Ernährungsberater schillert den Techno
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 114


Seit den Tagen von Transmat, also seitdem Techno aus dem Motor-City-Ei geschlüpft ist, lag in der Musik immer auch der Hang zur Tragik, zur epischen Verdichtung und zum Drama. Von Derrick Mays Rhytim Is Rhythim über Kenny Larkin bis zu Underground Resistance oder Carl Craig, sie alle sind wahre Meister darin, Streicher, Pads und Synthiesequenzen über crispen Beats zu elegischen Techno-Ouvertüren aufzuschichten.

Bram Sluiters kommt aus dem holländischen Utrecht und neben seinem Job als Ernährungsberater im städtischen Krankenhaus hat er sich seit knapp fünf Jahren ganz dem Studium der oben erwähnten Detroit-Gründerväter verschrieben. Deeper, schillernder Techno, der im Zweifelsfall immer die nächste melodische Abzweigung nimmt, anstatt sich dem knalligen Rhythmus der Drummaschinen und dem Quengeln der Sequenzen hinzugeben.

Vor knapp vier Jahren gab er eine CD mit ersten eigenen Tracks einem Freund, der ein paar Tage später die Gelegenheit hatte, sie Mike Grant, dem Betreiber des Detroiter Label-Konglomerats End To End, Moods And Grooves und Afroyntrix in die Hand zu drücken. Zwei Wochen später bekam Bram einen Anruf von Mike Grant, der ihm sichtlich beeindruckt anbot, einige Maxis und ein Album auf End To End zu veröffentlichen. Da war Bram 22 und seine Produzenten-Laufbahn war noch genauso grün hinter den Ohren wie er selber.

Natürlich sagte Bram zu. Seine ersten musikalischen Emissionen hatten ihn direkt ins Herz von Techno geführt. Nach dem Anruf passierte dann aber lange gar nichts. Es gab Schwierigkeiten in Detroit. Probleme mit den Vertrieben, mit der Infrastruktur. Mike Grant versuchte Bram, in der Hoffnung, dass es mit End To End bald wieder weitergehen könne, eine ganze Weile zu vertrösten und hinzuhalten, aber als Bram am Queensday, dem holländischen Nationalfeiertag, auf der Rush-Hour-Party in Amsterdam Marsel von Delsin kennen lernte, waren die Weichen für ein Ende der Warterei gestellt.

Marsel war ähnlich begeistert wie Mike Grant und einige Monate später erblickte ”No More Drama“, Brams erste EP, das Licht der Welt. Damals noch unter dem Namen Quinn, den er aber kurz darauf in Quince ändern musste, nachdem ein amerikanischer ”Gothic-meets-Enigma-Produzent“ gleichen Namens, der den Namen in den USA hatte schützen lassen, drohte, Bram zu verklagen.

Mit seinem Debütalbum ”Envi.sion“ ist jetzt ein weiterer Höhepunkt in Brams Blitzkarriere dazugekommen.
http://www.delsin.org

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Elektronische Lebensaspekte.