Fünf Freunde vs. Banker-Zombies
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 142

Wie um alles in der Welt soll man “Deutschland macht dicht” beschreiben? Ein Roman irgendwo im Wurmloch zwischen Boris Vian, Kelly Link, Jeff Noon und Enid Blyton? Eine zu dicke 7″, der das solide Zentrum abhanden gekommen ist, und die nun quer durch die Welt ihrer Rille driftet, in der immer eine Dimension zuviel auf sich selbst gekrümmt ist? Alice unter den Rädern der Finanzkrise? Ein politisches moralisches Lehrstück für Verwirrte zwischen Viererbande und 5 Freunden?

Dietmar Dath hat es mal wieder geschafft, einen zu überraschen. Kinderbuchillustrationen, quadratisch-praktisches Format, Seite um Seite eine Geschichte, in der die Monster der quietschebuntesten Kinderträume, des bundesdeutschen Blätterwalds, der urbanen und ländlichen Mythen aufeinander prallen wie in einem Videospiel.

Die Story: Deutschland, magersüchtige Exportnation, wird von geheimen Mächten aus dem globalen Universum in eine Flasche gestülpt, aus deren involutivem Durcheinanderpurzeln kein Entkommen ist. Eine Bande von Freunden versucht zwischen sprechenden und gehenden Kunstwerken, explodierenden Harakiri-Käsen auf Muslimtrip, Banker-Zombies und glibbrigen Geldresten unter Anleitung eines nahezu allwissenden Stoffhasen auf die Fährte der Verschwörung zu kommen. Alles klar? Alles dabei.

Spionage, Liebe, Wuscheliges, eine Parade von geschlechtsumgewandelten Bundeskanzlern, Splatter, Halbmenschen, Jesus, desolate Redaktionen und unerwartete Wendungen. Und es passiert in einem um sich selbst gefalteten Universum, in dem nichts so ist wie man es gewohnt war, aber gleichzeitig alles so vertraut, wie es nur einem kindlichen Blick begegnet.

SASCHA KÖSCH

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