DJ Food ist ein unübersehbarer Haufen umtriebiger englischer Musiker. Lange war unklar, wer an diesem Ninja Tunes Projekt beteiligt ist. Klar war nur, dass Coldcut ihre Finger im Spiel haben. Und doch wieder nicht. Beim Album "Kaleidoscope" standen Strictly Kev und Patrick Carpenter als DJ Food an den Reglern. Ein Chameleon Album gegen die Konfusion. Aber Fusion.
Text: clara völkel [caynd@gmx.net] aus De:Bug 34

/hiphop/england Fleischpizza auf Trip DJ Food Patrick Carpenter und Stricly Kev sind hocherfreut. Nach einer Woche Pressetour in Frankreich und Belgien, dem Wochenende im Kingdom, bereits sechs Interviews an diesem Tag und Ausblick auf eine weitere Woche lustigem Redespass nochmal etwas über sich und ihr Album namens “Kaleidoscope” erzählen zu dürfen, versetzt vor allem PC in mürrische Grundstimmung. Striktly Kev kommt mit dem Verkaufen besser klar. Die beiden sind DJ Food und kommen eigentlich aus London. Strictly Kev wohnt in Bezirk Camberwell, wo er 1990 zum Studieren hingezogen ist. Nachdem er Anfang der Neunziger dort sein Grafik Design Studium abgeschlossen hatte, fing er an, bei Ninja Tune Flyer und Plattencover zu gestalten. Und auch bei Jazz Fudge, wo er z.B. das “The Isolationist” Cover designt hat. Patrick Carpenter lebt seit eh in London, hat an der Manchester School of Sound Recording studiert und legt seit 1990 auf, u.a. in der Band von J. Swincoes Cinematic Orchstra. Ansonsten spielt er ein bisschen Keyboard oder schraubt an Autos rum. Kennengelernt haben die beiden heute ca. 30jährigen sich 1995 über Ninja Tune. Damals waren sie bereits seit fünf Jahren DJs und haben, wie heute, “alles: HipHop, Jazz, Techno, Jungle, Electro, Ambient…” was in ihre Plattenkiste passte, aufgelegt. Auf einer Party in Brixton legten PC und Kev dann zum ersten Mal zusammen auf, Matt Black von Coldcut machte die Videos. Als die damaligen DJ Food/ Coldcut dann an einem Abend zugleich als Coldcut und DJ Food angekündigt waren und keine Lust hatten, zweimal hintereinander unter verschiedenen Namen aufzulegen, traten PC und Kev als DJ Food in Aktion. Seitdem haben sie, meist an vier Plattenspielern, weltweit aufgelegt. Bis vor kurzem hatten sie in London eine Radioshow namens “Solid Steel” beim ehemaligen Piratensender Kiss. Die Sendung gab es seit zwölf Jahren, seit 95 mit PC und Strictly Kev. Aber aufgrund von Programmumplanung war ihre Sendezeit plötzlich Donnerstag nachts. Darauf hatten sie dann keine Lust, daher gibt es “Solid Steel” jetzt vorläufig nur im Internet [www.ninjatune.net/solidsteel]. “Kaleidoscope” ist die erste DJ Food Veröffentlichung seit über vier Jahren. 1995 erschien “Recipe for Desaster”, ein all flava trippiges DJ Food Album mit Fleischpizza, an dem PC mitgewirkt hat. Er war zuvor schon für die legendären “Jazz Brakes”, deren erstes Album 90 von Coldcut produziert erschien, unter dem Namen DJ Food tätig. Striktly Kev hat für “Kaleidoscope”, an dem die beiden zwei Jahre lang gearbeitet haben, angefangen zu produzieren. Ihre Arbeitsteilung: “Je ein Drittel des Albums ist von Kev und mir, ein Drittel haben wir zusammen produziert”, so PC. Gäste sind u.a. ihre langjährigen Chicagoer Idole, Bundy K. Brown, ehemals bei Tortoise, und der phänomenale 60er Jazz Poet Ken Nordine. Kaleidoscope ist ein Album, bei dem man auf einem Planeten voller Wattebäusche zwischen zerhackten Vocalsamples, Debussy Klängen, Erzählungen und schleppend funkigen wie jazzigen Ausflügen auf einem Soundteppich landet, der “seine Farben konstant wechselt, wie ein Chameleon”, meint PC. Eindeutig ist das untaugliche Musik für Clubs. Aber, so Strictly Kev, “wir sind inzwischen auch älter geworden und gehen eigentlich nicht mehr in Clubs. Wir treffen uns mit Freunden zum Essen, schauen uns Filme an und so was.” Die ideale Platte, um sich auf dem Teppich liegend den eigenen Fim zurechtzuspinnen. Haute Cuisine für trainierte Ohren. http://www.ninjatune.net/solidsteel Kaleidoscope erscheint am 3.4. bei Ninja Tune/Zomba

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Elektronische Lebensaspekte.