Peter Kremeier ist als Losoul und Don Disco entscheidend für das Profil des Frankfurter House-Labels Playhouse verantwortlich. Mit
Text: Jan Joswig aus De:Bug 39

Tritt nicht auf meine House-Schuhe
Losoul

Mit Losoul ist auf autoritätseinflößende Weise die Bedenklichkeit in den deutschen Minimalhouse eingezogen. Peter Kremeier aka Losoul aka Don Disco reiht seit 94 EP an EP, die sich zu einer immer unentrinnbareren Strecke von dunkel-abstrahiertem Emo-Groove fügen. Ehrfurcht und Enthusiasmus gegenüber dem mysthischen Rätsel House treiben Kremeier bei seiner Produktionsfragestellung voran: Wie kann bei der Minimierung der Mittel eine Maximierung der Stimmungsdichte gleichziehen? Losoul-Tracks präzisieren mit dem Bekenntnis zu Melancholie ein In-der-Schwebe-Halten von Atmosphärespannungen, in dem jede unbedachte Jubel-Auflösung eine Niederlage wäre: “Es ist deep, es ist dark, es ist positiv.” Die Errettung des House-Ursprungsgeistes in der introspektiven Zurücknahme. Momentaner Gipfel: sein Album “Belong”.
Kein Wunder, dass ihn mit diesem Programm über seine Frankfurter Heimbasis Playhouse hinaus die zweite Chicago- und Detroit-Generation argusäugig wahrgenommen hat. 97 wurde er eingeladen, auf dem Guidance-Unterlabel Crucial als “Projam” eine EP zu veröffentlichen, bereits 96 lizensierte Dan Bell Losouls “Open Door” für sein Elevate-Label, Theo Parrish im Remix. “Open Door” manifestierte mit Nachdruck, wie House im Understatement-Bausatz mit geringfügigsten Modulationen zum dunkelpulsierenden Riesen anwachsen kann. 20 Minuten (wenigstens) eingraben, eingraben, eingraben. Danach war Wildpitch nur noch eine dürre Jahrmarktsgaudi. Und Kremeier William Faulkner.
Auch “Belong” eröffnet mit solch einem Tiefenbohrertrack. Aber Kremeier nutzt die versteckten Hinterräume des Albums, um gegen die Gefahr der eigenen Stereotypisierung auf musikalischen Abzweigern in sich Hineinzuhorchen. “Statt der 20-Minuten-Dramarturgie bin ich wieder mehr beim Arrangieren gelandet, bei ‚Belong‘, aber auch schon bei der Vorgänger-EP ‚Lies‘.” Der Arrangementsansatz zwischen Panflöten-Loops, Akustikgitarrenspuren, Flat Eric-Bass und Bill Withers “Use me”-Sample – homöopathisch auf die einzelnen Titel verteilt – sprengt den Solipsismus der früheren Tracks und eröffnet ein neues Spiel, einen Dialog um die Neubewertbarkeit bedeutungsentleerter Elemente, den Losoul in der bisherigen Klangabstraktion umgangen hatte. Und den er auf “Belong” nicht auf Kosten, sondern zu Gunsten seiner speziellen Stimmungslage führt. “Beim Arrangieren spanne ich eine Atmosphäre zwischen Einzelelementen auf, die für sich genommen vielleicht unbedeutend sind. Die Gesamtatmosphäre macht‘s.” Losoul macht’s.

Psychoakustischer House
“Ich habe im Laufe der Zeit immer wieder Stücke produziert, die nicht 100% Dancefloor sein sollen, sondern auch von Dingen erzählen, die tagtäglich passieren können. Nicht nur in den Club gehen, tanzen, Spass haben, entsprechend Party, ich wollte Licht- und Schattenseiten parallel behandeln. Dafür ist ein Album das ideale Medium. Losoul-Stücke stellen die Schwelle zwischen einer gesellschaftlichen Vernetzung und eben dem Fehlen einer gesellschaftlichen Vernetzung dar. Das ist bei House oft so. Nicht bei opulenten Sachen, bei minimalen aber schon. Die Stücke stehen auf der Kippe. Die soziale Energie zwischen einsam, zweisam oder mehrsam ist eine Schaffensmotivation. Es ist keine Musik, die für totale Euphorie, totale Community steht. Es bewegt sich in einem Zwischenraum. Bei ‚Lies‘ habe ich Cameo gesamplet. Deren ‚Word Up‘ LP war nur am Rande clubtauglich, obwohl sie aus einem Party-P-Funk-Umfeld kommen. Das ist das Ideal, im gepflegten Houseclubgeschehen die Party nicht herauszuschreien, sondern sie sich langsam entfalten, eröffnen zu lassen. Es macht viel mehr Spaß, ist viel raffinierter, wenn der Kern eines Stückes erst durch die Blume erkannt wird.
Meine Produktionen halte ich von klassischen Cubhousesachen gar nicht so entfernt. Sie sind reduzierter, aber ich versuche, auch bei sehr minimalen Sachen eine bestimmte Atmosphäre, Harmonik beizubehalten. Die Kontinuität soll auf anderem Level weitergeführt werden. Das Hynotische statt des Schreierischen, Intensität steigern. Stell dir vor, du hast nur mit Leuten zu tun, bei denen alles von vornherein ganz klar rüberkommt. Du musst deine Sinne überhaupt nicht strapazieren, keinerlei Kreativität aufbringen. Ohne einen zu bekannten Weg zu gehen, soll meine Musik auf der einen Seite unterhalten, auf der anderen lehrreich sein, und wenn es eine intuitive Lehre ist, eine Sensibilität. Meine Musik ist Einladung zur Sensibilität

Belong
Der Titel “Belong” spielt sowohl auf den gesellschaftlichen wie den musikalischen Aspekt des Dazugehörens an. Ich versuche zu ergründen, wie sich Leute darstellen, sich konstruieren, was sie wollen, ihr Mit- und Gegeneinander. Musikalisch meint “Belong”, dass die Nicht-in-your-Face-Aspekte auch zu House gehören, die Sensibilisierungseinladung.
Das ‚Sunbeams and the Rain‘-Stück ist auf eine Art fleischlos, neben der Stimmung und den Harmonien ist es sehr abstrakt, der Titel soll keine konkrete Assoziation beschreiben. Titel und Stück lassen eine abstrakte Assoziation zu. So entsteht der Schwebezustand, der in vielen Fällen/ Situationen/ Stücken einfach nicht vorkommt, weil dauernd so entertainermässig Gas gegeben wird. Immer, wenn etwas nicht ganz klar ist, kommt das nächste Ereignis. Wenn es eine Happyness-Overdose gibt, ist das einfach nicht mehr authentisch. Wenn ich Klischees verwende, dann nur unterschwellig. Es ist eher zum Schmunzeln, aber trotzdem dark. Lege ich Stücke auf, die nicht auf klare Weise deep sind, dann sind sie auf melancholische Art lustig oder einfach trashig, die Ader habe ich auf jeden Fall. Ich strapaziere mal den Ausdruck: mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Man weiss halt nicht genau, wie Ernst ist die Lage
Eine gewisse Befangenheit beschattet meine Stücke, eine schwierige Situation. Die Stimmung steht in der Tradition von 80er Popsachen, die wieder Einzug halten ins Clubleben, Flash and the Pan-Sachen, der Remix eines Police Stückes. Auf der einen Seite geht es überhaupt um mehr Aussage, ein weiterer Horizont, und eben auch darum, die Spannung nicht nur durch immer schöner, immer lustiger, immer sexiger anzutreiben, sondern durch das Darke und Melancholische.”
Als Dj “Superbleep 3000” spitzt Kremeier die künstlerische Gewissenhaftigkeit soweit zu, dass er selbst auf die Texte der Vocalhousetracks achtet, mehr Aussage. Die Penibilitätsgrenze wird zu einer Allround-Intensität übertreten, die keinen Einwand duldet. “Wenn ich Vocalsachen auflege, höre ich mir die vorher genau an, ich zelebriere den Text beim Auflegen.” Kremeier zaubert aus jedem Mikroelement in House ein Trostpflaster für die verkokste, ‘tschuldigung, verkorkste Einzelexistenz. Sein weiteres Alias, Don Disco, klingt viel zu frivol munter, Losoul trifft als Name den Kremeier’schen Voodoo besser. “Mein House ist eher lo(w). Tanzen für’s Gemüt.”

Tanzen für’s Gemüt
Vor allem Tanzen. Schwof ob de Deel, dass wussten schon die Alten, darum geht’s. Aber das Schwofen mit der zweigesichtigen Harlekinsmaske. Mit der Smiley-Pappe vor dem Gesicht den Horizont versperren, gilt genauso wenig, wie sich im Ambient-Plüsch auf dem Sofa einzuigeln. Die Hockerclubs und Laberkaschemmen kreativ bewegter Studenten, die aus jedem halböffentlichen Raum noch ein WG Sit In machen, sind Argument genug für ein Festhalten an der Tanzaufforderung.
“Ich habe eine starke Affinität zu Rhythmen, Funk, Soul, Hip Hop. Bei ‚Position‘ habe ich sehr stark mit Groove gearbeitet, man könnte es in zwei Worten Space Funk nennen. Ältere Tracks sind fast funktionalitätsgefährdend grooveexperimentell. Die Bewegungen, die die Musik dem Körper vormacht, sind nicht ganz einfach, ein bisschen vertrackt. Das finde ich nach wie vor sehr spannend, vertrackte Rhythmen eingängig zu machen. Einen Track zu gestalten, der für den Körper schwer zu verstehen ist, obwohl er vom Rhythmus, von der Physik, der rhythmischen Intensität schon dancefloortauglich ist. Ich bin insofern weiter, als ich noch mehr auf Fluss hinaus bin, eindeutig.”

House against emotional abuse
“Malte singt zu meinem Stück ‚Trust‘: ‚Trust – until you use me.‘ Ich habe entsprechende Erfahrungen gemacht, konkrete Erfahrungen, und das gehört für mich am ehesten auf ein Album. In gewisser Hinsicht fühle ich mich schon isoliert, aber nicht nur bei der Studioarbeit, das geht über das Musikalische hinaus, das ist ein gesellschaftliches Moment, das zum Ausdruck kommt. Aber den Club werde ich wohl nicht verlassen.”
Reden ist Silber, Schweigen ist Blech, Losoul-Tracks sind Gold.

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Elektronische Lebensaspekte.


Text: Riley Reinhold aus De:Bug 17

Wenn House eckig und kantig wird Don Disco aus Wiesbaden exportiert deutschen House nach Chicago und gewinnt. Riley Reinhold rrr@de-bug.de Steve Bug, Michael Mayer, Reval, Markus Nikolei und Don Disco gehören zur Speerspitze derjenigen, die in letzter Zeit durch Produktionen und DJ-Performances House zu einer neuen Attraktivität verholfen haben. Lange Zeit den Amerikanern und Engländern vorbehalten, hat House nach Techno nun auch bei uns seine eigene Identität gefunden. Der Tiefpunkt der amerikanischen Housekultur 1995 mit einem mehr als mittelmäßigen Output führte in Deutschland und England dazu, vor Ort angefangen wurde, selbst zu produzieren. Etliche Technoproduzenten haben in den letzten zwei Jahren stärker mit House experimentiert. Heute ist House immer mehr zu einem Produkt einer Schnittmenge verschiedenster Interessen geworden. Die Dezentralisierung in den USA, weg von den Club-Metroploen wie Chicago oder New York, hat dazu geführt, daß sich auch andere Formen von House dort etablieren konnten. Deep House Stars wie King Britt, Moodyman oder Theo Parrish sind genauso hip wie einige Deutsche! Don Disco aka LoSoul zum Beispiel, der in Chicago mit “Open Door” einen Hit gelandet hat, ist international erfolgreich mit einer Veröffentlichung auf dem Chicagoer Label Crucial (Sublabel von Guidance), einer Platten auf dem Wiener Label Grow! und etlichen Lizensierungen. Don Disko aka Peter Kremeier wurde in Köln geboren und erlebte dort 1988 die Acid Anfänge im Rave. Jetzt lebt er in Wiesbaden, gehört zum Urgestein des Frankfurter Labels Playhouse und ist ab und an auch aktiv für Independent-Labels wie Sport oder Zehnkampf. Sein Stil ist unverwechselbar, denn Peter Kremaier mag es, wenn sich seine oft acht bis zehn Minuten langen Stücke langsam und gemüchlich im Kopf und Körper festsetzen. Irgendwo hat die Lässigkeit seiner Tracks viel von Deephouse, wenn auch die Musik eine sehr lebendige, ungewöhnliche Oberfläche hat, die sich aus Kleinstfragmenten zusammenzusetzten scheint. Im Vergleich zu hippen französischen Platten, lebt seine Musik dabei weniger von trendigen Filterbewegeungen ˆ la Daft Punk oder Stardust, sondern vielmehr vom Zusammenspiel dieser “MikrobausteineÒ. Was seine Stücke nie tun, ist mit fetter Bassdrum nach vorne zu preschen. Jede noch so kleine Forwärtsbewegung geht einher mit einer Rückwärts- oder Seitwärtsbewegung. Da wird ein Kampf ausgetragen. Der Sieger heißt Funk. Ich habe mich mit Don Disco unterhalten. DeBug: Du bist Don Disco. Das ist ein mächtiger und ungewöhnlicher Begriff. DD: Du hast schon recht, Disco ist ein zentraler Begriff, und wenn man den noch als Namen hat, ist das schon vereinnahmend, das muß ich zugeben. Als mir der Name eingefallen ist, habe ich weniger an Macht gedacht. Vielmehr ist es ein intensiver Name, da ist Leidenschaft dahinter. Er bringt von vornherein eine Stimmung der Ernsthaftigkeit wie auch Emotionalität rüber, also eine Fröhlichkeit, die Traurigkeit kennt. Und er klingt gut. DeBug: Gab es schon Platten von Dir, bevor Du auf Playhouse veröffentlicht hast? DD: Ja, meine ersten beiden Platten sind auf lokalen Labels herrausgekommen. Auf Placid Flavour aus Darmstadt erschien die ‘Siluette Electronique’, auf der ich neben neben Riccardo Villalabos ein trippiges Techno Stück gemacht hatte. Ich habe aber schon vor der Platte in den späten 80ern mit Freunden Musik gemacht. DeBug: Du bist mit deiner ersten Veröffentlichung 1994 in eine Phase reingerutscht, in der der Sturm und Drang von Techno gerade vorüber war und man nach Neuem gesucht hat. Was hat dich in dieser Zeit musikalisch interressiert? Bist du mit House eher als mit Techno großgeworden? DD: Mich interessieren keine richtig vollständigen Stile. Wenn man sagt, da seien Drum & Bass Elemente drin, es sei funky, kühl und tief, dann sind das Attribute, die verschiedenen Stilen zugeordnet werden. An House hat mir der Soul, die Tiefe, die Emotionität die durch Harmonien entstanden, gefallen. Bei Techno war es das Treibende, der Druck. Ich habe früher auch viel Hip Hop gehört. Mir ist wichtig, daß ein relaxter Groove auch physisch ist, durch seine Körperlichkeit überzeugt. Ich bin eigentlich ein ziemlicher Technikbastler, der versucht, solche Sachen auch herauszuarbeiten. Der Inhalt ist ebenso wichtig wie seine Ausarbeitung. Da bin ich auch manchmal lange dran. DeBug: Welche Form von House war wichtig für dich? DD: Mich haben unter anderem detroitige Platten von Mad Mike beeindruckt, vor allem die mit Gesang. Terrence Parker gefiehl mir auch gut. So sehr ich mich auch mit der Technik beschäftige, ich versuche, das bei meinen Stücken auch so hinzukriegen, daß sie leichfüßig klingen. DeBug: Deine Musik basiert sehr stark auf Wiederholungen. Dabei kommt es sehr auf den richtigen Zeitpunkt an, damit es spanned wird. So etwas setzt Cluberfahrung voraus. DD: Ich bin bis heute ein Clubgänger geblieben. Ich tanze auch gerne. Ich finde es sehr wichtig, daß man die physische Erfahrung macht und mitbekommt wie genau die Musik beim Tanzen mit dir korrespondiert. Es ist eine Art Selbsterfahrung, die ich dann in Tracks umsetze. DeBug: Deine Musik mißt sich an realistischen Bedingungen, ist aber trotzdem immer unvorhersehbar. DD: Open Door war auf eine Art wirklich ein Hit und wurde von unterschiedlichen Leuten gespielt und akzeptiert, worauf ich sehr stolz bin. Das ist ja auch sehr interessant, daß so etwas geht. Die anderen Sachen werden auch von dem einen oder anderen gespielt, ich habe sie auch schon in Charts gefunden. Sie sind aber nicht so hittig einsetztbar wie eine Master At Work Platte. DeBug: Open Door ist jetzt auf Elevate in den USA erschienen. Man darf annehmen, daß es drüben also ganz gut läuft? DD: Daniel Bell meinte, daß es in Chicago ein Hit war und ist. DJ Trax hat mir das auch erzählt. Daniel Bell hat es mit “Losing Control” verglichen. Das war sein Hit, “Open DoorÒ ist meiner. DeBug: Die Detroiter haben schon immer Musik von außen zugelassen. In New York war man dagegen immer viel patriotischer. DD: Daß das Stück in Chicago und Detroit besser ankommt als in New York, rührt einfach daher, daß es Chicago-Detroit mäßig ist! Meine Musik ist immer eher eine Art Geheimtip. Ich habe damit aber kein Problem, weil ich lieber sehr nah an meinem Ding bleibe. Ich finde es nicht gut, wenn man sich einmal verleugtnet hat und dann denkt, es müsse immer so sein, nur weil es funktioniert hat. Pop=House=Techno=Depeche Mode=Don? DeBug: Pop als Begriff fällt immer häufiger bei nicht kommerziellem House und Techno. Wie gehst du mit dem Begriff um? DD: Meine Stücke sollen im besten Fall vollständig überzeugen und dadurch Pop sein. Die Musik ganz konkret ist aber kein klassischer Pop. DeBug: Hast du Roots in der Popmusik ? DD: Ich bin schon mit schwarzer Musik aufgewachsen, Hip Hop, Soul, Funk. Ich mag auch gerne synthetischen Pop, habe damals auch gerne Depeche Mode gehört, obwohl ich persönlich finde, daß man das in der Musik nicht sehr stark spürt. DeBug: Stichwort Kantigkeit… DD: Hab ich sicherlich schon ab und zu drin. Wenn, dann versuche ich aber, sie nachvollziehbar rüberzubringen, so, daß es trotzdem Spaß macht, darauf zu tanzen. DeBug: Deine Stücke zucken ja schon fast! DD: Klar! Einen Groove, der nach vorne und zurück geht, also mehrdimensional ist, finde ich total super. Ich mag es, wenn die Tracks eine gewisse Amplitude haben, also ein Wechsel stattfindet im großen wie auch im kleinen. Es pumpt, gleichzeitig gibt es aber woanders ein Auf und Ab. Ich arbeite mit großen und kleinen Wellen, Sebst, wenn die dann eckig sind…für mich sind es abgerundete Ecken. DeBug: Dein neustes Projekt heißt E.X.O.R.S.I.S.M.U.S. DD: Die Tracks haben einen anderen Sound und sind aus einem anderen Zusammenhang heraus entstanden. Lo Soul Platten sind von der Struktur und von der Funktionsweise her ähnlich. E.X.O.R.S.I.S.M.U.S. unterscheidet sich in puncto Inhalt, Stimmung und Abstraktion. Die Tracks wirken anders, sind nicht als 100%ige Partytracks konzipiert worden, obwohl es natürlich auch Parties gibt, wo solche Musik läuft. DeBug: Du bist musikalisch aufgeschlossen und magst unter anderem auch Drum and Bass. DD: Ich hatte mal ein Electro-artiges Stück mit dem Namen “Take Off” auf Sport, bin aber auf jeden Fall mit Drum & Bass vertraut und mag es auch. Ich habe auch ein paar Tracks in diese Richtung gemacht, aber sie noch niemandem angeboten. Mir gefallen vor allem die darkeren Sachen. Ich habe mir da auch richtig Gedanken gemacht, wie dort mit der Stimmung gearbeite wird, auch technisch. DeBug: Welche Platten passen denn stilistisch zu E.X.O.R.S.I.S.M.U.S? In was für Sets könnte man die Platte einbinden? DD: Auf jeden Fall Maurizio-Platten, zum Beispiel M6 oder die Cycle 30 von Jeff Mills, auf der ja mehr soundtrackartige Stücke drauf sind. Underground Resistance haben vielleicht eine ähnliche Stimmung auf ihren Platten, die natürlich detroitiger ist, hörbar souliger, aber auch mit dieser kühlen Romantik. Die Sachen haben eine ähnliche Leidenschaft. Aktuelle Platten von Don Disco: Don Disco, E.X.O.R.S.I.S.M.U.S., ist bei Playhouse erschienen. Im nächsten Jahr erscheint eine LoSoul LP auf Playhouse. Mir ist wichtig, daß ein relaxter Groove auch physisch ist, durch seine Körperlichkeit überzeugt. Einen Groove, der nach vorne und zurück geht, also mehrdimensional ist, finde ich total super. I

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