in sich trägt. In Genf herrscht natürlich ein ganz anderes Feld, so dass ich mich im Augenblick musikalisch schon etwas entwurzelt fühle. Ich kann zurzeit auch nicht schreiben. Ich bin glücklich und traurig zugleich. Frisch verheiratet und dann aber getrennt von meiner Familie. Es ist schwierig, in so einer Phase sein kreatives Output beim Produzieren hoch zu halten … Performen und live spielen hingegen fällt mir nicht so schwer.

DeBug:
Deine Art und Weise der Performance ist ja ein wichtiger Faktor bei einem Detroit-Grand-Pubahs-Auftritt, die sich deutlich von den üblichen Electro-Techno-Live-Acts unterscheidet …

Paris the Black Fu:
Danke, dass du das auch so siehst. Es gibt ja Leute, die das überhaupt nicht verstehen und auf die Bühne brüllen: “Halt’s Maul. Wir wollen mehr Musik!” Da kann ich nur sagen: “Kommt gleich, Jackass! Geh zur Bar und hol mir einen Whisky. Und hol dir gleich auch einen!” Schau, ich steh so oft vor so vielen Leuten und bekomme ihre Stimmung mit, und dann sage ich mir: “Die Leute müssen sich an dich erinnern, egal ob im Positiven oder im Negativen …” Ich versteh DJs und Live-Acts nicht, die ihre Musik nur einfach so präsentieren, ohne zu tanzen, ohne zu arbeiten, ohne zu leiden, ohne Schweiß und Freude. Mann, wenn ich fertig bin mit meinem Auftritt, will ich das Gefühl haben, mein Geld auch wirklich verdient zu haben.

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Elektronische Lebensaspekte.