DJs sind Objekte der Begierde. Damit diese Begierde nicht ungestillt bleibt, baut Julia Lipinsky euren Lieblings-DJ als täuschend echte Hampelpuppe nach. Ihr habt's in der Hand.
Text: Sandra Sydow aus De:Bug 95

Ricardo aus der Puppenkiste
DJ-Puppen

Welcher Club-Veteran träumte nicht schon immer davon, den DJ endlich mal nach seiner Nase tanzen zu lassen? Scheiß Sets, schmerzhafte Übergänge, Koksnasen und E-Talking: Geht doch nach Hause! Wenn man könnte, wie man wollte, und endlich eingreifen dürfte. Zum Üben haben wir jetzt was. DJ-Puppen, tanzbare, kleine Versionen eines originalen Profiplattendrehers. Ursprünglich als Freundschaftsgeschenk gedacht, tunt Julia Lipinsky ihre so genannten Babymänner bzw. tatsächlich Big-Jim-Puppen zu dackeligen Wackel-DJs. Die Dummies in Form des All-Star-Teams der De:Bug sind schon zu bestaunen und weitere werden folgen. Zorak, Double Trouble und Commando Jeff ade. Wem Young Thaddeus und Accido Domingo nicht genug sind, der darf gerne für einen ordentlichen Batzen Westgeld seinen ganz persönlichen DJ als Einzelanfertigung anfordern. (Kontakt über: j.lipinsky@koerperbau.net) Einmal Augsburger Puppenkiste mit DJ Hell, endlich auch Villalobos zum Zappelphilipp machen, der er ist, oder ganz klassisch Juan Atkins für die Wohnzimmerdekoration. Ein Big Jim dient dabei, wie erwähnt, als Rohling und wird – wie bei modernster plastischer Chirurgie – aufgeschnitten, zerstückelt und mit Modeliermasse dem menschlichen Vor- und Ideal-DJ-Bild optisch angepasst. Leibesfülle und Muckiarme vom Scratchen sind hierbei kein Problem. Der jeweilige klassische Gesichtsausdruck und die typische Körperhaltung beim Auflegen können durch diese Herstellungsart ebenfalls nahezu eins zu eins wiedergegeben werden. Die Puppen werden an einer Feder aufgehängt und wenn man an ihrem Bein zieht, geben sie total Gas hinter ihren Turntables. Trotz der traurigen, aber gut endenden phantastischen Geschichte des italienischen Autors Carlo Lorenzini sollte man sich hüten, den Vergleich zu Gepetto und Pinocchio anklingen zu lassen. (“Gepetto, ich bin ein echter DJ!“) Chucky kommt einem da eher in den Sinn: “Die Spielzeugfabrik hat ihn unvorsichtigerweise repariert, und jetzt treibt er wieder sein Unwesen: böse und gemein, immer begierig, seine Mitmenschen in den Tod zu treiben. Denn hinter dem hübschen Puppengesicht steckt in Wahrheit ein verhexter Massenmörder. Und wer in Chuckys mörderische Puppenhände gerät, stirbt keinen leichten Tod.” Kommt bekannt vor? Wir sehen uns: auf dem Floor.

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Elektronische Lebensaspekte.