Text: Sascha Kösch aus De:Bug 23

Am Ende eines Konflikts steht eigentlich immer eine Produktlösung. Ob die Produktlösung dann allerdings neue Konflikte heraufbeschwört, was sie marktstrategisch hoffentlich tut, wird dabei, mag man es gut finden oder nicht, recht uninteressant.

Während im laufenden Krieg, in überraschend timelifelastiger Wirklichkeit, der Konflikt medial immer mehr auf eine Luftkrieg vs. Bodenkrieg Debatte hinausläuft, nähert sich in grimmigem Grau ein Hightechwearableprodukt als Endlösung, und, Sensation, es kann sich “hinter Bäumen verstecken”. Das Tier heißt Apache, nach einer erfolgreichen ethnischen Säuberungsaktion benannt, und verhält sich im allgemeinen so wie ein übergroßer Wearable. Drinnen steckt immer ein Mensch, gerne einer mit Vietnamveteranblitzen in den Augen, oder, moderner ausgedrückt, ein Cyborg mit leicht alienartiger Mimik und großen Flügeln. Auf seine Augen projeziert, ein nach Kriegskriterien bereinigtes, effizientes und offensichtlich Spaß machendes Interface, das den Blick auf Bäume, hinter denen der Cyborg in LKW-Größe sich verstecken soll, sicherlich mit Produktnamen versieht (Esche, Birke, Holunderª usw.). Vermutlich per Knopfdruck die gesamte Kiste hinter ebensolchen nächsten bestgeeigneten Baum (die mit großer Krone, leider in mittelmeernahen Gebieten nicht häufig anzutreffenden) huschen läßt, von wo aus dann, hier beginnt die Fiktion – ein siegesgewisses Signal an die zugehörige Feinmaschine entsandt wird, das sich in den Ohren eines serbischen Panzerfahrers sicherlich wie ein knarziges “Wo bin ich” in Transistorradioqualität anhört, das den demoralisierten Serben zur Selbstaufgabe, jedenfalls auf jeden Fall zum Aussteigen aus dem von kompletter Zerstörung durch technologische Übermacht höchst gefährdeten Blechprodukt bewegen sollte, und, falls wir uns hier wirklich auf die Lösung des Boden vs. Luftkrieg Dilemmas verlassen wollen, im nächsten Moment der Geschichte, eben diesen Serben mit einem geschnürten Säcklein voll des allernötigsten säuerlich gen Belgrad stapfen sieht.

So in ungefähr die Idealvorstellung. Ein reines, vielleicht etwas unfaires, aber dafür menschenrechtlich abgesichertes Spiel. Problem allerdings: der kosovarische Baum an sich. Erstens bietet er mit seiner durchgehend eher mauen Beblätterung (wenn er nicht unverschämterweise auch noch Nadeln trägt), eher einem Beetle Platz zum verstecken. Zweitens ist er nicht schalldicht, und Serben haben sehr zur Unbill der Nato Ohren, auch solche im Militärdienst, wo bislang sogar Ohren eine der Grundvorraussetzungen sind.
Überall mediale Kriegsszenarien, die eigentlich eher wie ein tschechischer Kinderfilm anmuten, was ja eher gut ist, woraus man eine Tugend machen könnte und vielleicht auch ein optimiertes Produkt, dessen Entwicklung wir hiermit nach der aufregenden Einleitung vorschlagen wollen für weitere Lösungen bodennaher Kriegsführung.

Die Lösung liegt eigentlich auf der Hand. Apaches (die Cyborgs, nicht die fast vollständig weggereinigte Volksgruppe) müssen kleiner werden. Viel kleiner. So klein, daß vielleicht das Konzept des Cyborgs dabei über Bord gehen muß. Ein Mensch jedenfalls hätte in dieser Miniaturlösung keinen Platz. Wir denken eher so an Käfersize, so wie die geplanten chipimplantierten Brandfrühwarnkäfer, an denen gerade gearbeitet wird. Man stelle sich folgendes Produkt vor: Es fliegt, kann gut riechen, übermittelt Bilder, kann in dezentem Maße ferngesteuert werden, und vor allem ist es sehr klein, paßt also blendet hinter Baumkronen. Aus ist jeder Krieg im nu, und das Kinderfilmszenario müßte nicht mal geändert werden. Die Medien hätten ein neues Darling, das sich vorzüglich in die vorgegebene Struktur einfügt und geschmackvollerweise dann vielleicht allerdings nicht mehr “Apache” heißen muß. Wir würden ihn “Maikäfer” nennen, die Taskforce dazu logischerweise “Die Helicops”. Verliert man wirklich mal einen, dann ist es auch nicht so schlimm, Schließlich fallen Käfer zum einen weit unter die Moralgrenze jedes nicht radikalen Buddhisten (bis zur Europäisierung des Himalayas hat man sicherlich auch noch genug Zeit, sich andere, weniger lebendige lustige Kriegsmaschinen auszudenken). Und zum anderen sind Genlabore ein ausgezeichnetes Biotop für einen schier unendlichen Vorrat. Außerdem würde es sicherlich erstaunlich blöd aussehen, wenn im feindlichen Fernsehen Horden von Kindern um einen Käfer herumtanzen und ihn mit Siegesschreien und Maschinengewehren beschießen, oder Schilder auf Rockkonzerten herumtragen, die sagen: “We didn’t know it was so small”. Wo sollte denn da der Witz sein?
Es wäre also auch, einmal entwickelt, gar nicht teuer, denn, jetzt kommt der Clou, sie ernähren sich auf Feindgebiet, haben keine Sozialversicherungsabgaben und können ausserdem in ihrer Freizeit in der Werbebranche als fliegende Anzeigen jobben.

Aber jetzt endlich raus damit, wie soll denn das gehen, der Krieg dauert doch schon zu lang? Wir gehen von einer mindestens ebenso hohen Wahrscheinlichkeit dessen aus, daß Zugehörige irgendwelcher Volksgemeinschaften z.B. alle lechzende Nationalfaschisten sind, wie der, daß sie ein Nationalgericht haben, dessen Ausdünstungen von den kleinen Käfern bei geringer Genmodifikation erschnüffelt werden können, bis auf ein Molekül pro Kubikquadratmeter. Wir nennen dies die sogenannte Leibspeisenhypothese. Kurzum, in unserem Fall, gilt: Wo ein Serbe, da auch ein Käfer, falls die jeweilige Armee sogar noch spezifische Essensrationen verteilt ließe sich ohne Probleme sogar ein Käfer zurechtmodifizieren, der nur die Art von Menschen erschnüffelt, die eben diese Essensrationen verputzt haben und nun wahrscheinlich matt im Gras liegen, und nichts Böses ahnend verdauen. Eben dieser Käfer ist aber nun pfiffigerweise ausgestattet mit einem Global Positioning Chip, und während der nichts ahnende Serbe nun mit vollem Magen daliegt, auf einem Grashalm kaut und sich wundert, wie hartnäckig dieser Käfer um seinen Kopf kreist, als wollte er ihm was sagen, ist eine Cruise Missle schon auf dem Weg und landet wenige Minuten zielsicher in höchsten 5 cm Entfernung des nun zu Einzelteilen mit Käferresten zerstäubten ehemaligen mutmaßlichen Faschisten. Jedenfalls ziemlich humane Kriegsführung im Vergleich, und die Golfkriegbilder könnte man obendrein noch recyclen, denn, sein wir mal ehrlich, wer weiß schon wie ein Serbe in den Augen eines Käfers aussieht. Desweiteren ließen sich natürlich auch andere gepflegtere Szenarien ohne viel Wumms denken, sei es durch Minimierung der Cruise Missiles, oder durch etwaige Ausstattung des Käfers mit giftigen Stacheln. Auf jeden Fall freuen sich die Bäume. Warum dieser Käfer dann allerdings auch noch Bilder übermitteln muß, was sicherlich der schwierigste Part der Operation ist, erklärt sich denkbar einfach durch unser eigenes Verlangen, bei Kriegen immer dabei sein zu wollen. Und schließlich muß ja irgendwer durch den Erlös der Übertragungsrechte, die nur welche sein können, wenn es was zu übertragen gibt, den Krieg mit einer soliden Refinanzierung finanziell abgesichert haben. Also: Falls irgendwen dann noch nach Flüchtlingen gelüstet, könnte man notfalls ja das Gerücht verbreiten lassen, daß die Nase der Käfer zuweilen fehlerhaft funktioniert, was einem jeder halbwegs vernünftige Mensch glauben dürfte, und zwar zu grassierender Käferparanoia führen könnte, aber auch wieder gute Bilder liefert.

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Elektronische Lebensaspekte.