Gegen die zunehmenden Möglichkeiten, mit Technologie viele Menschen beobachten bzw. überwachen zu können, hilft nur eines: Transparenz und Öffentlichkeit. Ob Echelon, Smart Tag, Cookie oder - jetzt neu - digitale Verfolgung per globalem Positionierungs System. Wir schauen zurück.
Text: nico haupt | nicohaupt@gmx.li aus De:Bug 50

Ich weiß genau, was du letzten Sommer getan hast
Digitale Verfolgung

Echelon
Die große Schnüffelei im Netz oder per Satellit und GPS geht mit Meilenstiefeln in die nächste Generation, gleichzeitig wird die Öffentlichkeit gegenüber dem Thema immer stärker sensibilisert, vor allem auf Grund der Skandale um Echelon. Echelon ist ein internationals Abhörprojekt, das Ende der 40er Jahre aus dem sogenannten UK-USA-Abkommen der NSA entstanden ist. Es soll angeblich in der Lage sein, sämtliche Fax-, Telefon- und Modemsignale ablauschen zu können. Gerade erst haben deutsche Anfragen dafür gesorgt, eine Echelon-Station in Bayern bekannt werden zu lassen. Statt die Station einzustampfen, soll sie nun nach England verlegt werden – vorläufig zumindest. Einige Aktivisten des europäischen Paralaments versuchen allerdings, Europa Echelonfrei zu bekommen.

Smart Tags
Im Allgemeinen werden Begriffe wie “Ablauschen”von Programmierkonzernen wie Microsoft oder DoubleClick mit “Informationserweiterung” umschrieben. DoubleClick stehen immer noch im Verruf, sogenannte Webbugs heimlich auf Webseiten unterzubringen. Diese 1×1 große Grafiken, als Leerstelle oder auch Text getarnt, liefern, einmal angeklickt, genauere Informationen über den User. Microsoft tacktiert anders als Double Click da offensiver. Ihre sichtbaren “Smart Tags” wurden in das neue Office-System XP integriert und sollen auch Online eingeführt werden. “Smart Tags” funktionieren ähnlich wie eine Suchmaschine. Sie reagieren auf bestimmte Stichwörter auf Webseiten, öffnen sich dann und bieten zusätzliche Dienste an. Durch die Monopolstellung von Mircrosoft lag die Vermutung nahe, dass nur firmeneigene Dienste promotet werden. In Europa wurde das Projekt erfolgreich verhindert. In den Staaten hielt man zunächst daran fest, dann ließen sich die interaktiven Popups auch dort nicht mehr halten.

Sicherheitsgadgets
Die Menge an kleinen Schnüffelgadgets (z.B. Datenkursors) nimmt monatlich zu. Der Einfluss von bestimmten Diensten wird dabei langsam unheimlich. Die Gesichtserkennungssoftware wird immer perfekter. In Taiwan schießen Überwachungskameras sogar auf vermeintliche Einbrecher. Auch Geräte wie das drahtlos kommerzielle “Wide Area Time Domain Radar Array”, das durch Wände schauen kann und in der NASA-Stadt Huntsville entwickelt wurde, sind etwas befremdlich. Zwar kann man sich zunehmend über die Eigenschaften von Cookies oder GUIDs erkundigen, aber keiner weiß, ob Kultsuchmaschinen wie Google, die nun auch Bilder finden können, nicht einmal ihre Statistiken unter der Hand weiterverkaufen werden.

Temposünder per GPS verfolgen
England und die USA arbeiten an Global-Positioning-Diensten, die Temposünder minutenschnell erfassen können. Dem intelligenten Auto der Zukunft soll sogar eine automatische Bremse eingebaut werden. Das US-Unternehmen ‘Acme Rent-a-Car’ hat z.Zt. GPS-Sender installiert, um Temposünder im eigenen Kundenkreis zu entlarven. Das verursachte sofort einen Gerichtsstreit in New Haven, der den Eingriff in diese Privatsphäre diskutieren soll. Aufgaben von Staat und Politik werden zunehmend von flexibleren Computerherstellern abgelöst. Die europäische Politik ist sowieso nicht so konform, wie man denkt. Der spanische Außenminister Josep Piqué will die Echelon-Technik aus den USA auch in die heimischen Industrie importieren, ein neuer internationaler Streit scheint dadurch vorprogrammiert.

ECHELON weltweit:
Geraldton, Australien (114°O, 28°S) seit frühe 1990
Pine Gap, Australien (133°O, 23°S) seit 1966
Shoal Bay, Australien (134°O, 13°S)
Hong Kong, China (22°N, 114°O) seit Ende 1970
Bad Aibling, Deutschland (12°O, 47°N) seit 1952
Menwith Hill, England (2°W, 53°N) seit 1956
Morwenstow, England (4°W, 51°N) seit frühe 1970
Misawa, Japan (141°O, 40°N) seit 1948
Leitrim, Kanada (75°W, 45°N) seit 1985
Waihopai, Neuseeland (173°O, 41°S) seit 1989
Guam, Pazifik (144°O, 13°S) seit 1998
Sabana Seca, Puerto Rico (66°W, 18°N) seit 1995
Buckley Field, USA, Denver Colorado (104°W, 40°N) seit 1972
Fort Gordon USA (81°W, 31°N)
Fort Mead, USA (76°W, 39°N) (Headquarter of the NSA)
Kunia, Hawai, USA (158°W, 21°N) seit 1993
Medina Annex, USA Texas (98°W, 29°N) seit 1993
Sugar Grove, USA (80°W, 39°N) seit Ende 1970
Yakima, USA (120°W, 46°N) seit 1970
Ayios Nikolaos, Zypern (32°O, 35°N)”

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Elektronische Lebensaspekte.