Text: jörg clasen aus De:Bug 24

Doppelkopf, das sind die drei Hamburger Falk (Rap und Musik), Thyes (DJ und Musik) und Bubbles (Musik und Live Mixer). Rapper Falk und Dj Thyes kennen sich seit sie vor zehn Jahren unter dem Namen Six Pac lokalen Ruhm erlangten. Nach diversen Umwegen fanden sich die beiden vor zwei Jahren unter dem Namen Doppelkopf zusammen. Dritter im Bunde ist der Soundmann Bubbles und auch er hat eine sich stetig weiterentwickelnde Geschichte von Soundsystems, Dj-Aktivitäten und dem Aufbau des eigenen Slow’n’Low Studios hinter sich. Vor anderthalb Jahren entstand die ãRapz vom MondÒ EP, die auf HongKong veröffentlicht worden ist. Weil Thyes und Falk damals eigentlich nur zu zweit waren, erschien die Platte unter dem Namen Doppelkopf starring Bubbles, was den Dreien dann zu kompliziert und damit als Bandname eher untauglich erschien. Deshalb heißen sie jetzt wieder schlicht Doppelkopf. Jetzt ist eine neue Platte fertig geworden: vom Abseits. Ich traf Falk in Berlin und durfte mich mit ihm unterhalten. Die gut überlegte und überraschende Einstiegsfrage war, was soll das mit Doppelkopf ? ”Doppelkopf soll das Verhältnis zwischen Phantasie und Realität ausdrücken, die sich ja gegenseitig bedingen. Du kannst in Deiner Phantasie die Realität weiterspinnen oder aber Du kannst Dir überlegen, was Du machst und wo das vielleicht hinführt und sehen was Du verändern kannst und willst und am nächsten Tag sieht Dein Alltag dann schon ein Bißchen anders aus. Du brauchst also beides, um nicht auf der Stelle zu treten und dafür steht Doppelkopf.” Wenn man die Platten hört, fällt auf, daß sich Euer HipHop von dem, was man gewohnt ist, stark unterscheidet. Ihr geht weg vom Boy meets Girl-Image und Party-Hurra Ding in Dur. Statt dessen ist eure Musik düster und moll. Wie ist das entstanden und inwiefern seit ihr dennoch vom Deutschen HipHop beeinflußt? ”Als wir angefangen haben gab es zwei große Richtungen, die sich am besten durch ãDie DaÒ (Fanta 4)und als Gegenpol ãFremd im eigenen LandÒ (Advanced Chemistry) charakterisieren lassen. Beides hat uns nicht gefallen. Wir haben daher versucht, unser eigenes Ding zu machen und dabei nicht darauf geachtet, was die anderen machen und wie das bei den Leuten ankommt. Klar haben uns die anderen unterstützt und immer voll hinter uns gestanden, was aber nicht mit beeinflussen gleichzusetzen ist. Das Ergebnis ist, daß ein Vergleich von Doppelkopf mit anderen HipHoppern schwer fällt Ð es gibt zu uns keine Alternative.” Wenn Du Dir heute HipHop ansiehst, fällt Dir auf, daß das kein Nischen-Ding mehr ist, im Gegenteil Ð HipHop und gerade der deutsche boomt zur Zeit wie nie. Zählt für Dich im HipHop noch die alte Protest-Idee? ”Das verändert sich je älter man wird. Wenn Du Dir die drei klassischen Disziplinen ansiehst, Graffiti, Breakdance und Rap, dann geht es immer darum im Mittelpunkt zu stehen, im Grunde ist es ein Ego-Trip für Leute, die das Gefühl haben ihre eigene Person aufwerten zu müssen. Nur deshalb machst du ja Graffitis, damit jeder Deinen Namen sieht. Beim Breakdance bist du in der Mitte des Kreises und beim Rapen ist es ähnlich. Ich denke in einem bestimmten Alter ist jeder dafür gut zu haben, wenn man beginnt sich zu fragen, wo man steht und wer man ist. In den Ghettos der USA, wo HipHop ja ein Organ der gesellschaftlich nicht anerkannten Gruppen ist und Ausdruck globaler Problematik ist das natürlich viel stärker. Wenn Du bei uns in der Pubertät bist, geht es vielmehr um Dich selbst, weil Du Dein eigenes Ghetto bist. HipHop ist der Trick, mit dem Du Dein eigenes Selbstbewußtsein aufwertest. Heute geht es mir vielmehr darum, Lieder zu schreiben, was bei uns sehr langsam geht. Ich bin sowieso nicht der große Freestyler Ð eigentlich fällt mir nach vier Zeilen, wenn ich überhaupt soweit komme, schon das Mikro aus der Hand. Wir schreiben einfach unsere Rap-Stücke und hoffen das sie anderen auch gefallen. Das ist das, was übrig geblieben ist.” In letzter Zeit ist es keine Seltenheit mehr, daß drei oder vier HipHop-Tracks aus deutscher Feder in den Top Ten landen. Freust Du Dich über diese Resonanz oder befürchtest Du, daß, wenn sich die breite Masse angesprochen fühlt, HipHop zu einer Mode verkommt und er von denen, die in konsumieren gar nicht mehr so verstanden wird, wie es eigentlich gemeint ist? ”Es gibt da wohl zwei Seiten. Auf der einen Seite ist es natürlich gut, weil der Erfolg auf breiter Ebene gleichbedeutend ist mit einer größeren Zahl verkaufter Platten, was Geld einbringt. Wenn ich von meiner Musik leben kann, gibt mir das die Chance, mich auch besser auf das Schreiben der Raps zu konzentrieren und natürlich kann ich mir das Equipment leisten, mit dem ich am liebsten arbeiten möchte und mit dem ich meine Vorstellungen am besten umsetzen kann. Im optimalen Fall bedeutet das also, daß die Qualität der Musik mit dem Erfolg immer besser wird. Die andere Seite ist, daß HipHop eigentlich Protest ausdrückt, Protest zum Beispiel an der Leistungsgesellschaft. In dem Moment, in dem Geld anfängt eine mehr oder weniger dominierende Rolle zu spielen, ist das Ding vergesellschaftlicht. Je mehr das geschieht, desto weniger ist es noch Protest. Außerdem besteht die Gefahr, daß man nicht mehr so frei produzieren kann, weil man sich von oben reinreden lassen muß, wenn nur noch der Umsatz zählt. Man rutscht da leicht in eine Abhängigkeit. Im ganzen ist es eine Gradwanderung zwischen gut und schlecht, denke ich.” Auf dem Radio- und Fernsehterrain seid ihr wenig zu finden. Ist das beabsichtigt? Einen Versuch hattet ihr mit dem Track ãBalanceÒ mal gestartet, was ist daraus geworden? ”Wir sind da ein bißchen rausgefallen, weil sich das Stück als Hit nicht gerade aufgedrängt hat, es ist eben ein stinknormaler Doppelkopf-Track, der viel zu lang ist, der viel zu viel Text hat, den keiner verstehen kann, bei dem eben die ganzen Kriterien nicht berücksichtigt sind, die wichtig sind für Radio und Fernsehen. Wir werden da in Zukunft Abstriche machen können, weil sich Sechs-Minuten-Stücke mit achtzig Zeilen Rap am Stück schlechter plazieren lassen, als Stücke mit bündigen Raps und Refrain Ð der kann ja auch derbe cool sein. Anpassung in Maßen wird also wohl stattfinden, was nicht heißen soll, daß da so was ãCappucinoÒ-mäßiges rauskommen soll. Wir lassen uns derbe was einfallen.”

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Elektronische Lebensaspekte.