Die Konsolidierung der Detroiter Techno-Szene schreitet voran. Der stetige Input und die konzentrierte Präsenz von DJ3000 ist ein maßgeblicher Bestandteil dieses Prozesses.
Text: Alexis Waltz aus De:Bug 98

Wozu in die Ferne schweifen, wenn die Bassdrum ist so nah

An seinen Sets wie an seinen Mix-Alben fällt auf, dass DJ3000 hauptsächlich Platten aus Detroit spielt. Weder die allgemeine Internationalisierung noch die Allemanisierung der elektronischen Tanzmusik ist hier spürbar. Während Isolation und Autonomie sich früher zwingend aus dem gesamten Ansatz von Detroit Techno ableiteten, ist die Beschränkung auf Musik aus Detroit heute weniger zwingend – und tatsächlich sind auf einer DJ Rolando Mix-CD auch Stücke von Kenny Hawkes oder Steve Bug zu hören. Bei DJ3000 wirkt diese Geschlossenheit eher wie ein postmoderner Regionalismus, der im Radikalismus von Underground Resistance, in den geschichtslosen Schnittstellen von Electro und BootyBass, in Klassikern von Gary Martin oder Red Planet lokale Qualitäten sieht, die es stark zu machen gilt. DJ3000: “Für mich ist der Detroit-Sound nach wie vor aufregend, natürlich hat man vor Ort auch Zugang zu Platten, die nie außerhalb von Detroit bekannt werden. Zugleich operiere ich natürlich auch aus einem bestimmten Geschichtsbewusstsein heraus, führe eine Tradition weiter.” Sofort fällt auf, dass es in seinen Sets und auf den eigenen Maxis auf seinem Label Motech kaum durchgehende Vierviertel-Grooves gibt, der Duktus ist kleinteiliger, nervöser, funkiger: “Bei Bangin’ Techno fehlt mir zu oft der Groove und die Basslines, außerdem spiele ich gerne etwas schneller – aber keineswegs so schnell wie die Bass DJs.”

Schön war’s

DJ3000 wurde in Detroits Party-Szene Anfang und Mitte der Neunziger party-sozialisiert. Alle Partys fanden illegal in Warehouses statt, in Teilen Detroits, die man tagsüber nie aufgesucht hätte. Es waren immer tausend bis zweitausend Leute da. Zu den maßgeblichen DJs gehören D-Wynn, Mike Huckabee, Claude Young, DJ Bone oder Eddie Fowlkes, niemand kam nicht entweder aus Detroit oder aus Chicago. Diese ganze Gruppe DJs verdanke den Veranstaltern dieser Partys ihren Ruhm, erklärt DJ3000. 1997 und 1998 löste sich diese Szene auf: Das Publikum wurde jünger, die Älteren kehrten in die Clubs zurück, Geld und Drogen traten mehr in den Vordergrund, die Polizei verhinderte regelmäßig die Partys. Bis dahin wurden die Raves von den Behörden weitgehend geduldet: Es wurde kein Alkohol ausgeschenkt (!), der Drogenkonsum blieb in Grenzen.

Ein anderer, früherer Einfluss waren die Sets von Electrifying Mojo, da entdeckte DJ3000 Techno – zunächst ohne den Kontext dieser Musik zu kennen: “Electrifying Mojo spielte das neue Prince-Album Monate, bevor es rauskam. Danach kam eine Platte von Cybotron. Ebenso konnte eine Depeche-Mode-Nummer auf einen Transmat-Track folgen.” 1996 begann er selbst aufzulegen, Bezugspunkt war auch der Freundeskreis, zu dem James Pennington oder Eddie Folkes gehörten. Sein erstes Set im Club spielte DJ3000 als Opener für DJ Bone im Motor. Er professionalisierte sich als DJ, als er 1998 begann, für Submerge zu arbeiten.

Mit der Künstler-Szene in Detroit ist DJ3000 ganz zufrieden: Todd Osborn, Jimmy Edgar, B. Calloway, Santiago Salazar, der als S2 den neuen Stil ”Slide“ entwickelt hat, und DJ Dex sind die aufregenden jungen Künstler. Jenseits dieser Musiker und den Ghostly Cats tauchen zwar immer wieder Kids auf, die mit Geräten und Software experimentieren, aber nur die wenigsten kommen über dieses Stadium hinaus. DJ3000: “Ansonsten wird Detroit von HipHop beherrscht, Slum Village und Jay Dee sind Helden. Auch Eminem wird nach wie vor respektiert. Er hat ein Stadion mit 50.000 Plätzen an drei Nächten hintereinander ausverkauft. Ein toller junger HipHop-Producer ist D.L. Jones.”

DJ3000s besonderer Fokus auf den Output aus Detroit entspringt vielleicht auch seiner Tätigkeit als Sales Manager bei Submerge, dem zentralen Vertrieb für Detroit-Techno. Auch dort will man jetzt mehr Alben veröffentlichen, die Maxis sollen mehr zu einem Forum für Nachwuchskünstler werden. Am erfolgreichsten ist die Submerge- bzw. UR-Posse in Japan, wo es ein unvergleichliches Netzwerk von Unterstützern gibt. In Europa verkauft sich das Vinyl gut, man kämpft aber mit der unüberschaubaren Vertriebssituation in den vielen einzelnen Ländern. Am schwierigsten ist es in den USA: Das Publikum erscheint DJ3000 hirngewaschen, selbst die Redaktionen der Underground-Magazine sind heute weitgehend von den Anzeigenabteilungen gesteuert, berichtet er: “Selbst in Detroit kommen heute zu einem DJ Tiesto 5000 Leute – einfach, weil er ein Star ist. In den USA machen wir dieselben Erfahrungen wie alle Generationen von Technomusikern aus Detroit vor uns: Die Haltung, die uns entgegenschlägt, ist eine drastische Ablehnung – der setzen wir Beharrlichkeit, Ausdauer und Leidenschaft entgegen.”

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Elektronische Lebensaspekte.