Text: oke aus De:Bug 16

You’ve got to know your audience, mate! Back to fucking Jungle mit DJ Hype Oke Göttlich abdruck@dom.de Fotos: Monir Pourataei 1999 wird es zehn Jahre her sein, daß DJ Hype seine erste Sendung auf dem Piratensender Fantasy FM über den Äther straight over London schickte. Spielte er damals House, gemischt mit auf 45rpm hochgepitchtem HipHop, zeigt sich Hype statt als DJ mit dem True Playz-Album “Real Vibes” von seiner ebenso gewachsenen Produzentenseite. “Real Vibes” bricht nicht mit vergangenen Maxi-Veröffentlichungen auf diesem Label. Es reflektiert Hypes soziale Herkunftsstrukturen von den jungen 80ern mit Shut Up &Dance, alten Mix-Battles auf der DMC als Doctor K, ersten Releases auf Suburban Base 1993 bis hin zur Gründung von Ganja Records 1994 und dem Label-Relaunch mit Namen: True Playaz. Alles Dinge, die zusammengefügt Hypes Sound zu einem Werkzeug machen, welches “Party” als nicht abwertende Etikettierung trägt und definitiv so manche Tanzflächen rockt. Egal ob auf kommerziellen Raves wie der Mayday oder bei dem Versuch, Drum’n’Bass in Brasilien vorzustellen, wo ein Aphrodite-Stück das Publikum mehr rockt als eine vetrackt-fortführende Virus- oder Metro-Veröffentlichung. Hypes Wurzeln, die Party und die Euphorie, die ihn als Jugendlichen anfixten, sind die klar definierten Eckpfeiler seiner Tätigkeiten, die für das Hochhaus Drum’n’Bass mehr als eine Säule bedeuten. Hallo DJ Hype, hallo True Playaz, hallo Raver! De:Bug: Warum hat True Playaz den Platz von Ganja Records übernommen? DJ Hype: Mit Ganja Rec. habe ich nie versucht etwas Großes aufzubauen. Ich habe nie mehr als 3000 Platten pressen lassen, auch wenn Vertriebe mich immer darum gebeten haben. Nach “Super Sharp Shooter” und der Kollaboration von Frontline Rec. und Ganja Rec. auf dem “Still Smokin Album” wuchs das Label in Sphären, die ich nicht mehr alleine überblicken konnte. Ganja war ein Projekt, bei dem niemand wissen sollte, daß ich es bin, der produziert. Nach dem ersten Release wußte es trotzdem jeder. Als es größer und größer wurde, war es dann an der Zeit, das Projekt zu stoppen, obwohl alle sagten: “Hype, Du bist verrückt, Du sitzt auf einer Goldmine.” Aber ich bin selbstbestimmt und mache eben, wonach mir ist. Ich habe dann mit Zinc und Pascal “True Playaz” gegründet, um den organisatorischen Kram in den Griff zu bekommen und das Bestmöglichste daraus zu machen. Als Ganja Crew- Soundsystem versuchen Zinc und ich aber sehr wohl noch, den Ganja-Spirit am Leben zu erhalten. De:Bug: Entspricht “True Playaz” dennoch auch deinem Underground Verständnis? DJ Hype: Wir versuchen jedenfalls, alles so gut zu machen, wie es geht und es trotzdem so Underground wie möglich zu halten. De:Bug: Aber du sitzt hier und machst Promotion für dein neues Album. DJ Hype: Alles was mit True Playaz passiert, kommt von Herzen. Wir finanzieren auch alle 12″, die wir veröffentlichen, selbst. Jetzt haben wir unser erstes Album fertig, mit dem ich sehr zufrieden bin. Und dann muß man manchmal dieses Spiel spielen, das ich “Bullshit-Game” nenne, und z.B. Interviews machen. Wer ist schon wirklich Underground? Sogar auf Raves gibt es einfach zu viele Kameras und Reporter. De:Bug: Wie sieht es mit einem Major-Deal aus? DJ Hype: Nach “Super Sharp Shooter” haben wir einen Deal mit RCA gemacht, nicht daß ich es finanziell gebraucht hätte, aber es konnte mir auch keinen Schaden zufügen. Wir haben zwar noch immer einen Deal mit RCA, aber1998 haben sie wegen des True-Playaz Album kein Produkt von mir bekommen. Vielleicht veröffentlichen wir nächstes Jahr ein Ganja Crew-Album bei RCA. Es ist einfach wichtig für mich, mein eigenes Zeug zu kontrollieren und bei einem Major nicht zu einer kleinen Nummer degradiert zu werden, das ist alles. Wenn RCA mit seinen großen Künstlern keinen Gewinn macht, wären wir die ersten , die gekickt werden, da mache ich mir nichts vor. Deshalb muß man etwas Eigenes machen. Ich lege auf der ganzen Welt Platten auf, habe meine eigene Radiosendung und mache mein eigenes Label. Aber wenn ich jetzt z.B. einen Love-Song machen möchte, kann ich das schlecht auf True Playaz machen, oder? De:Bug: Es gibt kritische Stimmen, die den True Playaz-Sound als wenig progressiv und versatile beschreiben. DJ Hype: Vermutlich bin ich der bekannteste und meistgebuchteste Jungle-DJ in Deutschland. Aber wie bei jedem anderen Künstler gibt es auch viele Leute, denen meine Stücke nicht gefallen. Ich weiß nur, daß True Playaz eine globale Masse an Hörern hat und das mehr ist, als ich je zu träumen wagte. Ich bin nicht derjenige, der für die Ohren eines Produzenten produziert. Das ist mir bewußt. Ich möchte das aber auch nicht. Für mich gilt es, die Leute zu unterhalten. Ich versuche nicht, Optical oder Metalheadz zu sein. Genausowenig versuchen die, Ich zu sein. Das macht die Musik doch erst interessant. In England ist es dasselbe Spiel. Derjenige, der Optical mag, mag Hype nicht, oder umgekehrt. Aber ich verkaufe mehr Platten als Optical. De:Bug: Was sagst Du zur Entwicklung von D&B in Deutschland ? DJ Hype: Von der Entwicklung her steckt ihr noch in den Kinderschuhen, man erwartet eher Techno aus Deutschland, und es ist schon strange, wenn deutsche Producer von Mini Disc Grooverider-Remix-Samples ziehen und es rauskommt, bevor das eigentliche Stück selber draußen ist. Ist eine Platte britisch und schlecht, langweilt es mich. Auch wenn aus anderen Ländern vielleicht alles ein bißchen unreif ist, möchte ich nicht den Enthusiasmus der Kids stoppen. Wenn ich in Mannheim oder Hannover bin und Tausende voll abgehen, denke ich, daß ich in London bin. In München stehen sie auf Roni Size und Adam F, aber nachdem ich gespielt habe, waren sie völlig euphorisch. Man muß sein Publikum kennen, darf es nicht überfordern. So spiele ich von allem etwas – wie es halt paßt, denn es ist mein Job, die Party ins Laufen zu bringen. ZITATE: Ich bin nicht derjenige, der für die Ohren eines Produzenten produziert. Es ist mein Job, die Party ins Laufen zu bringen

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Elektronische Lebensaspekte.