Text: ingrid arnold aus De:Bug 16

“The feeling man shoots, the thinking man edits” Die Digitale ’98 in Köln ingrid arnold arnold@dwelle.de Zum fünften Mal findet vom 28.-31. Oktober in Köln die “Digitale” statt, eine Veranstaltung zu Videokunst und Film. Im Gegensatz zu Filmfestivals richtet die Digitale den Fokus auf Projektbeschreibungen, Entwicklungsberichte und Präsentationen. Ausgerichtet von der Kunsthochschule für Medien Köln unter Prof. Dr. Siegfried Zielinski präsentiert die Digitale ’98 unter dem Titel “Digitale Schnitte” in ganztägigen Programmblöcken so unterschiedliche Themen wie Alltag und Entwicklungen der filmischen Praxis in Israel (‘Unfolding Landscapes’), Entwicklung des digitalen Schnitts, das digitale Filmprojekt ‘The Falconer’ (über den Filmemacher Peter Lorrimer Whitehead) und die “Tendenz zur Heimarbeit” im Videobereich. ”Wie schneidet man heute Filme?” Die Aufnahme des digitalen Schnitts in den Kunstzusammenhang kann darüber hinweg täuschen, daß die Cuttertätigkeit meist unter “Postproduktionstechnik” subsumiert wird. Durchgesetzt hat sich der digitale Schnitt im Film- und Fernsehbereich aber schnell und nachhaltig: Er muß weder, wie Videokünstler, unter dem “unverständliche Kunst”-Stigma leiden, noch, wie digital produzierte (Hollywood-)Filme, unter dem Schimpf des unmoralischen, kalten Einsatzes von Computertechnik aus kommerziellen Gründen. Mittlerweile wird fast jeder Spielfilm und ein Großteil der Dokumentar-, Feature- und Fernsehfilme digital geschnitten. War zu Beginn des Jahrzehnts der große Schritt für Cutter der vom klassischen Filmschnitt zum elektronischen Schnitt (manche Fernsehsender produzierten Ð und schnitten – noch Anfang der 90er Jahre ihre Beiträge auf 16mm Filmmaterial), so wurden in den letzten Jahren das Anlernen am Avid (und die zunächst raren Möglichkeiten, ihn nutzen zu können), zum entscheidenden Schritt. Mittlerweile hat jede kleine Film- und Fernsehproduktions-Klitsche ihren eigenen Avid-Schnittplatz, und das ist gut so. Der Schnitt rückt hinsichtlich der Möglichkeiten, Bilder in beliebiger Reihenfolge auch “nachträglich” zusammenzusetzen, wieder in die Nähe des klassischen Filmschnitts. Die Zwischenstufe elektronischer Schnitt bedeutete dagegen bei jeder Korrektur einen Generationsverlust und damit eine schlechtere Bandqualität. Digitaler Schnitt hat somit nicht unbedingt etwas mit “special effects” oder “Videokunst” zu tun, sondern ist schlichtweg eine Befreiung für die Kreativität der Cutter. Am digitalen Schnittplatz sind sie mittlerweile “Composer” geworden von Filmmaterial mit malerischen und bildverarbeitenden, 2D- und 3D-animierten Komponenten – und die Postproduktion zum zeitlich und finanziell aufwendigsten Part der Filmherstellung. Dennoch kann man z. B. digital geschnittenen Kinobildern ihre zwischenzeitliche “Verarbeitung” nicht unbedingt ansehen Ð gezeigt werden Filme im Kino ja zum Glück trotzdem auf Zelluloid. Die Digitale hat zum Programmbereich “Trennen und Fügen” Filmemacher und Produzenten eingeladen, um die “Möglichkeiten und Grenzen nicht-linearer Schnittsysteme vorzustellen und deren Beziehung zu vergangenen Avantgarden zu diskutieren”. Informationen: http://www.digitale.khm.de/digitale_98/ mediakulturkoeln@netcologne.de

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Elektronische Lebensaspekte.