Seine musikalische Mischung aus Chicago-Gitarren und Brasil machten ihn zu einem der Konsens-Musiker der letzten Jahre. Pat Kalt nimmt sein neues Album zum Anlass, um mit Prekop über sein anderes kreatives Standbein zu sprechen ... die Malerei.
Text: Pat Kalt aus De:Bug 91

Dirigent mit Pinsel
Sam Prekop

Man muss die Uhr schon einige Male zurückdrehen (genauer gesagt um fast sechs Jahre), um beim ersten Solo-Album des amerikanischen Musikers Sam Prekop zu landen, und bei jener elaborierten Verbindung von locker dahintreibenden Popsongs und ambitioniertem Songwriting im Zeichen der Chicagoer Musikszene. Jetzt endlich erscheint mit “Who’s your new professor?” das zweite Solo-Album des inzwischen 41-Jährigen, das zwar den einen oder anderen Faden des Vorgängers aufnimmt, in Ausrichtung und Struktur aber zu neuen Ufern aufbricht.
“Beim neuen Album wusste ich schon vorher, mit wem ich das Material einspielen würde, und das hat meine Songs definitiv in eine bestimmte Richtung getrieben, weil ich hoffte, so am meisten davon profitieren zu können. Daneben habe ich versucht, meinen Horizont zu erweitern und mich von mehreren Elementen beeinflussen zu lassen, gleichzeitig aber den brasilianischen Touch des ersten Albums zu verringern. So wurden die Vocals schließlich zum zentralen Element. Früher schrieb ich zuerst die Stücke zu Ende und legte dann meine Vocals drüber, bei den neuen Stücken hingegen scheint die Musik die Vocals vielmehr als Grundgerüst zu (unter)stützen …”
Wenn man sich also die Zeit nimmt, um den elf neuen Songs zu lauschen, verzaubert von der gehauchten Luftigkeit und positiven Energie, mit der hier das Thema von Pop und Songwriting immer wieder in neuen Facetten erforscht und variiert wird, sollte man zur Abwechslung mal nicht die Augen schließen, sondern mit forschem Blick über die Bilder wandern, die unter Prekops talentierten Händen in den vergangenen Jahren entstanden sind, und die ihm mittlerweile auch den Respekt der zeitgenössischen Kunstszene eingebracht haben. Neben seinen kleinformatigen Ölbildern benutzt Prekop auch das Medium der Fotografie, um seine künstlerischen Absichten umzusetzen. Die Begabung fürs Visuelle kommt bei ihm nicht von ungefähr. “Ich wusste schon immer, dass ich irgendwie ein Künstler werden würde, da meine Eltern beide Künstler sind und ich mein Leben lang mit Kunst konfrontiert war.” Und so kam zu der klassischen Ausbildung als Maler am Kansas Art Institute und am School of the Art Institute in Chicago eine Parallelkarriere als Musiker und Songwriter hinzu. Dabei nimmt die Fotografie eine interessante Mittlerrolle ein: “Einer der Gründe, warum ich mit dem Fotografieren anfing, war, dass sie eine visuelle Orientierung für mich bedeutete, die ich ausüben konnte, während ich komponierte, mit der Band probte oder auf Tour war. Irgendwie war und ist es für mich nicht möglich, gleichzeitig zu malen und zu musizieren. Jede dieser Disziplinen erfordert ihr richtiges Maß an Hingabe, welches die andere Beschäftigung ausschließt. Aber mit dem Fotografieren kann ich bequem von hier nach da schlüpfen, und dabei schärft es meine Sinne für die Malerei.”

Expressiv vs. deskriptiv
Trotz dieser Gegensätze verbindet beide Disziplinen der genuin persönlich-expressive Ansatz, die Suche nach Schönheit in den Dingen dieser Welt und das Verständnis für die Prozesshaftigkeit der kreativen Tätigkeit. Und natürlich wird man als Prekop-Betrachter auch nach dem Klang in den Bildern suchen und als Prekop-Hörer nach der visuellen Entsprechung. Und dann wird man feststellen, dass sich Rhythmus und Variation sowohl formal als auch ideell als Grundkonstanten festmachen lassen. Prekops Bilder bestehen aus Anordnungen verschiedenster meist leicht pastellfarbiger geometrischer Pattern und Formen im unteren Bilddrittel auf einem monochromen Hintergrund aus grau- und cremefarbigen Grundtönen. Mit etwas Fantasie könnte man in dieser Grundstruktur den Horizont einer Cityscape ausmachen. Eine Assoziation, die Prekop nicht ausschließt: “Man kann das auch als Thema sehen, aber ich bin vorsichtig und versuche, nicht illustrativ zu arbeiten. Ich möchte die Bilder gerne expressiv sehen, nicht deskriptiv.” Für Prekop gibt es deutliche Unterschiede zwischen der Einsamkeit des malerischen Prozesses und seiner musikalischen Arbeit mit Band und Musikern: “Ich fühle mich da ja eher wie ein Dirigent, ich brauche die anderen Leute, die dann meine Ideen mit ihrem Talent umsetzen können.” Und doch gibt es auch hier Parallelen in der Spontanität des Entstehungsprozesses: “Beim Malen beginne ich mit Improvisieren, ich erforsche das Rohmaterial. Dann kann ich darauf blicken und verstehen, was ich damit tun will. Mit Musik ist es ähnlich. Da gibt es das anfängliche Rumspielen mit der Gitarre und den Vocals.” Ein Kritiker beschrieb Prekops Kunst einmal treffend mit dem Paradox einer “warmen Art und Weise, cool zu klingen – und umgekehrt.”

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Elektronische Lebensaspekte.