Eine Einführung in einen der am meisten benutzten und am meisten gehassten Begriffe in der Diskussion um Musikdownloads und was heute unter dem Banner DRM alles machbar ist.
Text: Annett Jaensch aus De:Bug 83

Special:Lizenzen
Digital Rights Management

Digital Rights Management besteht darin, urheberrechtlich geschützten Content zu versiegeln und Systeme zu schaffen, die ihn dann in legale Kanälen fließen lassen. Digitale Wasserzeichen sind keine neue Erfindung, aber durch Perfektionierung und Einbindung in neue Geschäftsmodelle rutschen sie nun zusehends auf die vorderen Ränge bei den DRM-Tools. Philips meldete kürzlich , ein Wasserzeichen entwickelt zu haben, das unknackbaren Kopierschutz für Multimedia-Inhalte bieten soll. Rechteinhaber können damit ihrem Content einprägen, ob und wie oft er gesendet, kopiert und abgespielt werden darf – anwendbar sowohl für Speichermedien wie DVD und CD als auch für digitale Übertragungen im Netz. Bei Videos sollen einzelne Pixel mit Sicherungsinformationen, bei Musik die Beimischung von identifizierbaren Geräuschmustern für Kontrollierbarkeit sorgen. Kompression und Dekompression von Bildern überstehen die Wasserzeichen genauso unbeschadet wie häufiges Abspielen. Laut Philips genüge ihr Produkt forensischen Standards, sei also als Beweis vor Gericht verwertbar.
Das Fraunhofer-Institut IPSI werkelt ebenfalls an Wasserzeichen. Ihr Credo gibt sich nutzerfreundlich: Zu viel Kopierschutz frustriere nur die Käufer. Deshalb sollen Files ohne Kopierschutz zirkulieren dürfen, während die integrierten Wasserzeichen das Datenpaket jederzeit als legal oder illegal identifizieren können. Ganz neu aus dem Hause Fraunhofer und auf der letzten CeBIT vorgestellt: die Technologie des digitalen Containers. In diesem befinden sich die Originaldatei sowie die für die Markierung nötigen Informationen. Die Verknüpfung mit einem BOL-System (Business-Offer-Language) erlaube eine neue Form von Affiliate-Marketing. Im Klartext: Das Wasserzeichen übernimmt die Kundenansprache und schlägt dem zahlenden Nutzer beispielsweise Geschäftsbeteiligung vor. So denken die Erfinder schon laut über eine Art Prämie nach, wenn das Musikstück weiter an Freunde verteilt wird, die ihrerseits beim Anhören Micro-Payments leisten.

Musik mit Verfallsdatum
Microsoft holt ebenfalls eine schicke Idee aus dem Ärmel: die Musik mit Verfallsdatum. Hinter dem Codenamen “Janus” verbirgt sich das MP3 zum Mieten. Gegen monatliche Grundgebühr kann eine relativ hohe Anzahl von Songs auf den Rechner oder einen mobilen Player geladen werden. Verbindet man den Player in einem bestimmten Zeitraum nicht mit dem PC oder ist das Abo abgelaufen, werden die Titel unhörbar. Microsoft wolle sich damit gegen Apple und dessen Erfolgsladen iTunes aufstellen, so Branchenkenner. Die Option, viel zu mieten statt einzeln zu kaufen, könnte die Karten neu mischen.
Die Produkte der US-Firma Audible Magic hingegen haben offenkundig Schnüffel- und Denunziercharakter. Das Kernstück der Technologie, die so genannte “content-based identification”, ermöglicht das “virtuelle” Anhören von Musikstücken und Abgleichen mit einer Datenbank in Echtzeit. Die Software ist angeblich in der Lage, in einem Netzwerk Rechnerfestplatten zu scannen und Downloads zu stoppen, wenn urheberrechtlich geschützte Daten die Seiten wechseln. Ein solches Modell setzt voraus, dass Medienkonzerne die Abgleichsdatenbank füllen. Mit Universal ist schon ein größerer Deal zustande gekommen. Das Label leitet alle Informationen über alte und neue Releases an Audible Magic weiter und erhält dafür die Garantie, dass Musikstücke, deren Rechte bei Universal liegen, zuverlässig erknnt werden. Auch Vertreter der RIAA traten schon gemeinsam mit Audible Magic auf Pressekonferenzen auf, um die Überwachung von P2P-Netzwerken in Aussicht zu stellen.

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Elektronische Lebensaspekte.