Das schwedische Label Dot kämpft für die Nichtdefinierbarkeit ihrer Musik und die Anerkennung von Non-Pop-Musicians im a-ha- und Cardigans-Land.
Text: Oke Göttlich aus De:Bug 38

/elektronika/schweden Treffer, versenkt. Und wieder aufgestiegen. Das schwedische Label Dot Es ist Zeit, mal wieder auf den Punkt zu kommen. Dot, das kleinste vorstellbare Königreich, das in Hinblick auf das Logo mit der Lupe gesucht werden muss, sendet nach kurzer Schaffenspause wieder seine Ritter aus. Musikalische Ritter, die grösstenteils aus einem echten Königreich, nämlich dem schwedischen kommen, vereinigen sich mit solchen, die für kurze Zeit unter fremder Fahne für eine freiheitliche Genredefinition innerhalb der Grenzen einer modernen Rhythmusbasis ausreiten. “Giving the people music they didn’t know they wanted” lautet das Manifest, das von Künstlern wie Quant, Metamatics, Jol und kommenden Verstärkungen wie u.a. wahrscheinlich Spacer und Joey Beltram vetreten wird. Nach zahlreichen Veröffentlichungen, die mit Alben von Friend (die bereits vor drei Jahren einen freieren Drum’n’Bass Ansatz vertraten), Hab und der ‘Endlessnessism Compilation’ 1998 den speziellen schwedischen Elektronikentwurf ankündigten, folgten finanziellen Schwierigkeiten und die Auflösung des abseitigen Labels Dot. Seit Anfang Mai finden sich nun die ersten Lebenszeichen in Form von vier Maxis wieder. Und die lassen eine erste Nichtdefinition des Labelsounds zu, sozusagen: Quant, der Coldcut und Tosca remixte, zeigt seine leidenschaftliche Verbundenheit zu Funkmeistern wie Hancock, um die nächste Evolutionsstufe, Disco, mit eindeutiger Beatstruktur und typischen hedonistischen Sounds einzubinden. Seine farbenfrohe und lebenslustige Seite, die mit unglaublichen Melodien versehen ist, zeigt Lee Norris aka Metamatics aka Norken, der auf seinem eigenen Label ‘Neo Ouija’ sonst eher auf sentimentalen und kleinteiligen Soundaufbau setzt. Joel Eriksson (der von Dorfmeister zum Remixer für sein Tosca-Projekt gewählt wurde) liebt es dagegen, in analogen Perkussions zu schwelgen, während der dritte Schwede der Tafelrunde, Zeke Schöön, für die klassische Elektrovariante zu haben ist. Bei so viel Gewesenem und Kommendem wird an dieser Stelle dem Macher, König Anders Bersten und dem ritterlichen Künstler Quant das Wort überlassen. Lupe nicht vergessen…. De:Bug: Knapp zwei Jahre lang war von Dot nichts mehr zu hören. Was ist passiert und wie habt ihr euch wieder gefangen und motiviert? Anders: NONS – North of No South Records, Dots ursprüngliches Mutterschiff, bekam heftige Geldschwierigkeiten, weil ihre grösste Band namens Cloudberry Jam floppte. NONS und Dot mussten sich trennen und auf die Suche nach neuen Partnern machen. Nach knapp zwei Jahren haben wir mit der MNW Plattenfirma, die NONS und Dot kaufte, einen vernünftigen Konsens erreicht. Warum wir unbedingt weitermachen wollen, lässt sich leicht erklären: Wir haben grosse Hoffnungen und viele Visionen. Quant: Es war echt eine harte Zeit für mich. Während der Suche nach neuen Partnern musste ich dafür sorgen, wie mein Leben finanziert werden sollte. Ich war gerade Vater geworden. Weil ich aber einer der ersten Künstler auf Dot gewesen bin und Anders aufopferungsvoll für das Label gekämpft hat, wollte ich meine Mission erfüllen und Anders nicht hängen lassen. De:Bug: Inwieweit gibt es bei Dot musikalische Unterschiede zu anderen Labels? Anders: Ein signifikanter Unterschied bei den meisten Dot-Künstlern ist, dass sie keine klassischen DJs oder Produzenten sind, sondern vielmehr vom Pop, Rock oder Jazz kommen. Dadurch spielen sie verschiedene Instrumente. Das kommt in der Szene sonst kaum vor. De:Bug: Gibt es überhaupt einen Rahmen, in den ihr euch irgendwie einordnen lasst? Anders: Irgendwo zwischen Herbie Hancock und Likwid Biskit in Zusammenarbeit mit Künstlern, die saftige, mutige, soulful, jazzy, kuriose, vornehme und melodiöse Musik machen. De:Bug: Ihr beschreibt häufig die Auseinandersetzung mit den typischen Problemen im Musikgeschäft: die kommerziellen Interessen der Majors, schlechte Qualitätskriterien der A+R’s etc. Trotzdem arbeitet ihr in den selben , nur kleineren Strukturen, müsst euch auf Vertriebe verlassen usw. Gibt es für euch da ein ‘richtig’ oder ‘falsch’? Anders: Es ist eine komplexe Situation, natürlich gibt es da keine generelle Antwort. Das wichtigste, das vor allem anderen kommt, ist die Musik. Die verschiedenen Bezeichnungen, ob etwas ‘underground’ oder ‘abstract’ ist, beziehen sich für mich nur auf den Stil der Musik und nicht auf ihre Verkaufsstrukturen. Deshalb kann ‘kommerziell’ für mich auch positiv sein, wenn man viele Platten verkauft, ist das immer gut. – Zumindest solange, wie sich die Methode des Arbeitens nicht grundlegend danach richtet. De:Bug: Wie wird man als ein experimentelles schwedisches Label und als elektronischer Musiker im Pop-Land Schweden behandelt? Wird man mehr als Aussenseiter oder als buntes, exotisches Ganzes wahrgenommen? Anders: Von Labelseite kann ich sagen, dass viele es als exotisch wahrnehmen und glücklicherweise nicht ganz so schnell in eine Schublade stecken. Quant: Zwar wird momentan eine Vielzahl interessanter Sachen in Schweden produziert, aber wir “Non Pop Musicians” werden trotzdem nicht dafür ernst genommen. Es scheint so zu sein, dass man in Schweden aufwächst, um authentische, ernste Popmusik zu machen. Manchmal muss man sich Fragen gefallen lassen, wie: Warum macht ihr so verrückte Sachen, wenn man eine Hitplatte machen könnte? Das nervt natürlich ziemlich, liegt aber daran, das in Schweden viele aus dem falschen Grund Musik machen: nämlich um Geld zu verdienen. De:Bug: Was sind eure nächsten Pläne? Anders: Nach dem Metamatics-Album wird es wieder die zwei Compilations ‘Endlessnessism 2’ und ‘Knights Who Say Dot 2’ geben. Danach folgen die Debütalben von Jol und Zeke Schöön und zahlreiche Überraschungen aus Detroit (Joey Beltram?, Vermutung des Aut.) und England (Spacer?, Verm. D. Aut.). Quant: Ich versuche, weiter mit dem Flow zu gehen und mich musikalisch noch mehr von gewissen Grundpatterns zu lösen. Ich möchte noch mehr als bisher daran zu arbeiten, meinen Gesamtinput an Musikvergangenheit einzubinden.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.