Der Hamburger setzt 2011 mit seinem eigenen Label Pampa zum großen Sprung an

DJ Koze (Adrian Crispin)

Aus dem Special in De:Bug 149: Pampa Records

Koze geht steil. In unseren Lesercharts bleibt DJ Koze souverän Nummer Eins an den Decks, gleich drei Pampa Singles nisten sich in den Singlecharts ein, und das Label selbst ist aufsteiger des Jahres. Dabei setzt sein Label Pampa erst 2011 zum großen Sprung an. Denn jetzt kommen die schwergewichtigen Künstleralben, allen voran Isolée und Robag Wruhme. Zum Start erklärt aber erstmal Koze, wie er auf seine reifen Tage doch noch zum Label-Chef wurde, der er nie sein wolte.

Wer sich auch nur ein bisschen mit Stefan Kozalla aka DJ Koze beschäftigt, der weiß, dass sich Stangenware zu seinem musikalischen Kosmos in etwa so verhält wie ein VW Polo zu einem Triumph TR 2. Lieber gekonnt an den Kanten der mehrfachen Schnittmengen fräsen als gemähte Wiesen mit dem Trimmer bearbeiten. 2009 startete sein Label Pampa Records mit dem Überraschungshit “Blaue Moschee“ von Die Vögel (Mense Reents/Egoexpress und Jakobus Siebels/JaKönigJa) durch und konnte sich auch 2010 mit vier weiteren EPs als Conaisseur-Plattform der verdreht-verspulten Sorte beweisen.

Abgeschlossene Reifeprüfung
Neben langjährigen Weggefährten wie Jackmate & The Missing Linkx gab es auch Tracks von unbekannteren, jüngeren Produzenten wie dem Schweden Axel Boman. Der Dancefloor bekam auf allen Releases einen subversiven Drall, Konvention kann bei Stefan Kozalla nach jahrzehntelanger Präsenz an der Booth keine Euphorie mehr erzeugen. Letztendlich ist das auch der Grund dafür, sich dem Label-Geschäft zuzuwenden. Wobei weniger von Business die Rede ist, als von einem Auffangbacken einer 4/4-Diktat-Sektengemeinschaft.

Für 2011 legt Pampa jetzt schon einige Aufmerksamkeits-Torpedos in die Abschussrampe und dürfte mit den bald erscheinenden Alben von Isolée, Robag Wruhme, Die Vögel und DJ Koze selbst für einiges an serotonigem Auszuckern in der Gemeinde sorgen. Pampa ist das Resultat einer abgeschlossenen Reifeprüfung, nicht nur für die beteiligten Personen selbst, sondern für Clubmusik im Allgemeinen.

Debug: Wie kam es nach so langer Zeit nun doch zu dem Label Pampa?

Koze: Eigentlich war ich nie daran interessiert, ein Label zu machen. Ich wollte mich immer direkt mit Musik beschäftigen. Allerdings hat genau die mich irgendwann auch sehr frustriert. Ich habe mich daher nach einer Plattform gesehnt, wo Gleichgesinnte auf der selben Baustelle arbeiten. Dennoch war es eher Zufall und nicht geplant. Es ergab und ergibt sich alles ganz organisch und es ist nicht zuletzt für mich spannend, diese Entwicklung zu beobachten. Eigentlich geht es ja entweder darum, etwas zu machen, das so noch nicht da war, oder etwas, von dem es zu wenig gibt. Dabei muss es natürlich um subjektive musikalische Ausrichtungen gehen. Ich finde es gut, dabei auch picky und harsch sein zu können, auch ausgrenzend. Ich versuche nicht, einen bestimmten Raum abzudecken, sondern eine eigene kleine Sekte zu formen.

Debug: Wie sieht Frustration in deinem Falle genau aus?

Koze: Wenn man so lange dabei ist wie Jackmate, Rajko, Die Vögel oder ich, stellt sich das automatisch hier und da ein. Wir sind ja eine Enddreißiger-Gang, die Musik noch immer liebt und wahrscheinlich mit der geraden Bassdrum ins Grab geht (lacht). Wir machen alle Musik, die wir gegenseitig gut finden. Ich möchte keine Hasstiraden schieben, vielleicht ist es gerade deshalb besser, Dinge selber in die Hand zu nehmen. Wir haben eine schlanke Struktur, können sehr projektbezogen arbeiten. Wir haben keine Angestellten und müssen nicht jeden Monat Platten releasen. Vielleicht kommt auch mal sechs Monate kein Album, aber wir wollen den Kostenapparat so klein halten, dass man eben keinen Druck bekommt, Dinge zu machen, die den Leuten gefallen müssen. So kommen doch in erster Linie die besten Sachen raus.

Debug: Aber ist das Labelmachen erfüllend oder nur Mittel zum Zweck, sich Platten für die eigene Tasche zu pressen?

Koze: Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Arbeit wird. Es ist was anderes, es ist schön und fühlt sich gut an. Man merkt und spürt wieder was und findet auch heraus, dass es gar nicht so schwierig ist, einer Sache wieder ein anderes Gefühl zu geben. Es geht ja immer um Menschen und ihre Konstellationen und im Moment ergibt sich das alles so. Musik aus einem Freundeskreis der Enddreißiger-Technojünger eben.

Koze Isolée (Adrian Crispin)

Debug: Heißt das, dass du über die junge Generation zuweilen verärgert bist?

Koze: Nein, so ist es ja nicht. James Blake finde ich unglaublich inspirierend. Ich weiß nicht, womit er aufgewachsen ist, aber seinen jungen Background setzt er mit seinen Mitteln sehr spannend um. Oder auch die jüngeren Leute bei Dial. Vielleicht war es einfach eine Zeitfrage, bis ich das Bedürfnis verspürte, mir so eine Plattform aufzubauen. Ich finde es interessant, die Sache auch von außen zu betrachten. Nach der ersten Maxi von den Vögeln haben wir zum Beispiel Demos bekommen, wo Trompeten-Techno drauf stand. Die habe ich sofort in den Papierkorb geschmissen. Es geht doch nicht darum, einen speziellen Sound zu machen, sondern Sachen aufzutun, die einen Beitrag zu etwas Bestehendem leisten. Insgesamt bekommen wir aber gar nicht so viele Demos, was auch daran liegen mag, dass die Leute nicht so wirklich wissen, was wir eigentlich wollen. Jetzt kommt nach der Isolée-Platte das Album von Robag. Quasi eine Luxussituation, dass man mit zwei so feinen Scheiben an die Öffentlichkeit treten kann. Vor allem, da die beiden auch irgendwie miteinander schwanger gehen. Es hört sich im Zusammenhang sehr schlüssig an.

Debug: Bei den bisherigen Releases hatte man auch nicht den Eindruck, dass es sich dabei um eine lokale Hamburger Szene dreht.

Koze: Es gibt ja so etwas wie einen überregionalen Freundeskreis. Da man doch öfter zusammen spielt, sich remixt und dadurch auch eine Art Familie geformt hat. Man tauscht Tracks aus, die nicht releast werden und irgendwann kam so viel Gutes hervor, dass ich mich fragen musste: Es wirkt doch alles homogen, wieso sollte ich das nicht selber machen. Da war eine Kraft zu spüren, zumal es immer sehr subjektiv ist, was homogen klingt und was nicht. Für mich heißt homogen, wenn es nicht gleichförmig ist, aber in sich seine Berechtigung hat und einen kleinen Planeten darstellt. Warp klingt für mich noch immer homogener als ein Deephouse-Label, das immer wieder gute Platten macht, aber auf einer Schiene bleibt. Daran bin ich gar nicht interessiert. Wir sind wohl alle sehr wählerisch und relativ schnell gelangweilt. Gerade, weil man jahrelang diese Musik hört. Früher war man viel euphorischer. Das wichtigste ist, das es einen selber unterhalten kann.

PAMPA003 – DJ Koze – Rue Burnout by Pampa Records

Debug: Du machst das Label mit Marcus Fink zusammen. Habt ihr die klassische Arbeitsteilung? Er Schreibtisch, du A&R?

Koze: Marcus hat früher bei !K7 und später bei Get Physical gearbeitet und kann all die Sachen, die ich überhaupt nicht kann. Er hat tolle Verbindungen und schiebt alles an. Die Arbeitsbereiche überschneiden sich dann aber doch immer wieder, was ich auch damit meinte, dass es mehr Arbeit sei als erwartet. Annabelle Pain ist auch noch dabei und Marcus ist ein bisschen das Senkblei für uns beide. Der Neutralisierer. Einige freie Leute sind auch noch dabei.

Debug: Auch wenn du meinst, dass ihr low key verfahren wollt, geht Pampa mit mindestens drei Alben für 2011 schon andere Wege, als weiterhin 500er Vinyl-Auflagen zu pressen.

Koze: Es geht natürlich am Ende schon um die Übernahme, die World Domination, erstmal understate anfangen und 2012 geht es dann ab. Deshalb arbeiten wir auch gerade an Deals mit der WEA … (schweigt, guckt schelmisch ernst und muss lachen) Nein, natürlich nicht. Auf keinen Fall die Weltherrschaft, aber eine Sekte eben. All die Fehler, die wir jetzt mit dem Isolée-Album machen, aus denen lernen wir und machen es Ende 2011 mit jüngeren Künstlern wieder wett (lacht). Ich freue mich einfach sehr über die kommende Musik. Die Vögel machen grad ganz außerirdische Musik, die recht wenig mit der ersten Maxi zu tun hat. Sie denken sich eine ganz eigene Nische aus. Zwischen Moondog und Sektenmusik, zwischen gerader Bassdrum und Wolfgang Voigt‘scher Minimaldenke. Das Robag-Wruhme-Album ist hingegen ganz sanfte, zurückgenommene Erik-Satie-Technomusik. Er hat sich ein bisschen selber neu erfunden. Pampa ist halt ein Auffangbacken für Langzeitsurfer. Da kommen die schönsten Sachen bei raus, wenn man sich lange mit etwas beschäftigt hat. Die Sounds sind ja alle so, dass man sie gerne noch einmal hört und eben nicht nur kurz kicken. Mein Album wird kommen, wenn ich mal fertig bin. Christopher Rau hat auch ganz tolle Tracks für uns gemacht. Ich hätte aber auch Lust auf Ambient. Es soll von vornherein offen bleiben.

http://www.pamparecords.com

Aus dem Special in De:Bug 149: Pampa Records

3 Responses

  1. Thomas

    Koze muss DAVON nicht leben ;-=