10 Jahre De:Bug: 10 elementare Bücher
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 115


Dietmar Dath
Für immer in Honig
Implex Verlag, 2005

Gott, wie ich den deutschen Literaturbetrieb hasse. Alles nur introspektive Handlangerei oder wohlwollend-verzweifelte Versuche, eine Generation zu finden, wo eigentlich nur lahmes Gejammer oder dummschwätzender Konsumismus herrschen, wenn man überhaupt jenseits des nächsten Hipsterschecks oder der Trauerfahnen von Spiegellisten und Literaturquartett denkt. Identität über alles.

Ein Medienbetrieb, der anmutet, als wäre man in der ewigen Wirtschaftswundervorhölle gefangen. Deutsche Literatur, ein langes Tal des Grauens, in dem einen in den letzten zehn Jahren auch das gelegentliche Meinecke- oder Dath-Buch nur die kurze Illusion vermitteln konnte, den ganzen Mist nicht für ewig in der Wüste verrecken lassen zu wollen. Ich jedenfalls hatte schon aufgegeben.

Aber dann: “Für immer in Honig”. Der Klotz von Buch geht so befreit mit einer Axt durch den gesamten Literaturbetrieb, sitzt mit jedem Absatz mitten in einem Labor voller unschlagbarer Einfälle und Sätze, dass man irgendwann kaum noch anders kann als zu denken, ja, genau dafür hat sich das Lesen deutscher Bücher in den letzten zehn Jahren dann doch gelohnt.

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Elektronische Lebensaspekte.