Matthias Penzel über das Auto als Objekt der Begierde, Kultur und Metaphysik
Text: Ji-Hun Kim aus De:Bug 149

Das Buch des früheren Chefredakteurs des F1 Racing Magazins aus London und Jörg-Fauser-Biografen Matthias Penzel ist vielleicht das erste wahrhaftige Buch über Autos in deutscher Sprache überhaupt. Denn im Gegensatz zu anderen Ländern wie den USA, Italien oder Großbritannien sind Automobile hierzulande seit jeher Vernunftobjekte gewesen, Beweisstücke hiesiger Ingenieurskunst.

Wo in UK TV-Serien wie Top Gear (mittlerweile auch in schlimmer 1:1-Übersetzung für die USA gestartet) Autos als Objekte der Begierde, Kultur und Metaphysik verstehen, justiert in Deutschland Peter Stützer noch immer nüchtern gemeinsam mit dem TÜV Lichtanlagen und Erste-Hilfe-Kästen. Die Auto-Biografie ist eine populärwissenschaftliche Kulturgeschichte des Autos.

Tour de Force und Roadmovie
Es beschreibt die Anfangstage, so wie die gesellschaftlichen Implikationen, die das petrolbetriebene Gefährt auf vier Rädern auf die Welt hatte. Da gehört der Rock‘n‘Roll der 50er genauso dazu, wie der Ursprung des Rennsports, wo zunächst Frauen das Sagen hatten, was die wenigsten heute wissen dürften.

Reichhaltig illustriert und mit wilder Fontmischung vollzieht Penzel eine Tour de Force und zugleich einen geschmeidigen Roadmovie mit hintergründigen Erläuterungen zum Design, zum Pop, zum Sex, zur Technologie und Fortschritt des Autos. Nie zu ernst oder zu sachlich, dafür eine Welt aufzeichnend und vor inspirierenden Infos nur so strotzend. Ein sehr tolles Buch, auch und gerade für die, die mit Autos eigentlich nichts anfangen können oder wollen.

Matthias Penzel
Objekte im Rückspiegel sind oft näher als man denkt: Die Auto-Biografie
Orange Press
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Musikredaktion

3 Responses

  1. Peter Stützer

    Hört doch endlich mal auf mit dem Geseiere über Top Gear. Natürlich ist das ein cooles Format und die Jungs sind weltklasse. Aber deshalb müßt ihr uns doch nicht immer wieder für blöd verkaufen, nur weil wir es anders machen. Wenn diese Art Auto-Unterhaltung hier erfolgreich laufen würde, glaubt mir, wir hätten uns längst bedient. Alle einfachen Versuche, Top Gear direkt oder indirekt in Deutschland auf den Markt zu bringen, sind mehr oder weniger kläglich gescheitert. Das läuft so in Deutschland schlichtweg nicht. Die Auseindersetzung mit dem Thema Auto ist bei uns und bei den Zuschauern sehr viel ernsthafter, konservativer, seröser. Wir sind nicht humorlos, aber wir veralbern unsere Autos auch nicht. “auto mobil”, “auto, motor und sport tv” (in der Vox-Version), Moderator (Peter Stützer), Redaktionsleiter (Volker Groth), Autoren, Redakteure, sie haben ihr Format jetzt schon über 16 Jahre lang zur mit Abstand erfolgreichsten Autosendung in Deutschland gemacht. Nicht zufällig, sondern weil sie wissen, wie es geht. Nicht abkupfern, sich nicht bezahlen und nicht schmieren lassen, das Niveu halten, anpassen und verbessern. Das 16. Jahr war das erfolgreichste überhaupt.. Top Gear ist geil, aber nur da, wo es zuhause ist. Jeder hat dazu gesprochen, jeder hat Unrecht gehabt. Bleibt mir weg damit, ein für alle mal.