Nicht dass die Tiere nicht Tiere wären und Menschen in Sklavenbordells halten würden.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 125


Dietmar Dath
Die Abschaffung der Arten
Suhrkamp

Irgendwas an diesem Buch ist merkwürdig. Ah, ist ja von Dietmar Dath. “Die Abschaffung der Arten” ist ein Weltenroman. Vor allem aber eine Fabel. Nicht dass die Tiere noch Tiere wären und als Metaphern herhalten müssten. Nicht dass die Tiere nicht Tiere wären und Menschen in Sklavenbordells halten würden. Dath war noch nie jemand, der es mit den Genres besonders ernst nimmt.

Seine Romane sind gerne Raubzüge in Territorien, deren Andersartigkeit dem Gesamtbild des Romans eine Schräglage geben, die letztendlich vermutlich seine Stimme ausmachen dürfte. Aber in “Die Abschaffung der Arten” wagt sich Dietmar Dath noch weiter vor, in eine Art zu schreiben, in einen Klang, den man längst vergessen hatte. Man erinnert sich an die Anfänge von Science-Fiction. Damals, als noch nicht klar definiert war, was die Grenze der Wissenschaft sein könnte, als Wissenschaft noch keine Olympische Disziplin war, als Magie überall durchblitzte, und nicht weil jemand mal gesagt hat, dass Technologie wie Magie wirken muss. Damals waren die Grenzen noch nicht ganz klar.

Zwischen Fabel und Fabulieren, zwischen Wells oder Verne und magischem Realismus, zwischen olfaktorischem Steampunk und philosophischem Roman arbeitet sich “Die Abschaffung der Arten” immer weiter vor in eine Welt, deren Parameter immer klarer, aber zugleich auch immer magischer werden. Ein Buch für Menschen, denen die Evolution immer schon ein wenig zu retrospektiv war und die Informationstheorie zu sehr an Silicium gebunden.

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Elektronische Lebensaspekte.

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