Text: axel wieder aus De:Bug 16

D.s moralische Erzählungen Christian Flamm/Axel Wieder awieder@metronet.de Im letztlich noch amüsantesten Teil des ExistenzgründerInnen-Events BerlinBETA, dem Filmfestival nämlich, kam doch nochmal eine reflektiertere ProduzentInnenseite zu Wort. “Elekromotor” präsentierte die Erstaufführung von Andreas Doraus “Die Menschen sind kalt”. Als “Film zur Single” angekündigt, funktioniert “Die Menschen sind kalt” trotzdem im Sinne von Spielfilm und nicht als Longformvideo, wie “Thriller”. Grob erzählt, geht es um einen Heiner (Dackelbluts Heiner Ebber), dem lebenslang übel mitgespielt wurde. Er arbeitet im Hamburger Völkerkundemuseum, lost dann beim ländlichen Kuhfladenroulette und erkennt, nachdem er sich mit der Kuh die Quizshow “Schlag dein Tier” (Doraus integrierter Debutstreifen) angesehen hat, daß Tiere die netteren Typen sind. Er lernt seine vom leiblichen Vater Uri Geller ererbten glücklichen Fähigkeiten und einen verbogenen Löffel schätzen und nutzen. Auf Du und Du mit der Kuh wechselt er dann auf die glückliche Gewinnerseite. Da der Etat sehr klein war, wurde auf Video gedreht. Das merkt man schon, es macht aber nichts. “Gut gemeint” muß nicht immer “schlecht gemacht” heißen. Das wird deutlich, wenn das Werk erstens nicht wirklich als Witzfilm erkennbar wird (wie Hallervordens frühe Blockbuster ebenfalls tragisch-moralische Züge trugen), und zweitens ein nie formulierter Anspruch erst gar nicht erfüllt werden will. Auch “Pop” kann mit “selbstgebastelt” und “Produktionsbedingungen” im selben Satz ausgesprochen werden. Als Helfer wurden nahe FreundInnen oder Bekannte zu Hife gezogen. Sie spielen neben Dolly Dollar, Horst Frank und Marienhofs Kalle Kutschinski die weiteren Rollen. So bildet sich ein schönes Stück Hamburg ab, mit doppelter historischer Schlaufe. Mit den zwischengeschnittenen Szenen aus “Schlag Dein Tier” tauchen auch die in diesem Film schon integrierten, noch älteren Dorau-Videos auf: “Die Welt ist schlecht” bis “Demokratie”, langweilig wird sie nie. Also viel montiertes Material, das man so heute im Fernsehen auch nicht mehr sieht, und Dorau als bester Tänzer, beides im guten Sinne retro. Interessant sind die Personenkonstellationen, von früher bis jetzt: der aus echten Elektronik-Pionierzeiten bekannte Moritz Reichelt (Der Plan) war für die Ausstattung des Films verantwortlich und hat einen sehr hübschen, aus Farbfeldern bestehenden Vorspann gemalt. Justus Köhncke produzierte das Titelstück, die gelungene Coverversion eines unbekannteren BeeGees-Stückes. Köhncke kennt Dorau noch aus Tontechnikertagen in Plans und Pyrolators AtaTak-Studio zu Düsseldorf, dort, wo die früheren Dorauplatten entstanden. Die Single-Version kommt nach 20 Minuten, zum Abspann läuft schließlich der Mike-Ink-Remix. Auf der 12″ von “Die Menschen sind kalt” findet man außerdem Versionen vom Frankfurter Ramon Zenker und, nochmal Neuköln, Forever Sweet. Es ist also auch ein kleines Stück Geschichte der in Deutschland produzierten, elektronischen Musik, dankenswerterweise mal ohne aufdringliche Kraftwerk- und Can-Referenzen. Manchmal kann Retro auch so funktionieren. Die Abstände werden kleiner. Statt musikalischer Einflüsse – mit Leuten eben zusammengearbeitet zu haben und dies auch weiterhin zu tun. Der Film tourt noch: FRANKFURT (Filmtheater Valentin) 01.10.-03.10. DRESDEN (Programmkino Ost) 05.10.-07.10. HAMBURG (Zeise Kino) 09.10-11.10. MÜNCHEN (Werkstattkino) 12.10.-14.10. - STUTTGART (Corso Kino) 15.10.-17.10. BREMEN (K 46) tba. Mit jeweils ca. 10 min alle 3 Tage gibt es den Film bei Subaudio als Serie im Netz unter http://www.subaudio.net Fotos: Felix Brüggemann

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Elektronische Lebensaspekte.