Qualifizierte Online-Mailorder für Schallplatten, die genauso viel Gewicht auf ihr Angebot wie auf die Gestaltung ihrer Seite legen, sind immer noch selten im Netz. digalittledeeper.net ist eine rühmliche Ausnahme. Hier rühmen wir sie.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 54

DIGALITTLEDEEPER.NET
Die besondere Schallplatte finden

Was tun nach dem großen Einbruch an der digitalen Front und wie entwickelt man Methoden, mit denen sich ein Businesskonzept auch ohne Venture Kapital und Massenwahnvorstellungen aufziehen lässt? Wir fragten Dagmar Macziewski von Digalittledeeper.net, einem Mailorder und Plattenladen im Netz für rare, gesuchte und “andere” Schallplatten, für alle, die eben etwas tiefer nachsehen wollen.

deBug: Was war die finanzielle Situation/Umfeld als die Idee für Digalittledeeper anfing, und wie hat es sich im Lauf der Realisierung geändert?

DM: Digalittledeeper.net trägt sich als 2-Personenbetrieb von Anfang an selbst, es gab keine “Start-Up”-Zuschüsse und wir kommen ohne Bannerwerbung aus. Keine Ladenmiete, keine Deko, dafür ein wachsender Computer-Maschinenpark und Internetzugang. Die Seite programmieren wir selbst. Ein dicker Scheck für Print-Werbung käme zwar gut, aber es läuft auch mit Promo im Netz, Verlinkung und Mund-Zu-Mund Propaganda. Das Verhältnis von Visits zu tatsächlich getätigten Käufen ist bei unserer Seite sehr hoch, was heißt, die, die kommen, finden was sie suchen.

deBug: Woher kommt der Input/Output von Dig…? Die Platten und Käufer?

DM: Wir sind auf Grund eigener Vorlieben ein “Gemischtwarenladen” unter den spezialisierten Läden, bei digalittledeeper.net gibt es Hip Hop, Elektronische Musik, D&B, Jazz, Soul, Brasil, Reggae – jeweils in neu und Second Hand. Wir kaufen von einigen Labels direkt, u.a. das Reggae-Reissue Label PK Records aus London, Tellé aus Norwegen, das Indie-Skate Label Galaxia aus Kalifornien. Die Käufer sind klassische Mailorderkunden aus “strukturschwachen” Gebieten, Secondhand Nerds aller Genres und eine Menge Leute mit wenig Zeit, Berufstätige, die nach Feierabend surfen und kaufen, mit Lieferadressen bei Agenturen, Architektenbüros u.ä.

deBug: Welche Strategien gibt es, sich in einem ständig eigenartiger werdenden Markt rings um Dinge wie Ebay zu positionieren?

DM: Ebay ist gut – weil Ebay eine Menge Platten-Interessierter ins Internet geholt hat und an das Online-Kaufen gewöhnt hat. Ebayer sind versierte Online-Banker, mailen mit unzähligen Kumpels – und checken Internet-Mailorder. Ein Großteil unserer Kunden ist auch bei Ebay unterwegs.

deBug: Wo liegen die Schwerpunkte in der Struktur des Ganzen, und wohin soll sich das entwickeln? Welche Design/Usability/etc. Änderungen stehen noch an?

DM: Wir arbeiten gerade an einer neuen Version der Seite, z.B. Erweiterung der Suchfunktionen, eine verbesserte Navigation, noch mehr Platten mit kurzem Soundfile & Bild. Hinzukommen wird ein persönlicher Account, in dem Kunden den Status ihrer Bestellung jederzeit abfragen und Änderungen vornehmen können. Andere neue Features werden sein: Cinema – da gibt es Mitschnitte von Konzerten, Interviews und kurze Filme – und eine Sektion, in der in Kooperation mit Labels Musik in digitalem Format vorerst zum kostenlosen Download angeboten wird. Ziel ist aber auch, die kommerziellen Möglichkeiten dieser Technik zu nutzen – uns schwebt da langfristig so etwas vor wie ein elektronisches Label/ Vertrieb. Nicht nur für Labels mit Kleinstauflagen von 500 gepressten Platten wie z.B. bei so manchem deutschen D&B-Label würde die zusätzliche digitale Verbreitung ihrer Musik Sinn machen und sich, wie wir denken, auch zukünftig lohnen. Dem steht allerdings bislang unserer Einschätzung nach die Problematik der Online-Abwicklung von Kleinstzahlungen sowie die fehlende Bandbreiten des Internets in Deutschland im Wege. Daher wird es in der neuen Version erst einmal Soundfiles von Vorab-Tracks plus Infos und Label-Diskographien zum kostenlosen Download geben.

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Elektronische Lebensaspekte.