Text: Sascha Kösch aus De:Bug 23

Die Bonner Pathfinder Crew besteht aus DJ Rinc, Labelmanager, DJ Basic, Thilo Goldschmidt aka Syncope und Basztart, und DJ Mariachi. Rinc hatte zusammen mit Mariachi und Basic so um ’96 angefangen mit einer Partyserie die sich damals Wicked Wax nannte. Als jemand von Dream Tone, einem Label aus dem Raum, auf ihn zukam um ihn zu fragen ob er nicht Lust hätte an einem Label mitzuarbeiten, war sein Vorschlag klar, laß es uns Wicked Wax nennen, und es entstand eins der frühen deutschen Drum and Bass Label. So entstand ein eher auf CD Compilations und gelegentliche Artistalben konzentriertes Label, das überraschend viele Tracks aus dem ganzen Land vorstellte, leider aber aufgrund des geringen Vinyloutputs nicht soviel Wirkung auf dem Dancefloor hatte. Letztes Jahr im Sommer entschied sich DJ Rinc dann, aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen, sein eigenes Label Pathfinder zu starten. “Dieser enorme Output an CD’s, da konnte ich nicht mehr hinterstehen. Auch das was an Vinyl veröffentlicht worden ist, hätte ich selber so nicht gemacht. Ich hatte einfach nicht mehr genug Freiraum.” Also erschien Ende des Jahres dann nach guten Vorbereitungen die erste EP von Syncope, in sehr jazzig vertrackten aber trotzdem extrem knalligen Arrangements mit Planet Pixel Cover, es gab einige Release- und Labelpartys rings um den Köln-Bonner Raum, gerne im Gebäude 9, und man merkte ihnen die lange Schule der Professionalität sofort an. Stilistisch wollen sie sich, die alle auch verschiedene Styles auflegen, von Opticallastig, über Bristol, bis hin zu Amenoldschool, aber keinesfalls festlegen. “Man wird Pathfinder nicht nach der ersten Platte beurteilen können, denn es wird tatsächlich doch Dancefloororientierter weitergehen. Aber kein JumpUp.” Basztart oder Syncope wie er sich nun nennen muß, da er bei Basswerk einen Vertrag abgeschlossen hat, der Basztart als Name für 5 Jahre auf Eis legt, ist wohl der bekannteste aus der Crew. Mit diversen Releases, vor allem auf Basswerk, aber auch den unzähligen Wicked Wax Compilations, bekannt geworden als Amenspezialist, hat er sich mit Syncope, das zum Teil von Mariachi mitproduziert wurde auf einen ganz anderen Stil eingelassen. Funky wie die schrägsten Don Q Sachen, mit vielen verspielten aber auch irgendwie technoiden Jazzelementen setzte die EP einfach einen neuen Style. “Es ist zum ersten Mal daß von mir etwas auf Vinyl erschienen ist, das nicht von vorneherein in eine determinierte Richtung gedrängt worden ist. Ich mag es in Styles zu arbeiten in denen man experimentieren kann, weil man sich grade da entwickeln kann. Es ist schon recht eigenständig, und dabei trotzdem abgegrenzt. Ich benutze auch nur eigene Samples. Es ist mir wichtig daß man den Schweiß auch wirklich hört.” Froh mit einem Label, das auch für ihn existiert, und dessen Organisation er nicht selber übernehmen muß, geht er seit einiger Zeit relaxter an seine Tracks ran. Die Phase bei Wicked Wax und Basswerk war gut, wie auch die Zusammenarbeit für die Zeit, aber er ist auch genau so froh jetzt präziser an seinem Sound arbeiten zu können, mehr Luft zum atmen zu haben. “Ich habe mich meiner Wurzeln besonnen und bin wieder zurück in den Schoß der Stadt Bonn gekommen. Ich war ein Bonner in Köln, so wie DJ Basic auch. Köln steht für etwas, Berlin, Hamburg, aber Bonn? Das kennt keiner. Und darum soll es bei Pathfinder auch gehen, dafür soll es auch stehen können.” Die Zukunft? “Was sehr interessant ist, ist einerseits das flüssig machen. Musik machen die nicht mehr nach Samples klingt, so wie auf der ersten Pathfinder EP, auf der anderen Seite aber auch die Stakkatos, das technisieren von Musik. Die beiden Extreme als Feld auszuarbeiten ist mir wichtig.” Es ist immer gut, grade in finanziell eher mauen Zeiten genau an dem arbeiten zu können was einen am meisten interessiert. “Mich wundert es warum manche Leute so abgehen als wäre in dem Business große Kohle zu holen. Oder geht sie einfach nur immer an mir vorbei und ich mache alles falsch? Ich verstehe nicht warum manche Leute Poplegenden werden wollen. Es geht doch darum Musik zu machen.” DJ Basic hatte vor vielen Jahren schon Partys mit Shake Up’s X-Plorer veranstaltet. Er ist die direkte Köln Connection der Crew, und ist auch heute noch ein Teil der Shake Up DJ Crew. “In Bonn ist zur Zeit einfach auch nichts los. Es fehlt einfach an Locations, an brauchbaren, die Pathfinder Partys machen wir ja auch eher in Köln, obwohl dort die Situation auch ähnlich ist, und viele der Orte an denen man was machen könnte einfach entweder vom Sound, den Veranstaltern, oder einfach den umständen nicht OK sind. Da wird man ja schon rausgeworfen wenn man kiffen will. Und dann kommt irgendwann auch keiner mehr. Die Art von Veranstaltung ist wohl erst mal gelaufen.” Bald wird ja dann Bonn sehr leer. Verlassene Bundestagsgebäude, einsame Straßen. So stellt man sich das jedenfalls vor. “Wir organisieren Partys zusammen mit Leuten in anderen Städten, Düsseldorfern, wie Mighty Flores, oder in Koblenz, Cottbus, und versuchen so über die Zeit wo wir keinen Club haben hinwegzukkommen, und es geht eigentlich sehr gut.” Das vierte Mitglied, Mariachi, ist das Bindeglied zwischen allen. Er ist als letzter dazugestossen, weil in Bonn einfach jeder jeden kennenlernen muß, und produziert mit Thilo (grade fertig die zweite Pathfinder EP), ist der Webmaster (www.pathfinder-recordings.de) und steady DJ Crew Mitglied. “Ich denke musikalisch bin ich, obwohl ich den Virus-Stil mag, die Stimmung da drin, doch nicht so genau festzulegen. Wenn ich mit Thilo produziere, dann will ich auch nicht unbedingt Tracks machen die komplett funktional auf den Dancefloor ausgerichtet sind, nicht unbedingt die Tracks machen die mir in meinem DJ Set vielleicht fehlen, weil ich glaube daß man sich damit zusehr einschränkt.” Die dritte EP auf Pathfinder die kurz nach der zweiten erscheint wird dann das Feld des Labels noch mehr ausweiten. Kingsize aka Mighty Flores und ein neuer Bonner Act, Reisswolf, bestimmen dann zusammen mit Rinc, Basztard, Mariachi und Basic fürs erste den Rahmen der Producer und werden Bonn mit Sicherheit so bekannt machen wie Bielefeld, und der Rahmen soll, wie Rinc gerne betont, offen bleiben. “Wir sind stilistisch alle recht verschieden, und wollen es auch bleiben.” In der ehemaligen Haupstadt ist einfach alles noch etwas relaxter als in den sogenannten Metropolen wo man gerne mal den gepflegten Minikrieg der Szenen führt, der eigentlich noch nie zu viel geführt hat.

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Elektronische Lebensaspekte.