Mit dem Communication Center will der Mobilfunk-Provider o2 die Verzahnung von Handy und PC einerseits und das tatsächliche Ankommen der Handys im Internet forcieren. Sascha Kösch hat nachgehakt.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 105


Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Netz für Handys eher eine müßige Angelegenheit mit notdürftig über diverse WAP-Seiten gestopften Löchern, in denen man höchstens mal die eine oder andere Notinfo abrufen konnte. Wer immer sich damals – das waren vor allem größere klassische Publikationen – an Handyservices versuchte, musste schnell einsehen, dass man darum besser keinen großen Wind macht, denn schließlich waren die Nutzerzahlen ebenso gering wie die Möglichkeiten der Netzinfrastruktur.

Das große UMTS-Desaster (kurz vor dem Börsencrash wahnsinnig teure, aber zumindest den bundesdeutschen Staatshaushalt ein Jahr sanierende Lizenzen kaufen) ließ Netzbetreiber auch eher schüchtern pünktlich zu den entsprechenden Messen mal eben ein kleines Schlaglicht auf das mobile Netz werfen, danach war aber auch alles schon wieder vergessen. Spätestens seitdem T-Mobile mit seiner Web-And-Walk-Offensive – die zum ersten Mal eine Abwendung von den üblichen firmeninternen Internetstartseiten auf dem Handy war – einiges an Erfolgen verzeichnen konnte und der Druck von Seiten Voice Over IP, Wimax und anderen Netzen auf die langsam gut verbreitete 3G-Infrastruktur wächst, tut sich etwas in Sachen mobiles Netz. Seit Anfang des Jahres schießen nicht nur mobile Applikationen aus der digitalen Erde, sondern auch die Netzbetreiber und Mobiltelefonhersteller übertreffen sich Woche für Woche mit immer neuen Varianten der Verquickung von Internet und Mobiltelefonie.

Kein Service ohne Netz

Das Netz wird zum integrativen Faktor bei allen Überlegungen neuer Handyservices. Dass es dabei keinesfalls mehr darum geht, einfach das Netz aufs Handy zu bringen, sondern herauszufinden, welche der Möglichkeiten auch für die User Sinn machen, zeugt nicht nur von Vorsicht, sondern von den Erfahrungen, die man in den letzten Jahren hat machen können.

Einer der Netzbetreiber, die sich, passend zur IFA, auf der sie das erste Mal präsent sind und somit zeigen, dass Consumer-Elektronik nicht mehr von dem Service zu trennen ist, ist o2. Wir fragten den Product Manager des soeben vorgestellten o2 Communication Centers, Wolfgang Schmirl, und die Pressereferentin Nadine Kleinert nach ihren Strategien für ein Mobiles Netz.

Mit dem Communication Center geht o2 ja in eine Richtung, Webservices für Handys stärker in den Mittelpunkt zu nehmen, und verlagert so Sync- Funktionen, die bislang eher zwischen Rechner und Handy stattfanden, auf das Internet. Welche Erweiterungsmöglichkeiten sehen Sie hier und steckt dahinter vielleicht auch eine Strategie, sich von den Software-Herstellern weitestgehend zu befreien?

Wolfgang Schmirl: Mit dem o2 Communication Center haben wir die Nr. 1 Applikation aus dem Internet (E-Mail) auf das Handy gebracht und die Nr. 1 Applikation aus dem Handy (Telefonbuch) ins Internet/auf den PC. Wir zeigen unseren Kunden damit auch ganz deutlich, welcher Mehrwert durch diese ”konvergenten“ Services entsteht, zum Beispiel anhand der Telefonbuch-Sicherung.
Diesen ”Mehrwert“ zu schaffen bzw. auch akute Kundenprobleme zu lösen, ist auch unsere Strategie und nicht, “mit Gewalt“ Handy und PC zu vereinen. Dies hat auch bei sog. “Unified Messaging“-Ansätzen nicht funktioniert (E-Mails, Fax, Voicemails etc. alles in einer Inbox). Es wird nur dann funktionieren, wenn ein Großteil der Kunden einen wirklichen Nutzen darin sieht. Aus Kundeninterviews sehen wir immer mehr den Bedarf, neben den Adress- und Kalenderdaten auch andere Daten wie Fotos aus dem Handy im Web abzulegen und zu sichern.
Eine explizite Strategie, uns von Software-Herstellern zu trennen, gibt es nicht. Es zeigte sich aber, dass viele Kunden mit der PC-Software, die dem Handy beiliegt, überfordert sind und daher schon sehnsüchtig auf das o2 Communication Center gewartet haben.
Dabei setzen wir auf Industriestandards wie SyncML oder MMS, um unsere Dienste einer Vielzahl von Kunden anzubieten. D.h., wir möchten auch nicht die Software am Handy durch eine proprietäre o2-Software ersetzen.

Mobile Community

Gibt es Pläne die Mobilen Blogs, die es seit längerem schon bei o2 gibt, zu erweitern und ähnlich wie manche Telefonhersteller zu einem Blogservice auszubauen, der in den Funktionalitäten denen der zur Zeit gängigen Blogprovider näher kommt?

Wolfgang Schmirl: Unsere mobilen Homepages und mobile Diaries werden in den nächsten Monaten erweitert, um es zu vereinfachen, Bilder und Einträge zu posten. Darunter fällt auch der Upload über wenige Klicks/Buttons im Handy. Die Einfachheit – und das ist kein Geheimnis – ist der Schlüssel zum Erfolg für alle mobilen Dienste.
Weiter ist der Ausbau der Dienste im Web geplant, wobei der Nutzungsschwerpunkt und die Optimierung nach wie vor auf mobile Blogging liegen wird.

Lässt sich der Boom von Community-basierten Webseiten im Netz nicht vorzüglich auf das Handy ausweiten und besteht dort nicht eine Chance, den datenbasierten Markt voranzutreiben? Wenn ja, welche Chancen sehen sie in einem Web 2.0 für Handys und welche Probleme könnten da auf einen Netzbetreiber zukommen?

Wolfgang Schmirl: Bereits heute machen Chat- und Community-Dienste einen erheblichen Teil des Traffics auf unserem mobilen o2-Active-Portal aus.
Der Hype von Web 2.0 im Internet ist unbestritten. Wir denken jedoch, dass es nicht das “mobile web 2.0“ ist, das kommen wird, sondern die mobile Verlängerung von Web-Diensten – also “konvergente“ Dienste, die am PC und unterwegs genutzt werden können.
Genau dort sieht sich auch o2 und arbeitet auch daran, in den nächsten Monaten Communities mobil anzubieten, die in Deutschland eine kritische Masse haben.
Herausforderung ist jedoch vor allem das Content-Monitoring bei diesen neuen Diensten aufgrund der Masse an Content. Als Mobilfunkbetreiber hat sich o2 dazu selbst verpflichtet und führt dies bereits heute bei den eigenen Diensten durch.

Infotainment Mobil

Sind Partnerschaften mit Anbietern von Mobile-Content geplant und gibt es vielleicht, ähnlich wie z.B. bei Nokia, die vor kurzem Loudeye, einen Anbieter für Musikdownloads, gekauft haben, Pläne, sich in solche Richtungen auszuweiten, die jenseits des eher leitungsorientierten Angebots liegen?

Nadine Kleinert: Wir bieten bereits seit Okt. 2005 zusammen mit Nokia/Loudeye unseren Kunden eine Musikplattform an, auf der mittlerweile 600.000 Songs gespeichert sind. Kunden von o2 können ihre Musik dort mobil oder aber auch zu Hause am PC kaufen. Der Song wird zu einem festen Preis doppelt ausgeliefert, so dass der Kunde ihn unterwegs oder aber am PC zu Hause hat. Dies ist ebenfalls ein Service, mit dem o2 seinen Ansatz “Konvergenz von Produkten“ unterstreicht.

Wenn in Kürze o2 auch zum Anbieter von DSL-Anschlüssen wird, kann man damit rechnen, dass die Vernetzung von Internet und Mobile allein schon deshalb noch stärker in den Fokus rücken wird und die Entwicklung von Web-Services für Mobiles vorangetrieben wird?

Nadine Kleinert: Kunden von o2 werden nicht nur von einer preislichen Vergünstigung profitieren, wenn Sie über o2 telefonieren und surfen, sondern vor allem von dem Zusammenspiel der Services mobil und zu Hause. o2 wird sich vermehrt auf die Services konzentrieren, die unsere Positionierung als “integrierten Telekommunikations- und Infotainmentanbieter“ unterstreichen, insbesondere mit der Entwicklung konvergenter Services.

Wie verändert sich dadurch das Verhältnis vom Mobilfunkanbieter o2 zu VoIP?

Nadine Kleinert: Diese Frage kann ich Ihnen erst auf der IFA beantworten, da wir bis dahin Kommunikationssperre haben.

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Elektronische Lebensaspekte.