ueberarbeitung
Text: gregor wilderman aus De:Bug 02

DMX-Krew – Your old Bass Potato

Gregor Wildermann
gregor@berlin.snafu.de

Wo fängt Retro an und wo hört es auf? Darf ich noch ein BMX-Fahrrad besitzen, ohne daß meine Plattensammlung mindestens im Jahre ’88 aufhört, weil danach sowieso nichts Gutes mehr kam? Gute Fragen und keine Antwort. Afrika Bambaataa is all around, Grandmaster Flash legt auch in D-Land auf und selbst der fast gelähmte DJ Kool Herc springt aus der Mottenkiste oder aus deinem nächsten Ghettoblaster. Depth Charge featuren BeatClassics und machen Second-Hand-Plattendealer arbeitslos und eine 808 ist ja auch nicht mehr zu bezahlen. Rock till you don’t stop! Schooly D wird planungsgemäß (ich hab es immer gewußt) reanimiert und ist beim Mekon-Album auf Wall of Sound dabei. Zwischendurch geht man in Star Wars und weiß, daß nur das Orginal von ’77 was wert ist. ColdCut machen mit Beats+Pieces ein Album, was jeden DMC-Meister an Ideenarmut sterben läßt. Mixen und Scratchen ist überhaupt oben auf, bei MTV genauso wie im neuesten Grand Royal-Magazine. Und warum schreibe ich jetzt so ein zeichenlanges Intro mit 1009 Buchstaben?

Weil Ed DMX so etwas wie die Eisbergspitze dieser ganzen Ausgrabungsaktion ist. 24 Jahre alt, aus Tufnill Park im Norden von London und mit einem gelegentlichen Job im Ambient-Soho (wegen Erfolg aufgegeben). Wenn sein neuestes Stück “You can’t hide your love” mit den Vocals von Sängerin Tracy erklingt, dann muß die Geschichte der DMX-Krew erzählt werden: “Eric und Rob von Shiver-Records (die auch noch hinter DAP und Electrik stehen) hatten von Claire (Clear-Records) eine Demotape von mir bekommen, von dem sie eine Platte machen wollten. Auf der Platte stand dann meine Telephonnummer und Grant (Rephlex-Records) rief mich deswegen an, weil sie ihm sehr gut gefiel. Ich meinte daraufhin: Gib mir einen Deal und wir sind im Geschäft. Bis zur Platte dauerte es dann zwar noch ein Jahr, aber jetzt läuft es sehr gut.”
Gleich zu Anfang die LP “Sound of the Street”, mit Graffitti auf dem Cover und einer Cowbell im Herzen. Und immer wieder Liveauftritte mit Memorymoog, Mikrophon und eigenem Gesang, unter anderem auch im Millenium-Club in München und im Ultraschall. “Als Elektro in den Clubs gespielt wurde, war ich um die 12 Jahre alt. Da ich aber dafür zu jung war, waren Tapes sehr wichtig für mich. Das ist die Musik, die ich liebe. Vom Stil ist es Old-School Electro mit HipHop Einflüssen. Aber das ist eben nicht alles.” Hört man ihn live, rührt es derart an Erinnerungen, daß einem das Poesiealbum aus dem Schrank fällt. So würde Andreas Dorau klingen, wenn er Breakdance gemocht hätte. “Meine Musik soll jetzt nicht irgendwie lustig klingen, dafür liebe ich sie zu sehr. Man muß das aber alles auch nicht so ernst nehmen.”
Das Wort Retro kennt er nicht und dreht es jedem im Munde zu Respekt und Neuanfang um. “Es ist fast unmöglich geworden, etwas völlig Neues zu erfinden. Nimmt man einen schon bestehen Style und addiert neue Elemente, wird man trotzdem immer wieder was nach vorne bringen. Für mich waren die besten Platten im Jahr ’96 die Dr. Breaks auf Shiver (One-sided 12″), fast alles von Aux 88, UR und dem JeapBeat-Collective aus Manchester. Völlig verschiedene Menschen, aber alle mit gleichen Roots.”
Seinen technischen Ansatz findet man natürlich im Old-Gear, auch wenn der seine Tücken hat. “Ich habe recht viele analoge Synthesizer, schlage mich aber nicht mit alten Drummachines herum, da die schwer zu synchronisieren sind. Ich sample die Drums und arrangiere damit die Tracks. Wie der Name schon sagt, benutze ich das DMX-Kit, eine 808 und manchmal auch einen Live-Baß.” Doch die Geschichte von Ed DMX hört hier noch nicht auf. Denn es gibt Orte, da stiften Gleichgesinnte direkt neues Unheil und wieder müssen arme Vinylpressen viel arbeiten. “Bestes Event ’96 war für mich das UK-Breakdance-Championchip in Sheppards-Bush mit Schooly-D und RockSteadyCrew live und dort traf ich auch Adrian Ratha, der auf meinem Brakin’-Label eine Platte machen wird.” Er setzt auf den richtigen Roboter und gründet natürlich das eigene Label Brakin’Records (siehe 96 Buchstaben vorher). Sein erstes Release (DMX Krew – Rock your body/DMX Bass) und auch das zweite läßt, trotz des Tarnkappentitels “Bass Potato”, den Vater ahnen. “Wenn ich ganz ehrlich bin, ist das auch meine Platte. Ich habe halt gerade mit dem Label angefangen und kann keine Unsummen an Künstler zahlen.” Damit sich das ändert, kommt jetzt sein neues Album “Ffressshh!” heraus und das wird auch gleich mit dem Startup des neuen Rephlex-Clubabends “Rephresh” gefeiert. Immer Montags im SoundShaft-Club (Hungerford Lane, nahe Charing Cross) gibt es für bescheidene 3.03 (Nomen est Omen) Pfund Eintritt das ganze Rephlex-Universum in Auszügen und Qualitätsclips.
Für sein eigenes Label hat er neue Talente wie die Bass Junkies Thing (“Breakers Throwdown”) oder die Computer Rockers (“Computer Rock”) verpflichten können. Eine ganz andere Allianz schmiedete er mit DJ Hell und seinem Gigolo-Label, wo demnächst eine Platte von Ed “Emporio” DMX erscheinen soll. “Ich habe das Tape geschickt, aber noch nichts von ihm gehört. Die ersten Versionen gefielen uns beiden nicht und jetzt werden wir wohl den neuen Track auch mal mit japanischen, deutschen und englischen Vocals machen. Hell wird hoffentlich für Brakin’ eine Art Austauschplatte machen und da bin ich schon gespannt, was dabei herauskommt.”
Wann hast Du Staalplaat gegründet?

Es war 10 Uhr an einem Donnerstag im Jahre 1965, und es war Winter, und dann habe ich meinen Entschluß gefaßt, aber festgestellt, daß die Zeit noch nicht reif war. 1981 war die Zeit dann gekommen.

Wie und besonders warum wurde Staalplaat gegründet?

Warum wandeln Menschen auf der Erde, warum tun wir, was wir tun? Ich weiß es nicht, und wenn du meinst es zu wissen, glaube ich dir nicht. Wie? Wir haben einen Laden besetzt, indem wir die Tür aufgebrochen haben. Ich hatte ein selbstgezeichnetes Poster, auf dem Staalplaat stand, ein open/closed-Schild, zehn Platten und eine leere Zigarrenbox fürs Geld.

Wann hast Du Staalplaat gegründet?

Es war 10 Uhr an einem Donnerstag im Jahre 1965, und es war Winter, und dann habe ich meinen Entschluß gefaßt, aber festgestellt, daß die Zeit noch nicht reif war. 1981 war die Zeit dann gekommen.

Wie und besonders warum wurde Staalplaat gegründet?

Warum wandeln Menschen auf der Erde, warum tun wir, was wir tun? Ich weiß es nicht, und wenn du meinst es zu wissen, glaube ich dir nicht. Wie? Wir haben einen Laden besetzt, indem wir die Tür aufgebrochen haben. Ich hatte ein selbstgezeichnetes Poster, auf dem Staalplaat stand, ein open/closed-Schild, zehn Platten und eine leere Zigarrenbox fürs Geld.

Wie kamst Du auf den Namen “Staalplaat”?

Es klingt ziemlich stark und wuchtig, hat aber keine Bedeutung. Der Name ist also offen und zeitlos.

War Staalplaat von Anfang an als Label, Laden und Distributionssystem geplant?

Nein, nichts war geplant. Wir sind da reingewachsen. Wir haben als Laden begonnen, haben dann Konzerte organisiert, haben unsere Radiosendung bekommen und angefangen, Musik zu veröffentlichen. Nichts war geplant, und so ist es immer noch. Wir planen überhaupt nicht.

Was hat Dein Interesse an experimenteller, elektronischer Musik geweckt?

Wir waren an experimenteller, elektronischer Musik gar nicht interessiert, sonder in Kassettenmusik. Es hat sich dann so ergeben, daß viel experimentelle, elektronische Musik drauf war.

Ist Staalplaat neben dem Laden, dem Label und dem Vertriebsnetz in anderen Bereichen tätig?

Ja, wir tun, was immer wir tun wollen. Zur Zeit arbeiten wir an einer neuen website und an Festivals. Außerdem gibt es acht Bands mit Staalplaat-Mitgliedern.

Welche sind die Veröffentlichungen, auf die Du am meisten stolz bist?

Hmm, schwer. Einige sind sicherlich grafische Meisterstücke. Aber ich denke, Du sprichst von Musik. Das variiert; Ich bin stolz auf einige Veröffentlichungen, die wir ohne viel Hoffnung auf Erfolg herausgebracht haben. Aber ich fühle mich am wohlsten, wenn ich das ganze Werk betrachte. Nimm zum Beispiel die Sonderangebot-CD (sorry, ausverkauft). Darauf bin ich stolz.

Gibt es Veröffentlichungen, bei denen Du im heute sagen würdest, daß Du sie bedauerst, veröffentlicht zu haben?

Nein, nicht wirklich. Machmal pressen wir zu viel Exemplare und haben sie dann am Hals.

Wer arbeitet heute für Staalplaat?

Nicht wichtig. Darauf will ich nicht eingehen.

Steve Pickton meets Op-Art

Gregor Wildermann
gregor@berlin.snafu.de

Was wurde eigentlich noch mal aus Intelligent Techno? Eine Frage die momentan vermutlich mehr Berechtigung und vor allem auch mehr Ironie hat, als man sich damals als B12, ART, Black Dog usw. ihre ersten Labelgehversuche starteten, vorstellen konnte. Die als Weiterentwicklung von Detroit Techno gedachte Musik konvergierte irgendwann vor nicht allzulanger Zeit mit einer neuen Welle von HipHop- und Funkeinflüssen und fand sich auf richtig hippen Labeln wie Clear in Packpapiercovern wieder, die das Revival von Elektro mit ihrer ganz eigenen Art von Humor feierten. Selbst Leute, die sich in den Rillen von “Strings Of Life” auskennen wie auf ihrer alltäglichen Nachhausewegautobahnstrecke, Leute wie Kirk De Giorgio, der zu dieser Zeit sein neues Label Op-Art gründete und mit der Veröffentlichung von Photek endgültig die Brücke schuf zwischen jahrelang verfeindeten Szenen, wußten auf einmal in ihren Tracks eigene Geschichten zu erzählen und versammelten ihre alten Freunde um sich, um der Genreversessenheit aller wieder einmal ein paar unverdauliche Brocken von unnachgiebig stilvoller Stillosigkeit zwischen die Beine zu werfen. Steve Pickton ist ein so typischer Vertreter dieses Genres, daß man erst jetzt seinen wirklichen Namen bemerkt und ihm einfach mal ein paar intelligente Fragen stellt.
PS: Wer weiß was aus Radioactive Lamb geworden ist, der melde sich bitte bei uns.

Wofür steht der Name Stasis?

SP: Ich bin ein Science-Fiction-Fanatiker und in einer alten Story von Larry Niven kommt dieser Name vor. Auf meinem ersten Album “InspirationÒ (Peacefrog-Records) habe ich ihm den Track “World out of time Ò gewidmet. Stasis ist soetwas wie ein Stillstand des Lebens, bei dem die Blutzirkulation verlangsamt ist. Ich habe das Wort zuerst in diesem Buch gelesen und irgendwie bekam ich es nicht mehr aus dem Kopf. Ich wollte immer ein Pseudonym, das ich mag und keine Konnotationen für mich hat. “Stasis” war etwas, das gut aussah und gut klang.

Manche deiner Platten erscheinen unter Stasis und andere wieder unter Paul W. Teebrooke. Gibt es dafür nur einen musikalischen Hintergrund?

SP: Eigentlich ist es mehr ein persönlicher Grund. Ich wurde sehr jung adoptiert und damals war Paul W. Teebrooke mein richtiger Name. Die Musik ist von mir, es ist irgendwie das gleiche, eben auch nur ein Pseudonym. Vielleicht ist die Musik etwas funkiger und auch etwas seltsamer als eine Stasis-Platte. Eine Menge meiner Musik ist ziemlich persönlich. Sie ist irgendwie melancholisch mit ihren Melodien und Harmonien.

Bisher haben nur sehr wenige wie z.B. Photek auf Op-Art veröffentlichen können. Wie kam der Kontakt zustande?

SP: Wir kannten uns noch aus den Tagen als ich für sein ART-Label, unter dem Namen Phenomyna gearbeitet habe.

Du hast dein ’96-Album auf Peacefrog-Records “From the Old to the New” genannt. Damit ließe sich sicherlich die momentane musikalische Entwicklung beschreiben. Wie hast du diesen Titel gemeint?

SP: Ich war schon seit 1991 immer sehr stark von Musik aus Detroit beeinflußt, ich habe Detroit Tracks gemacht und was davor war vergessen. Keine Einflüsse dieser Zeit hatten irgendeinen Platz. Zufällig traf ich ein paar Freunde wieder, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte, Freunde aus meiner Hip Hop und Funk Zeit. Ich ging wieder zu Hip Hop Oldschool Events, hing wieder mit dieser Crowd rum. Ich wußte plötzlich wieder, daß ich diese Musik liebe. Außerdem langweilte mich die grade Bassdrum. Es war einfach eine natürliche Entwicklung und die ganzen Tracks der LP entstanden so um 95. Der Titel, den ich eigentlich haben wollte, war: “From the Old to the New and back again”. Wie ein Kreislauf. Aber die Leute bei Peacefrog fanden das etwas strange und da mußte ich ducken.

Das Album-Artwork spielt aber auch auf diesen Titel an.

SP: Ja, es ist wie ein Kreislauf. Eine Endlosschleife. Am Ende befindet sich doch alles in einem Kreislauf und was einmal da war, kommt auch wieder. Aber es kommt in einer neuen Form, gemischt mit etwas anderem und das wollte ich auch mit meiner Musik erreichen. Ich weiß allerdings nicht, ob das rüberkommt.

Du hast bisher zwei Alben auf Peacefrog herausgebracht. Wirst du mit weiter mit ihnen arbeiten?

SP: Pete von Peacefrog ist einfach ein netter Kerl. Wir verstehen uns gut und sind beide Vinylmaniacs. Wir haben beide einen etwas seltsamen Humor und mir ist es sehr wichtig, mit jemand zu arbeiten, der nicht auf einem Business Level lebt. Ich betrachte das Label auch nicht danach, ob ich mit meinem Sound da reinpasse oder nicht. Es ist lediglich ein Transportmedium für meine Musik. In letzter Zeit habe ich aber schon lang nichts mehr von Pete gehört und deswegen weiß ich nicht, was er so vor hat.

Viele Musiker sehen in ihrem Equipment den Schlüssel zum Erfolg. Wie essentiell ist dir dein Set-Up?

SP: Ich habe recht viele analoge Synthesiser und das einzige neue ist ein Kurzweil Sampler. Die letzten LPs hatte ich noch mit einem S 950 gemacht, der noch nicht mal mehr Arbeitsspeicher hatte. Ich denke der musikalische Input ist wichtiger.

Hast du jemals was anderes gearbeitet?

SP: Ja, in Büros, das habe ich gehasst. Vollkommen hirnlos. Übrigens auch hirnlose Menschen. Als ich die Schule verlassen hatte, hatte ich so 15 Jobs im Jahr. Angefangen, zwei Tage gearbeitet, und es gehasst. Ich hatte mal einen Job als Messenger im Finanzdistrikt. Da habe ich auch Mark Broom getroffen.

Du machst ja auch noch dein eigenes Label und wirst in nächster Zeit ein Album auf Mo’Wax veröffentlichen.

SP: Mein eigenes Label heißt Otherworld Recordings und da waren drei Releases von mir und die letzte in Kooperation mit Mark Broom. Wir hatten schon früher unter dem Namen Cape Illmeister zusammen produziert.
Ich weiß noch nicht, ob ich das Album auf Mo’Wax unter dem Namen Stasis herausbringe, weil es wohl am Ende eher anders klingen wird. Noch habe ich aber Zeit und es ist auch noch kein Release-Date vereinbart. Ich nutze meine Zeit ganz gut, schlafe meistens nur 4 Stunden pro Nacht und kann deswegen die meiste Zeit im Studio verbringen. Im Moment arbeite ich auch an meiner PA für das Phönix-Festival und das wird auch einer meiner eher seltenen Live-Auftritte werden, denn ich möchte das wirklich nicht zu oft machen. Manchmal lege ich noch auf, aber das ist es dann auch schon. Beim Festival trete ich zusammen mit B12 auf der “Think Stage” auf und wegen Mike und Steve habe ich auch zugesagt.

Hast du als Science Fiction Fan Pathfinder verfolgt?

SP: Ich hab mir ein bißchen im Fernsehn angesehen und sie hören nicht auf zu erzählen, daß sie alle Daten veröffentlichen und sie ins Internet legen. Aber ich habe keinen Internetzugang und möchte wirklich ganz genau rausfinden, was da so vor sich geht. Ich möchte einfach alles über die gesamte Mission wissen.

Kasten:
Discography:

Stasis

“Point of no returnÒ EP (B12-11 Records)
“InspirationÒ LP (Peacefrog 028)
“From the Old to the NewÒ LP (Peacefrog 046)
“Sound of StasÒ EP (Multiplex Records 015)
“In from the cold / Time in advance / Warrior / AltaresÒ (Mo’Wax Excurcions 008)
“MonolifeÒ auf Likemind 03
“But Not QuiteÒ TRANCE EUROPE EXPRESS 5 (Volume Records)
“Once around the moonÒ Freezone 4-Sampler (SSR Records)
“DiskotronÒ (Mo’Wax Headz-Sampler)
“SolitudeÒ (The Kudos Digest-Sampler)
Header CD-ROM

Paul W. Teebrooke:
Otherworld Recordings 001/002/003
Nova EP (Op-Art 04)
Connections LP (Op-Art OP6CD)

Phenomyna

Phenomyna – Unexplained CD (ART 5)

Remixe:

IO – Libre (Stasis Remix) Mo’Wax MWEX002
Clatterbox – Spatz (Paul W. Teebrooke Remix) Clear-Records clr421
Gibt es Labels, mit denen Du besonders kooperierst?

Wir haben normale Kooperationen mit Multimood, Side Effects etc., und wir besitzen u.a.: Lab Records, Barooni, Container. Unsere Zusammenarbeit mit Soleilmoon sieht etwas spezieller aus: wir haben die selben Bands unter Vertrag, und diese Verträge sind zwischen uns dreien abgeschlossen. Soleilmoon und wir haben den selben Geschmack und die selbe Einstellung. Wir vertrauen einander.

Wie war es Deiner Meinung nach möglich, Staalplaat zu dem großen Unternehmen zu machen, das es heute ist?

Woher soll ich das wissen? Richtige Zeit und richtiger Ort womöglich.

Nach welchen Kriterien beurteilst Du ein Tape von einem unbekannten Musiker, der auf Staalplaat veröffentlicht werden will?

Es gibt keine Kriterien, das Unbeurteilbare zu beurteilen. Es beruht auf instinktivem Gefühl und Verstand.

Siehst Du eure Veröffentlichungen in irgendeiner Hinsicht als subversiv an?

Überhaupt nicht. Das klingt politisch, und ich HASSE Politik.

Wie ist Deine persönliche Beurteilung der Entwicklung experimenteller Musik vom Zeitpunkt des Beginns von Staalplaat bis heute? Gibt es Bands, Aspekte o.ä., die Du heutzutage vermißt?

Wir tun das seit 15 Jahren, und ich glaube, daß das zu kurz ist, um eine Entwicklung zu sehen. Ich vermisse nichts. Das würde nach Nostalgie riechen: the old days, man, the old days…

Fühlst Du dich in irgendeiner Weise für die Musiker und Musikerinnen, denen Du die Chance gibst, ihre Musik zu veröffentlichen, verantwortlich? Ich meine, viele unter ihnen würden ohne Staalplaat wohl immer noch zu Hause sitzen und ihre Musik spielen, ohne die Gelegenheit, Leute wissen zu lassen, was sie eigentlich tun. Diese Frage impliziert auch, wie Du eure Rolle im weltweiten, experimentellen Musikbusiness ansiehst.

Nein, ich fühle mich keineswegs verantwortlich. Das würde eine vaterähnliche Rolle implizieren. Wir glauben, daß es die Rolle von Staalplaat ist, vorne zu sein (Avantgarde in seiner ursprünglichen Bedeutung). Wir wollen, daß Staalplaat eine Plattform für neue Entwicklungen und Bands ist, was aber nicht aus einem sozialen Gefühl heraus geschieht, sondern eher aus einem Kunstinteresse und unserer Liebe zur Musik.

Deine nächsten Pläne?
Lebendig und aktiv zu bleiben.Wie kamst Du auf den Namen “Staalplaat”?

Es klingt ziemlich stark und wuchtig, hat aber keine Bedeutung. Der Name ist also offen und zeitlos.

War Staalplaat von Anfang an als Label, Laden und Distributionssystem geplant?

Nein, nichts war geplant. Wir sind da reingewachsen. Wir haben als Laden begonnen, haben dann Konzerte organisiert, haben unsere Radiosendung bekommen und angefangen, Musik zu veröffentlichen. Nichts war geplant, und so ist es immer noch. Wir planen überhaupt nicht.

Was hat Dein Interesse an experimenteller, elektronischer Musik geweckt?

Wir waren an experimenteller, elektronischer Musik gar nicht interessiert, sonder in Kassettenmusik. Es hat sich dann so ergeben, daß viel experimentelle, elektronische Musik drauf war.

Ist Staalplaat neben dem Laden, dem Label und dem Vertriebsnetz in anderen Bereichen tätig?

Ja, wir tun, was immer wir tun wollen. Zur Zeit arbeiten wir an einer neuen website und an Festivals. Außerdem gibt es acht Bands mit Staalplaat-Mitgliedern.

Welche sind die Veröffentlichungen, auf die Du am meisten stolz bist?

Hmm, schwer. Einige sind sicherlich grafische Meisterstücke. Aber ich denke, Du sprichst von Musik. Das variiert; Ich bin stolz auf einige Veröffentlichungen, die wir ohne viel Hoffnung auf Erfolg herausgebracht haben. Aber ich fühle mich am wohlsten, wenn ich das ganze Werk betrachte. Nimm zum Beispiel die Sonderangebot-CD (sorry, ausverkauft). Darauf bin ich stolz.

Gibt es Veröffentlichungen, bei denen Du im heute sagen würdest, daß Du sie bedauerst, veröffentlicht zu haben?

Nein, nicht wirklich. Machmal pressen wir zu viel Exemplare und haben sie dann am Hals.

Wer arbeitet heute für Staalplaat?

Nicht wichtig. Darauf will ich nicht eingehen.

Gibt es Labels, mit denen Du besonders kooperierst?

Wir haben normale Kooperationen mit Multimood, Side Effects etc., und wir besitzen u.a.: Lab Records, Barooni, Container. Unsere Zusammenarbeit mit Soleilmoon sieht etwas spezieller aus: wir haben die selben Bands unter Vertrag, und diese Verträge sind zwischen uns dreien abgeschlossen. Soleilmoon und wir haben den selben Geschmack und die selbe Einstellung. Wir vertrauen einander.

Wie war es Deiner Meinung nach möglich, Staalplaat zu dem großen Unternehmen zu machen, das es heute ist?

Woher soll ich das wissen? Richtige Zeit und richtiger Ort womöglich.

Nach welchen Kriterien beurteilst Du ein Tape von einem unbekannten Musiker, der auf Staalplaat veröffentlicht werden will?

Es gibt keine Kriterien, das Unbeurteilbare zu beurteilen. Es beruht auf instinktivem Gefühl und Verstand.

Siehst Du eure Veröffentlichungen in irgendeiner Hinsicht als subversiv an?

Überhaupt nicht. Das klingt politisch, und ich HASSE Politik.

Wie ist Deine persönliche Beurteilung der Entwicklung experimenteller Musik vom Zeitpunkt des Beginns von Staalplaat bis heute? Gibt es Bands, Aspekte o.ä., die Du heutzutage vermißt?

Wir tun das seit 15 Jahren, und ich glaube, daß das zu kurz ist, um eine Entwicklung zu sehen. Ich vermisse nichts. Das würde nach Nostalgie riechen: the old days, man, the old days…

Fühlst Du dich in irgendeiner Weise für die Musiker und Musikerinnen, denen Du die Chance gibst, ihre Musik zu veröffentlichen, verantwortlich? Ich meine, viele unter ihnen würden ohne Staalplaat wohl immer noch zu Hause sitzen und ihre Musik spielen, ohne die Gelegenheit, Leute wissen zu lassen, was sie eigentlich tun. Diese Frage impliziert auch, wie Du eure Rolle im weltweiten, experimentellen Musikbusiness ansiehst.

Nein, ich fühle mich keineswegs verantwortlich. Das würde eine vaterähnliche Rolle implizieren. Wir glauben, daß es die Rolle von Staalplaat ist, vorne zu sein (Avantgarde in seiner ursprünglichen Bedeutung). Wir wollen, daß Staalplaat eine Plattform für neue Entwicklungen und Bands ist, was aber nicht aus einem sozialen Gefühl heraus geschieht, sondern eher aus einem Kunstinteresse und unserer Liebe zur Musik.

Deine nächsten Pläne?
Lebendig und aktiv zu bleiben.DMX-Krew – Your old Bass Potato Gregor Wildermann gregor@berlin.snafu.de Wo fängt Retro an und wo hört es auf? Darf ich noch ein BMX-Fahrrad besitzen, ohne daß meine Plattensammlung mindestens im Jahre ’88 aufhört, weil danach sowieso nichts Gutes mehr kam? Gute Fragen und keine Antwort. Afrika Bambaataa is all around, Grandmaster Flash legt auch in D-Land auf und selbst der fast gelähmte DJ Kool Herc springt aus der Mottenkiste oder aus deinem nächsten Ghettoblaster. Depth Charge featuren BeatClassics und machen Second-Hand-Plattendealer arbeitslos und eine 808 ist ja auch nicht mehr zu bezahlen. Rock till you don’t stop! Schooly D wird planungsgemäß (ich hab es immer gewußt) reanimiert und ist beim Mekon-Album auf Wall of Sound dabei. Zwischendurch geht man in Star Wars und weiß, daß nur das Orginal von ’77 was wert ist. ColdCut machen mit Beats+Pieces ein Album, was jeden DMC-Meister an Ideenarmut sterben läßt. Mixen und Scratchen ist überhaupt oben auf, bei MTV genauso wie im neuesten Grand Royal-Magazine. Und warum schreibe ich jetzt so ein zeichenlanges Intro mit 1009 Buchstaben? Weil Ed DMX so etwas wie die Eisbergspitze dieser ganzen Ausgrabungsaktion ist. 24 Jahre alt, aus Tufnill Park im Norden von London und mit einem gelegentlichen Job im Ambient-Soho (wegen Erfolg aufgegeben). Wenn sein neuestes Stück “You can’t hide your love” mit den Vocals von Sängerin Tracy erklingt, dann muß die Geschichte der DMX-Krew erzählt werden: “Eric und Rob von Shiver-Records (die auch noch hinter DAP und Electrik stehen) hatten von Claire (Clear-Records) eine Demotape von mir bekommen, von dem sie eine Platte machen wollten. Auf der Platte stand dann meine Telephonnummer und Grant (Rephlex-Records) rief mich deswegen an, weil sie ihm sehr gut gefiel. Ich meinte daraufhin: Gib mir einen Deal und wir sind im Geschäft. Bis zur Platte dauerte es dann zwar noch ein Jahr, aber jetzt läuft es sehr gut.” Gleich zu Anfang die LP “Sound of the Street”, mit Graffitti auf dem Cover und einer Cowbell im Herzen. Und immer wieder Liveauftritte mit Memorymoog, Mikrophon und eigenem Gesang, unter anderem auch im Millenium-Club in München und im Ultraschall. “Als Elektro in den Clubs gespielt wurde, war ich um die 12 Jahre alt. Da ich aber dafür zu jung war, waren Tapes sehr wichtig für mich. Das ist die Musik, die ich liebe. Vom Stil ist es Old-School Electro mit HipHop Einflüssen. Aber das ist eben nicht alles.” Hört man ihn live, rührt es derart an Erinnerungen, daß einem das Poesiealbum aus dem Schrank fällt. So würde Andreas Dorau klingen, wenn er Breakdance gemocht hätte. “Meine Musik soll jetzt nicht irgendwie lustig klingen, dafür liebe ich sie zu sehr. Man muß das aber alles auch nicht so ernst nehmen.” Das Wort Retro kennt er nicht und dreht es jedem im Munde zu Respekt und Neuanfang um. “Es ist fast unmöglich geworden, etwas völlig Neues zu erfinden. Nimmt man einen schon bestehen Style und addiert neue Elemente, wird man trotzdem immer wieder was nach vorne bringen. Für mich waren die besten Platten im Jahr ’96 die Dr. Breaks auf Shiver (One-sided 12″), fast alles von Aux 88, UR und dem JeapBeat-Collective aus Manchester. Völlig verschiedene Menschen, aber alle mit gleichen Roots.” Seinen technischen Ansatz findet man natürlich im Old-Gear, auch wenn der seine Tücken hat. “Ich habe recht viele analoge Synthesizer, schlage mich aber nicht mit alten Drummachines herum, da die schwer zu synchronisieren sind. Ich sample die Drums und arrangiere damit die Tracks. Wie der Name schon sagt, benutze ich das DMX-Kit, eine 808 und manchmal auch einen Live-Baß.” Doch die Geschichte von Ed DMX hört hier noch nicht auf. Denn es gibt Orte, da stiften Gleichgesinnte direkt neues Unheil und wieder müssen arme Vinylpressen viel arbeiten. “Bestes Event ’96 war für mich das UK-Breakdance-Championchip in Sheppards-Bush mit Schooly-D und RockSteadyCrew live und dort traf ich auch Adrian Ratha, der auf meinem Brakin’-Label eine Platte machen wird.” Er setzt auf den richtigen Roboter und gründet natürlich das eigene Label Brakin’Records (siehe 96 Buchstaben vorher). Sein erstes Release (DMX Krew – Rock your body/DMX Bass) und auch das zweite läßt, trotz des Tarnkappentitels “Bass Potato”, den Vater ahnen. “Wenn ich ganz ehrlich bin, ist das auch meine Platte. Ich habe halt gerade mit dem Label angefangen und kann keine Unsummen an Künstler zahlen.” Damit sich das ändert, kommt jetzt sein neues Album “Ffressshh!” heraus und das wird auch gleich mit dem Startup des neuen Rephlex-Clubabends “Rephresh” gefeiert. Immer Montags im SoundShaft-Club (Hungerford Lane, nahe Charing Cross) gibt es für bescheidene 3.03 (Nomen est Omen) Pfund Eintritt das ganze Rephlex-Universum in Auszügen und Qualitätsclips. Für sein eigenes Label hat er neue Talente wie die Bass Junkies Thing (“Breakers Throwdown”) oder die Computer Rockers (“Computer Rock”) verpflichten können. Eine ganz andere Allianz schmiedete er mit DJ Hell und seinem Gigolo-Label, wo demnächst eine Platte von Ed “Emporio” DMX erscheinen soll. “Ich habe das Tape geschickt, aber noch nichts von ihm gehört. Die ersten Versionen gefielen uns beiden nicht und jetzt werden wir wohl den neuen Track auch mal mit japanischen, deutschen und englischen Vocals machen. Hell wird hoffentlich für Brakin’ eine Art Austauschplatte machen und da bin ich schon gespannt, was dabei herauskommt.”

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Elektronische Lebensaspekte.